Biologische Landwirtschaft

Verordnung über tierische Erzeugung

Verordnung über tierische Erzeugung

Herkunft der Tiere

  • In der ökologischen Tierhaltung müssen die Tiere auf ökologischen/biologischen Höfen geboren und aufgezogen worden sein.
  • Nichtökologisch/nichtbiologisch aufgezogene Tiere
    können unter bestimmten Voraussetzungen zu Zuchtzwecken in den ökologischen/biologischen Betrieb
    eingestellt werden. Solche Tiere und von ihnen gewonnene Erzeugnisse können nach Einhaltung des in Artikel 17 Absatz 1 Buchstabe c genannten Umstellungszeitraums als ökologisch/biologisch gelten.
  • Tiere, die sich zu Beginn des Umstellungszeitraums in
    dem Betrieb befinden, und von ihnen gewonnene
    Erzeugnisse können nach Einhaltung des in Artikel 17
    Absatz 1 Buchstabe c genannten Umstellungszeitraums
    als ökologisch/biologisch gelten.

Haltungspraktiken und Unterbringung der Tiere

  • Die Tierhalter müssen die nötigen Grundkenntnisse
    und -fähigkeiten in Bezug auf die Tiergesundheit und
    den Tierschutz besitzen.
  • Die Haltungspraktiken, einschließlich Besatzdichte
    und Unterbringung, müssen den entwicklungsbedingten,
    physiologischen und ethologischen Bedürfnissen
    der Tiere gerecht werden. Darüber hinaus sollte bei der Wahl der Tierrassen deren Fähigkeit zur Anpassung an die lokalen Verhältnisse berücksichtigt werden.
  • Der Tierbesatz muss so niedrig sein, dass Überweidung,
    Zertrampeln des Bodens, Erosion oder Umweltbelastung –verursacht durch die Tiere oder die Ausbringung des von ihnen stammenden Wirtschaftsdüngers – möglichst gering gehalten werden.
  • Zur Vermeidung der Umweltverschmutzung und einer Beeinträchtigung der Qualität und der Verfügbarkeit von natürlichen Ressourcen wie Boden und Wasser sollte in der ökologischen Tierhaltung grundsätzlich für eine enge Beziehung zwischen tierischer Erzeugung und Boden gesorgt werden. Die Landwirte können auch mehrjährige Rotationssysteme entwickeln, damit die Tiere nicht jedes Jahr auf demselben Feld weiden.
  • Da die ökologische/biologische Tierhaltung eine bodengebundene Wirtschaftstätigkeit darstellt, sollten die Tiere nach Möglichkeit Auslauf im Freien und auf Weideflächen haben.
  • Ökologische/biologische Tiere müssen von anderen
    Tieren getrennt gehalten werden. Das Weiden ökologischer/biologischer Tiere auf Gemeinschaftsweiden und das Weiden nichtökologischer/nichtbiologischer Tiere auf ökologischem/biologischem Grünland ist jedoch unter bestimmten strengen Bedingungen zulässig.
  • Anbindung oder Isolierung der Tiere ist untersagt,
    außer wenn dies bei einzelnen Tieren aus Sicherheits-,
    Tierschutz- oder tierärztlichen Gründen gerechtfertigt
    ist und zeitlich begrenzt wird.
  • Die Dauer von Tiertransporten muss möglichst kurz
    gehalten werden.
  • Leiden der Tiere, einschließlich Verstümmelung, ist
    während der gesamten Lebensdauer der Tiere sowie
    bei der Schlachtung so gering wie möglich zu halten.

Züchtung

  • Die Fortpflanzung hat auf natürlichem Wege zu
    erfolgen. Künstliche Befruchtung ist jedoch zulässig.
  • Die Fortpflanzung darf außer im Rahmen einer
    therapeutischen tierärztlichen Behandlung eines einzelnen
    Tieres nicht durch die Behandlung mit
    Hormonen oder ähnlichen Stoffen eingeleitet werden.
  • Andere Formen der künstlichen Fortpflanzung, wie
    zum Beispiel Klonen und Embryonentransfer, sind
    untersagt.
  • Es sind geeignete Rassen auszuwählen. Die Wahl geeigneter Rassen trägt zur Vermeidung von
    Leiden und Verstümmelung der Tiere bei.

Futtermittel

  • Die Futtermittel für die Tierhaltung sind hauptsächlich
    in dem Betrieb, in dem die Tiere gehalten werden,
    oder in anderen ökologischen/biologischen Betrieben
    im gleichen Gebiet zu erzeugen.
  • Wenn die Landwirte das EU-Logo für ökologische/biologische Produkte verwenden wollen, müssen sie ihre Rinder zu 100 % mit ökologischem/biologischem Futter füttern.
  • Nichtökologische/nichtbiologische Futtermittelausgangserzeugnisse pflanzlichen Ursprungs, Futtermittelausgangserzeugnisse tierischen und mineralischen Ursprungs, Futtermittelzusatzstoffe, bestimmte Erzeugnisse für die Tierernährung und Verarbeitungshilfsstoffe dürfen nur nach Genehmigung gemäß Artikel 16 in der ökologischen/biologischen Produktion verwendet werden.

Artikel 16

  • Die Landwirte dürfen nur geringfügige Mengen zugelassener Futtermittelzusatzstoffe und Verarbeitungshilfsstoffe verwenden. In einigen Fällen können Zusatzstoffe eingesetzt werden, wenn sie für einen besonderen Ernährungszweck unerlässlich sind.
  • Die Verwendung von Wachstumsförderern und synthetischen Aminosäuren ist untersagt.
  • Junge Säugetiere müssen während der Säugeperiode
    mit natürlicher Milch, vorzugsweise mit der Milch der
    Muttertiere, gefüttert werden.

Krankheitsverhütung und tierärztliche Behandlung

  • Die Krankheitsverhütung muss unter Berücksichtigung geeigneter Rassen und Linien, Tierhaltungsmanagementmethoden und Auslauf, angemessener Besatzdichte und einer geeigneten und
    angemessenen Unterbringung unter hygienischen
    Bedingungen beruhen. Nutztiere, die hochwertige Futtermittel erhalten und genügend Auslauf haben, sind im allgemeinen gesünder.
  • Krankheiten sind unverzüglich zu behandeln, um ein
    Leiden der Tiere zu vermeiden; chemisch-synthetische
    allopathische Tierarzneimittel einschließlich Antibiotika
    dürfen erforderlichenfalls unter strengen Bedingungen
    verwendet werden, wenn die Behandlung mit phytotherapeutischen, homöopathischen und anderen Erzeugnissen ungeeignet ist.
  • Die Verwendung immunologischer Tierarzneimittel ist
    gestattet.