Landwirtschaft und ländliche Entwicklung

Die Reformen des EU-Weinmarktes

Die Reformen des EU-Weinmarktes

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Die Reformen des EU-Weinmarktes

Im April 2008 verabschiedete der Ministerrat eine gründliche Umstrukturierung der Verwaltung des EU-Weinmarkts. Ziel war es, die Weinerzeugung an die Nachfrage anzupassen, Geldverschwendung aufgrund von Eingriffen der öffentlichen Hand in den Markt zu vermeiden und die Wettbewerbsfähigkeit mit Hilfe der frei werdenden Gelder zu fördern. Im Dezember 2013 verabschiedeten das Europäische Parlament und der Rat eine weitere Reform zur Harmonisierung, Straffung und Vereinfachung der GAP-Rechtsvorschriften. Für den Weinsektor wurden vor allem die in der Reform von 2008 vorgenommenen Maßnahmen und Ansätze aktualisiert. Ab 2016 wird im Weinsektor das Pflanzrechtesystem durch ein dynamisches Genehmigungssystem für Rebpflanzungen ersetzt.

Seit der Einführung der gemeinsamen Marktorganisation (GMO) hat sich der der Weinmarkt beträchtlich weiterentwickelt.

In Kürze:

  • Einer sehr kurzen ausgeglichenen Phase folgte
  • ein überdeutlicher Anstieg der Produktion bei gleichbleibender Nachfrage, danach
  • ein stetiger Rückgang und ab den 1980er Jahren ein spürbarer Anstieg der Nachfrage nach besserer Qualität.

Diese Trends wurden bei der umfassenden Weiterentwicklung der GMO berücksichtigt:

  • Sie begann als vergleichsweise offenes System, ohne Einschränkung der Pflanzungen und mit sehr wenigen Instrumenten zur Marktregulierung, deren Ziel es war, die jährlichen Produktionsschwankungen auszugleichen.
  • Später wurden die Pflanzungen reguliert und mit praktisch garantierten Absatzmöglichkeiten kombiniert, was zu hohen strukturellen Überschüssen führte.
  • In den Jahren 1976–1978 griff die GMO stark in den Markt ein: Pflanzungen wurden verboten und eine Pflicht zur Destillierung der Überschüsse eingeführt.
  • Zum Ende der 80er Jahre hin wurden die finanziellen Anreize für die Aufgabe von Rebflächen verstärkt.

Die Reform der GMO für Wein von 1999 verstärkte die Bemühungen um ein besseres Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Gemeinschaftsmarkt und gab den Winzern die Möglichkeit, ihre Erzeugung an einen Markt anzupassen, der höhere Qualität verlangt. Vor allem angesichts des weltweiten Wettbewerbs nach dem GATT wurde in die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Sektors investiert, und zwar durch die Finanzierung der Umstrukturierung eines Großteils der vorhandenen Rebflächen.

Diese Reform erwies sich jedoch als unzureichend, um die Weinüberschüsse einzudämmen. So mussten immer noch hohe Summen für ihre Vernichtung aufgewendet werden. Eine weitere Reform des Weinmarkts war unerlässlich.

Die von der EU im Jahr 2008 verabschiedete Reform hat folgende Ziele:

  • weitere Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der EU-Winzer – Verbesserung des Rufs europäischer Weine und Wiedergewinnung von Marktanteilen in der EU und darüber hinaus,
  • einfachere, klarere und wirksamere Marktverwaltungsregeln für mehr Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage,
  • Wahrung der besten Traditionen im europäischen Weinbau und Stärkung seiner Rolle für das soziale Gefüge und den Umweltschutz in ländlichen Gebieten.

 

Die von der EU 2013 angenommene Reform hatte die Harmonisierung, Straffung und Vereinfachung der Bestimmungen der GAP zum Ziel, die im Laufe der früheren Reformen eingeführt worden waren.

 

 

Die Auswirkungen der GAP-Reform von 2013 auf den Weinsektor

Die im Dezember 2013 vom Europäischen Parlament und dem Ministerrat angenommene GAP-Reform ist vor allem eine Neuauflage der in der Weinreform von 2008 eingeführten Maßnahmen und Ansätze: Reorganisation der Verwaltung des EU-Weinmarkts, um die Weinproduktion an die Nachfrage anzupassen, Abschaffung Geld verschwendender öffentlicher Eingriffe in die EU-Weinmärkte und Transfer der Mittel in die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit.

 

Wichtigsten Aspekte im Rahmen der GMO von 2013 :

Nationale Stützungsprogramme für den Weinsektor

Das Konzept der nationalen Stützungsprogramme leitet sich aus dem bereits 2008 in der Reform der GMO für Wein enthaltenen Ansatz ab.

Folgende Maßnahmen bestanden also bereits 2008:

  • Absatzförderung in Drittländern,
  • Umstrukturierung und Umstellung von Rebflächen,
  • grüne Weinlese,
  • Fonds auf Gegenseitigkeit,
  • Ernteversicherung,
  • Investitionen,
  • Destillation von Nebenerzeugnissen.

Die GMO-Reform von 2013 führte eine neue Maßnahme ein: Innovationen im Weinsektor zur Entwicklung neuer Produkte, Verfahren und Technologien für Erzeugnisse aus Wein. Eine weitere Neuerung sind Absatzfördermaßnahmen und Informationskampagnen in den EU-Ländern, um die Verbraucher über den verantwortungsvollen Weinkonsum und über die Unionssysteme für Ursprungsbezeichnungen und geografische Angaben zu informieren. Außerdem tritt zur Umstrukturierung und Umstellung eine Wiederbepflanzung von Rebflächen in den Fällen hinzu, in denen eine Rodung der betroffenen Fläche aus gesundheitlichen oder pflanzengesundheitlichen Gründen vorgeschrieben wurde.

Die Haushaltsausstattung aufgrund der GMO-Reform von 2013 entspricht unter Berücksichtigung des Übergangs einiger Mitgliedsländer zur Betriebsprämienregelung derjenigen in der Wein-GMO-Reform von 2008.

 

Genehmigungssystem für Rebpflanzungen

Die Pflanzungsregelung läuft im Dezember 2015 aus. Im Hinblick auf eine geordnete Zunahme der Rebpflanzungen im Zeitraum zwischen 2016 und 2030 wird auf Unionsebene eine neue Regelung für die Verwaltung der Rebpflanzungen in Form eines Genehmigungssystems für Rebpflanzungen eingeführt.

Das Genehmigungssystem für Rebpflanzungen beruht auf den Ergebnissen der 2012 organisierten hochrangigen Gruppe „Rebanbaurechte“.

>> Mehr zur hochrangigen Gruppe „Rebanbaurechte“

 

Weitere regulatorische Maßnahmen

Die Vorschriften über die Weinbereitungsverfahren und die Weinkennzeichnung, die in der Wein-GMO-Reform von 2008 eingeführt wurden, gelten weiterhin in der neuen GMO.

 

Chronologie (in umgekehrter Reihenfolge)

17.12.2013: Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Dezember 2013 über eine gemeinsame Marktorganisation für landwirtschaftliche Erzeugnisse und zur Aufhebung der Verordnungen (EWG) Nr. 922/72, (EWG) Nr. 234/79, (EG) Nr. 1037/2001 und (EG) Nr. 1234/2007 (GMO-Verordnung)

>> Wortlaut der Verordnung

 

17.12.2013: Verordnung (EU) Nr. 1306/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Dezember 2013 über die Finanzierung, die Verwaltung und das Kontrollsystem der Gemeinsamen Agrarpolitik und zur Aufhebung der Verordnungen (EWG) Nr. 352/78, (EG) Nr. 165/94, (EG) Nr. 2799/98, (EG) Nr. 814/2000, (EG) Nr. 1290/2005 und (EG) Nr. 485/2008 des Rates

>> Wortlaut der Verordnung

 

29.4.2008: Der Ministerrat verabschiedet die Verordnung (EG) Nr. 479/2008 vom 29. April 2008 über die gemeinsame Marktorganisation für Wein

>> Wortlaut der Verordnung

 

4.7.2007: Die Kommission verabschiedet einen Vorschlag für eine Verordnung des Rates zur gemeinsamen Marktorganisation für Wein. Mit dem Vorschlag wird eine Folgenabschätzung vorgelegt.

>> Wortlaut des Vorschlags

>> Folgenabschätzung: Vollständiger WortlautZusammenfassung

 

22.6.2006: Die Kommission legt die Mitteilung vor „Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit im europäischen Weinsektor“ zusammen mit einer Folgenabschätzung vor

>> Mitteilung

>> Folgenabschätzung Vollständiger WortlautZusammenfassung