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Beschäftigung: Laut Bericht haben Geringqualifizierte zunehmend Schwierigkeiten, einen Job zu finden

23/06/2014 Beschäftigung: Laut Bericht haben Geringqualifizierte zunehmend Schwierigkeiten, einen Job zu finden

Für geringer qualifizierte Arbeitskräfte wird es immer schwieriger, eine Stelle zu finden, ihre Beschäftigungsverhältnisse sind prekärer und sie werden selbst in Anlern- und Hilfsberufen von Arbeitskräften mit mittlerem Qualifikationsniveau verdrängt. Dagegen nehmen die Beschäftigungsmöglichkeiten in einigen Berufsfeldern mit hohem Qualifikationsniveau zu.

Dies sind die wichtigsten Ergebnisse des heute veröffentlichten European Vacancy and Recruitment Report 2014 (Bericht über offene Stellen und Einstellungen in Europa).

Hervorgehoben wird in dem Bericht ferner, dass zeitlich befristete Beschäftigungsverhältnisse und die Teilzeitarbeit während der Krise zugenommen haben. Außerdem werden mehr Unterstützung beim Übergang von der Schule ins Berufsleben, weniger segmentierte Arbeitsmärkte und die Höherqualifizierung von Arbeitsuchenden, insbesondere Geringqualifizierten, gefordert.

Im Bericht über offene Stellen wurde untersucht, wie sich die Beschäftigungssituation in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten während der Krise entwickelt hat.

Entsprechend der Arbeitsmarktlage werden die Länder in folgende drei Gruppen unterteilt:

  • eine erste Gruppe von Ländern, die die Krise am schlimmsten getroffen hat (darunter Griechenland, Spanien und Portugal) und in denen junge Arbeitskräfte auf einfache Tätigkeiten ohne echte Zukunftsperspektive angewiesen waren;
  • eine zweite Gruppe, angeführt von Ländern, die die Krise am besten gemeistert haben (wie Österreich, Schweden und Deutschland), in der die Zahl der Einstellungen zwar geringfügig zurückgegangen ist, Qualifikationsangebot und ‑nachfrage jedoch ziemlich ausgewogen sind;
  • eine dritte Gruppe von Ländern (u. a. Ungarn, Polen und die Slowakei), in denen in bestimmten Berufen mit hohen Qualifikationsanforderungen Arbeitskräftemangel herrscht.

Wichtigste Ergebnisse

  • Beschäftigung: Die durchschnittliche Erwerbsquote in der EU lag 2012 mit 218 Millionen Beschäftigten 2,6 % unter dem Wert von 2008. Nur fünf Mitgliedstaaten (Österreich, Belgien, Deutschland, Malta und Schweden) haben sowohl beim BIP als auch bei der Beschäftigung ihr Vorkrisenniveau wieder erreicht.
  • Stellenangebote und Einstellungen: Die Zahl der Stellenangebote ist zwischen 2008 und 2012 im Durchschnitt um 19 %, diejenige der Einstellungen um 14 % gesunken. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern waren jedoch beträchtlich. Vor allem in den östlichen und südlichen Mitgliedstaaten wurden deutlich weniger Arbeitskräfte eingestellt – in Griechenland, Rumänien, Slowenien, der Slowakei und Spanien lagen die Zahlen 25 % oder mehr unter dem Vorkrisenniveau.
  • Junge Arbeitsuchende: Geringqualifizierte junge Menschen litten am stärksten unter der Krise. Im zweiten Quartal 2013 sank die Zahl der Einstellungen in dieser Personengruppe gegenüber dem Jahr 2008 um ein Drittel (-31 %). Normalerweise sind die Einstellungsquoten bei jungen Menschen hoch, doch die hohe Fluktuation hat eine deutliche Senkung der Jugendarbeitslosigkeit verhindert.
  • Beschäftigungsverhältnisse: Zeitlich befristete und atypische Arbeitsverhältnisse haben zwischen 2008 und 2012 zugenommen. 58 % aller Einstellungen im Jahr 2012 beruhten auf befristeten Arbeitsverhältnissen – meist ungewollt, was bedeutet, dass Arbeitsuchende gezwungen sind, befristete oder Teilzeitstellen anzunehmen. Bei den Hilfsberufen wurden über 70 % der Personen auf Zeitvertragsbasis eingestellt. Im Bericht wird vor den möglichen negativen Auswirkungen einer befristeten Beschäftigung auf die weitere berufliche Entwicklung gewarnt.
  • Nachfrage nach Arbeitskräften: Die bei weitem größten Zuwächse verzeichneten Berufsgruppen mit höheren Qualifikationsanforderungen. Stabile Beschäftigungszuwächse gab es bei Software- und Vertriebsspezialistinnen und ‑spezialisten sowie bei Betreuungs- und Pflegepersonal im Gesundheitswesen. Bei Stellen mit geringen bis mittleren Qualifikationsanforderungen, insbesondere Arbeitsplätzen, die manuelle Fähigkeiten erfordern, wurde von 2011 bis 2012 der größte Beschäftigungsrückgang verzeichnet. Besonders deutlich war der Rückgang der Beschäftigtenzahlen im Baugewerbe (-17 % im EU-Durchschnitt, aber -50 % in Griechenland, Irland, Litauen und Spanien) und im verarbeitenden Gewerbe (-10 % im EU-Durchschnitt, aber -20 % oder mehr in den genannten Ländern).
  • Qualifikationsanforderungen: In allen großen Berufsgruppen, einschließlich der Hilfsberufe, geht der Anteil Geringqualifizierter bei den Einstellungen zurück (‑4% von 2008 bis 2014). Eine solche Situation ist insbesondere in den baltischen Staaten und in noch höherem Ausmaß in Portugal zu beobachten. Dies könnte auf eine Verschlechterung der Arbeitsmarktlage hindeuten, was Arbeitskräfte mit mittlerem Qualifikationsniveau veranlasst, Stellen mit niedrigem Anforderungsprofil anzunehmen.

Die Ergebnisse des Berichts machen deutlich, wie dringend die Mitgliedstaaten strategische Initiativen wie die Jugendgarantie umsetzen müssen, um Arbeitsuchende stärker zu unterstützen.

Zur Bewältigung der bis 2020 auf Europa zukommenden wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen stehen den Mitgliedstaaten Mittel aus den EU-Strukturfonds zur Verfügung, darunter über 80 Mrd. EUR (derzeitige Preise) für Investitionen in Humankapital aus dem Europäischen Sozialfonds.


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