Klimapolitik

CO<sub>2</sub>-Emissionsnormen für Personenkraftwagen und leichte Nutzfahrzeuge

Strategie

Auf Personenkraftwagen und Lieferwagen („leichte Nutzfahrzeuge“) entfallen rund 12 % bzw. 2,5 % der gesamten Emissionen der EU an Kohlendioxid (CO2), dem wichtigsten Treibhausgas.

Am 1. Januar 2020 trat die Verordnung (EU) 2019/631 in Kraft, mit der CO2-Emissionsnormen für neue Personenkraftwagen und neue leichte Nutzfahrzeuge festgelegt wurden. Dadurch wurden die Verordnungen (EG) Nr. 443/2009 (Personenkraftwagen) und (EU) Nr. 510/2011 (leichte Nutzfahrzeuge) ersetzt und aufgehoben.

In der Verordnung werden EU-weite Flottenziele für CO2-Emissionen festgelegt, die ab 2020, 2025 und 2030 gelten, und sie umfasst einen Mechanismus, der Anreize für die Einführung emissionsfreier und emissionsarmer Fahrzeuge schafft.

Um bis 2050 eine klimaneutrale EU zu verwirklichen und bis 2030 das Zwischenziel einer Nettoreduzierung der Treibhausgasemissionen um mindestens 55 % zu erreichen, bereitet die Kommission eine Überarbeitung der Verordnung im Rahmen des „Fit für 55”-Pakets vor.

Nutzen

Die Verordnung (EU) 2019/631 wird

  • dazu beitragen, dass die EU ihren Verpflichtungen im Rahmen des Übereinkommens von Paris nachkommt;
  • die Kraftstoffverbrauchskosten für Verbraucher senken;
  • die Wettbewerbsfähigkeit der Automobilindustrie der EU stärken und die Beschäftigung stimulieren.

Zielwerte

Ziele (2020–2024)

Durchschnittliche Emissionen im Jahr 2019 (EU-28, Island und Norwegen) (Werte nach dem neuen europäischen Fahrzyklus (NEFZ))

Mit der Verordnung (EU) 2019/631 werden die in den Verordnungen (EG) Nr. 443/2009 und (EU) Nr. 510/2011 für den Zeitraum 2020–2024 festgelegten EU-weiten Flottenziele für CO2-Emissionen bestätigt.

  • Pkw: 95 g CO2/km
  • Lieferwagen: 147 g CO2/km

Diese Zielwerte beziehen sich auf das NEFZ-Emissionsprüfverfahren. Ab 2021 werden sich die Emissionszielvorgaben für die Hersteller auf das neue weltweit harmonisierte Prüfverfahren für Personenkraftwagen und leichte Nutzfahrzeuge (worldwide harmonised light vehicles test procedure, WLTP) stützen.

Zielvorgaben für die spezifischen Emissionen werden für die einzelnen Hersteller jährlich festgelegt. Diese mithilfe einer Grenzwertkurve festgesetzten Zielvorgaben basieren auf den EU-weiten Flottenzielen, wobei die durchschnittliche Masse der in einem bestimmten Jahr zugelassenen neuen Fahrzeuge eines Herstellers berücksichtigt wird. Das bedeutet, dass den Herstellern schwererer Pkw höhere durchschnittliche Emissionen zugestanden werden als den Herstellern leichterer Fahrzeuge. Die Kurve ist so festgelegt, dass die EU-weiten Flottenziele für die durchschnittlichen Emissionen erreicht werden.

Für Hersteller von Personenkraftwagen ist 2020 ein Übergangsjahr: Die Zielvorgaben für die spezifischen Emissionen gelten nur für die emissionsärmsten 95 % neuen Personenkraftwagen ihrer Flotte.

Ziele (2025–2030)

Ab 2025 und 2030 sind in der Verordnung (EU) 2019/631 strengere EU-weiten Flottenziele für CO2-Emissionen vorgesehen, die als prozentuale Senkung gegenüber den Ausgangswerten von 2021 ausgedrückt werden.

  • Pkw: Verringerung um 15 % ab 2025 und um 37,5 % ab 2030
  • Lieferwagen: Verringerung um 15 % ab 2025 und um 31 % ab 2030

Die Zielvorgaben für die spezifischen Emissionen der einzelnen Hersteller werden auf diesen EU-weiten Flottenzielen basieren, wobei die durchschnittliche Prüfmasse der neu zugelassenen Fahrzeuge eines Herstellers berücksichtigt wird.

Anreizmechanismus für emissionsfreie und emissionsarme Fahrzeuge (zero- and low-emission vehicles, ZLEV)

In den Jahren 2020 bis 2022 gilt für Personenkraftwagen mit Emissionen von weniger als 50 g CO2/km (NEFZ) ein System von Begünstigungen. Diese Fahrzeuge werden für die Berechnung der durchschnittlichen spezifischen Emissionen des Herstellers mehrfach gezählt:

  • als 2 Fahrzeuge im Jahr 2020,
  • als 1,67 Fahrzeuge im Jahr 2021,
  • als 1,33 Fahrzeuge im Jahr 2022.

Für die Begünstigungen gilt über diese drei Jahre eine Obergrenze von 7,5 g/km je Pkw-Hersteller. Für Lieferwagen gibt es kein Begünstigungssystem.

Ab 2025 wird ein anderes ZLEV-Begünstigungssystem eingeführt, das sowohl für Pkw- als auch für Lieferwagenhersteller gilt. Dies ermöglicht eine Lockerung der Zielvorgaben für die spezifischen Emissionen eines Herstellers, wenn sein Anteil der in einem bestimmten Jahr zugelassenen neuen ZLEV (Fahrzeuge mit Emissionen von null bis zu 50 g CO2/km (WLTP)) über den folgenden Benchmarks liegt:

  • Pkw: 15 % ZLEV ab 2025 und 35 % ZLEV ab 2030
  • Lieferwagen: 15 % ZLEV ab 2025 und 30 % ZLEV ab 2030

Bei einer Überschreitung der ZLEV-Benchmark um einen Prozentpunkt wird die CO2-Zielvorgabe des Herstellers (in g CO2/km) um ein Prozent erhöht. Die Lockerung der Zielvorgabe ist auf höchstens 5 % begrenzt, um die Umweltwirksamkeit der Verordnung zu wahren.

Für die Berechnung des ZLEV-Anteils an der Flotte eines Herstellers wird eine Verrechnungsregel angewendet. Dadurch wird ZLEV mit geringeren CO2-Emissionen ein größeres Gewicht beigemessen.

Strafen wegen Emissionsüberschreitung

Liegen die durchschnittlichen CO2-Emissionen der Flotte eines Herstellers in einem bestimmten Jahr über der Zielvorgabe für die spezifischen Emissionen, so muss der Hersteller – für jedes in diesem Jahr neu zugelassene Fahrzeug – eine Abgabe wegen Emissionsüberschreitung in Höhe von 95 EUR für jedes Gramm pro Kilometer zahlen, um das die Zielvorgabe überschritten wird.

Emissionsgemeinschaften

Hersteller können sich zusammenschließen und gemeinsam handeln, um ihre Emissionszielvorgabe zu erfüllen. Bei der Bildung einer solchen Emissionsgemeinschaft müssen die Hersteller die Wettbewerbsregeln einhalten. Emissionsgemeinschaften von Pkw-Herstellern mit Lieferwagenherstellern sind nicht möglich. Weitere Informationen zu Emissionsgemeinschaften.

Befreiungen

Hersteller, die für weniger als 1000 in der EU neu zugelassene Pkw oder Lieferwagen verantwortlich sind, sind von der Erfüllung einer Zielvorgabe für die spezifischen Emissionen befreit, es sei denn, sie beantragen freiwillig eine Ausnahme von der Zielvorgabe (Abweichungsziel).

Ausnahmen

Unter den folgenden Bedingungen können Hersteller eine Ausnahme von ihrer Zielvorgabe für die spezifischen Emissionen beantragen:

  • Ein Kleinserienhersteller (verantwortlich für weniger als 10 000 neu zugelassene Pkw oder weniger als 22 000 neu zugelassene Lieferwagen im Jahr) kann auf der Grundlage der in der Verordnung vorgesehenen Kriterien sein eigenes Abweichungsziel vorschlagen.
  • Ein Nischenhersteller (verantwortlich für 10 000 bis 300 000 neu zugelassene Pkw im Jahr) kann eine Ausnahme von der Zielvorgabe für die Jahre bis 2028 beantragen. Zwischen 2020 und 2024 muss das Abweichungsziel einer Reduktion um 45 % gegenüber den Emissionswerten von 2007 entsprechen. In den Jahren 2025 bis 2028 wird das Abweichungsziel 15 % unter dem für 2021 liegen.

Weitere Informationen zu Ausnahmen.

Ökoinnovationen

Als Anreize für Ökoinnovationen können die Hersteller für Fahrzeuge, die mit innovativen Technologien ausgestattet sind, deren volle CO2-Einsparungswirkung bei der Typgenehmigung nicht nachgewiesen werden kann, Emissionsgutschriften gewährt werden.

Der Hersteller muss diese Einsparungen auf der Grundlage unabhängig geprüfter Daten nachweisen. Die maximalen Emissionsgutschriften für diese Ökoinnovationen betragen 7 g CO2/km pro Jahr.

Ab 2025 werden auch Effizienzverbesserungen bei Klimaanlagen als Ökoinnovationstechnologien infrage kommen.

Weitere Informationen zu Ökoinnovationen.

Überprüfung im Betrieb

Die Hersteller müssen sicherstellen, dass die in der Übereinstimmungsbescheinigung ihrer Fahrzeuge angegebenen CO2-Emissionen den CO2-Emissionen der Fahrzeuge im Betrieb entsprechen.

Die Typgenehmigungsbehörden werden bei ausgewählten Fahrzeugen prüfen, ob dies der Fall ist und ob etwaige Strategien vorhanden sind, mit denen die Leistung eines Fahrzeugs bei der Typgenehmigungsprüfung künstlich verbessert wird.

Je nach Ergebnis werden die Typgenehmigungsbehörden erforderlichenfalls für die Korrektur der Übereinstimmungsbescheinigungen sorgen und unter Umständen weitere Maßnahmen ergreifen, die in der Rahmenverordnung für die Typgenehmigung festgelegt sind.

Die Typgenehmigungsbehörden werden etwaige Abweichungen der Kommission melden, die diese bei der Berechnung der durchschnittlichen spezifischen Emissionen eines Herstellers berücksichtigen wird.

Die genauen Vorschriften für die Umsetzung dieser Maßnahme werden derzeit ausgearbeitet.

Emissionen im praktischen Fahrbetrieb

Um zu bewerten, ob die bei der Typgenehmigung ermittelten CO2-Emissionen und Kraftstoff- oder Energieverbrauchswerte repräsentativ sind, und um zu verhindern, dass die Differenz zwischen den im Labor geprüften Emissionen und den Emissionen im praktischen Fahrbetrieb zunimmt, wird die Kommission Daten von Pkw und Lieferwagen im praktischen Fahrbetrieb erfassen und dabei mit den im Jahr 2021 in Verkehr gebrachten Fahrzeugen beginnen. Diese Daten werden mithilfe der im Fahrzeug eingebauten Geräte für die Überwachung des Kraftstoffverbrauchs erfasst.

Weitere Informationen zu Emissionen im praktischen Fahrbetrieb.

Dokumente

Rechtsvorschriften

Brexit

  • Mitteilung (überarbeitete Fassung vom 18. Dezember 2020)

Überwachung der CO2-Emissionen (einschließlich Emissionen im praktischen Fahrbetrieb)

Abgabe wegen Emissionsüberschreitung

Ausnahmen

Emissionsgemeinschaften

Ökoinnovationen

Anpassung des M0-Werts

Korrelation zwischen NEFZ und WLTP

Weitere Links

Studien

Studien zur Unterstützung der Umsetzungsarbeiten

Studien zur Unterstützung der Folgenabschätzung von 2017

JRC – Wissenschaft für Politikberichte