Klimapolitik
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Phasen 1 und 2 (2005–2012)

Strategie

Die Regeln für die ersten beiden Handelszeiträume des Emissionshandelssystems der EU (EU-EHS) unterschieden sich in wichtigen Punkten von jenen der derzeitigen dritten Phase (2013–2020).

Erste Schritte

Mit dem Kyoto-Protokoll wurden 1997 erstmals verbindliche Emissionsreduktionsziele oder Obergrenzen für 37 Industriestaaten festgelegt. Zum Erreichen dieser Ziele wurden daraufhin politische Instrumente notwendig.

Im März 2000 hat die Europäische Kommission ein Grünbuch mit einigen ersten Ideen für die Konzeption des EU-EHS vorgelegt. Es diente als Grundlage für zahlreiche Diskussionen mit den Interessenträgern, die zur Gestaltung des Systems beigetragen haben.

2003 wurde die EU-EHS-Richtlinie angenommen, und 2005 nahm das Emissionshandelssystem den Betrieb auf.

Die Obergrenze für die Emissionszertifikate wurde auf Ebene der beteiligten Länder durch nationale Allokationspläne (NAP) festgesetzt.

Phase 1 (2005–2007)

Dies war ein 3-jähriges Pilotprojekt zum praktischen Erkenntnisgewinn und zur Vorbereitung auf Phase 2, in der das EU-EHS wirksam funktionieren musste, um die EU beim Erreichen der Kyoto-Ziele zu unterstützen.

Aspekte und Etappen von Phase 1:

  • Erfasste nur die CO2-Emissionen von Stromerzeugern und energieintensiven Industriezweigen.
  • Fast alle Emissionszertifikate wurden den Unternehmen kostenlos erteilt.
  • Die Überschreitung der Obergrenzen kostete 40 Euro pro Tonne.

In Phase 1 wurde

  • ein Preis für Kohlenstoffemissionen festgesetzt,
  • der freie EU-weite Handel mit Emissionszertifikaten eingeführt und
  • die zur Überwachung, Erfassung und Überprüfung der Emissionen der betroffenen Unternehmen notwendige Infrastruktur geschaffen.

In Ermangelung verlässlicher Emissionsdaten wurden die Obergrenzen der Phase 1 auf der Grundlage von Schätzungen festgesetzt. Dies führte zu einem Überschuss an Emissionszertifikaten im Verhältnis zu den tatsächlichen Emissionsmengen. Durch dieses Überangebot fiel der Preis für Emissionszertifikate 2007 auf 0 (Zertifikate aus Phase 1 konnten nicht für Phase 2 aufgespart werden).

Phase 2 (2008–2012)

Phase 2 fiel zusammen mit dem ersten Verpflichtungszeitraum des Kyoto-Protokolls, in dem die am EU-EHS beteiligten Staaten konkrete Emissionsreduktionsziele erreichen mussten.

Aspekte und Etappen von Phase 2:

  • Niedrigere Obergrenze für die Emissionszertifikate (gegenüber 2005 um ca. 6,5 % niedriger).
  • Drei neue Länder – Island, Liechtenstein und Norwegen – beteiligen sich.
  • Eine Reihe von Ländern schließt die bei der Herstellung von Salpetersäure anfallenden Stickoxidemissionen ein.
  • Der Anteil der kostenlosen Zuteilung geht leicht auf ca. 90 % zurück.
  • Mehrere Länder veranstalten Auktionen.
  • Der Preis für die Überschreitung der Obergrenzen steigt auf 100 Euro pro Tonne.
  • Unternehmen dürfen internationale Gutschriften für insgesamt 1,4 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent kaufen.
  • Das Unionsregister ersetzt die nationalen Register, und das Transaktionsprotokoll der Europäischen Union (EUTL) tritt an die Stelle der unabhängigen Transaktionsprotokolliereinrichtung der Gemeinschaft (CITL).
  • Der Luftverkehrssektor wurde am 1. Januar 2012 in das EU-EHS einbezogen (die Anwendung des Systems auf Flüge mit Herkunfts- oder Bestimmungsort außerhalb der EU wurde jedoch für das Jahr 2012 ausgesetzt).

Aufgrund der Verfügbarkeit überprüfter Daten zu den jährlichen Emissionen aus der Pilotphase wurde die Obergrenze für die Emissionszertifikate in Phase 2 gestützt auf die tatsächlichen Emissionen herabgesetzt. Allerdings gingen die Emissionen im Zuge der Wirtschaftskrise von 2008 stärker zurück als erwartet. Dies wiederum führte zu einem Überschuss an Zertifikaten und Gutschriften, der während der gesamten Phase 2 schwer auf dem CO2-Preis lastete.

Entwicklung des europäischen Marktes für Kohlenstoffemissionsrechte

Der Markt für Emissionszertifikate entwickelte sich von Anfang an dynamisch.

Nach den Jahresberichten der Weltbank zum Kohlenstoffmarkt stieg das Handelsvolumen in Phase 1 von 321 Millionen Zertifikaten im Jahr 2005 bis 2006 auf 1,1 Milliarde und bis 2007 auf 2,1 Milliarden.

Das Emissionshandelssystem der EU blieb in Phase 2 die wichtigste Triebkraft des internationalen Kohlenstoffmarktes. 2010 beispielsweise entfielen 84 % des Gesamtwertes des globalen Kohlenstoffmarktes auf EU-Zertifikate. Das Handelsvolumen steigerte sich von 3,1 Milliarden im Jahr 2008 auf 6,3 Milliarden 2009. 2012 wurden 7,9 Milliarden Zertifikate (im Wert von 56 Milliarden Euro) gehandelt.

Den Daten von Bloomberg New Energy Finance und der London Energy Brokers Association zufolge überschritt das tägliche Handelsvolumen Mitte 2011 70 Millionen Euro.

 Handel mit EU-Emissionszertifikaten – Handelsvolumen

Handel mit EU-Emissionszertifikaten [Mio.] – Handelsvolumen
Quelle: Bloomberg New Energy Finance. Nach Angaben von Bloomberg, ICE, Bluenext, EEX, GreenX, Climex, CCX, Greenmarket, Nordpool. Weitere Quellen: Schätzungen von UNFCCC und Bloomberg New Energy Finance.

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