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Peer Review in Belgien: Housing First

26/04/2016
Peer Review in Belgien: Housing First © Shutterstock.com / sondem

Belgien hat im Rahmen der Wohnungslosenhilfe in acht Städten das „Housing First“-Modell eingeführt. Das Konzept beruht auf „Wohnen zuerst“: Der Zielgruppe – Obdachlosen mit besonderem Unterstützungsbedarf – wird möglichst rasch eine dauerhafte Wohnung vermittelt, begleitet von einer umfassenden Sozialbetreuung in der Wohnung, wann immer erforderlich.

Gastgeberland: Belgien

Datum: 16.-17. März 2016

Peer-Länder: Dänemark - Finnland - Frankreich - Italien - Luxemburg - Niederlande - Norwegen - Österreich - Spanien - Ungarn

Interessenvertreter: Eurocities, FEANTSA

Durch das Verwaltungsgefüge Belgiens wurde in den beteiligten Städten ein deutlicher „Bottom-up“-Ansatz und Vernetzung sowie Erfahrungsaustausch unterstützt.

Unabhängigen Evaluierungen ergaben für die „Housing First“-Betreuten im Vergleich zu anderen Gruppen von Obdachlosen eine höhere Verbleiberate und eine Verbesserung des Gesundheitszustands. Die Mieterinnen und Mieter berichteten zudem von einem gestärkten Selbstvertrauen und Fortschritten im Hinblick auf die soziale Eingliederung.

Schlussfolgerungen

  • „Housing First“ benötigt eine besondere finanzielle Unterstützung, was in manchen Fällen Überzeugungsarbeit bei regionalen/nationalen Behörden voraussetzt. Auch auf EU-Mittel (ESF, EFRE, EHAP) kann zurückgegriffen werden.
  • „Housing First“ bewährt sich bei besonders gefährdeten Gruppen von Wohnungslosen, u. a. bei chronischer Obdachlosigkeit mit komplexem Unterstützungsbedarf. Bei Betroffenen mit geringerem Unterstützungsbedarf sollte die Wirksamkeit hingegen noch weiter untersucht werden.
  • Der Einsatz evidenzgestützter Methoden ist wesentlich für die Weiterentwicklung von „Housing First“-Programmen.
  • Es sind mehr präventive und innovative Ansätze erforderlich, um zu verhindern, dass gefährdete Menschen obdachlos werden.
  • Obdachlose ziehen verstreut liegende Wohnungen der Konzentration auf bestimmte Wohnanlagen vor.
  • Der Zugang zu vorhandenem Wohnraum – u. a. Sozialwohnungen – für Obdachlose sollte verbessert sowie der Privatsektor und Sozialwohnungsagenturen bzw. andere Angebote mit gemischter Bewohnung stärker genutzt werden.
  • „Housing First“ könnte auf die nationale Ebene erweitert und mit anderen Diensten vernetzt werden. FEANTSA erarbeitet einen europaweiten „Housing First Leitfaden“ mit einem entsprechenden „Hub“ für den Wissensaustausch.Es sind weitere Bedarfsanalysen für geeignete Dienstleistungen erforderlich, sowie weiterführende Forschung u. a. zur Kostenwirksamkeit.
  • „Housing First“ unterstützt das in EU 2020 verankerte Ziel der Verringerung von Armut und sozialer Ausgrenzung, indem Obdachlosen eine Wohnung vermittelt und damit bei der Integration geholfen wird.
  • „Housing First“ stimmt mit der Empfehlung des Sozialinvestitionspakets überein, mit auf die Wohnraumversorgung ausgerichteten, integrierten Strategien zur Bewältigung von Obdachlosigkeit beizutragen.

Peer Review Manager

Monika Natter (ÖSB Consulting GmbH)