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Die Europäische Union hat eine EU weite Kampagne zum Abbau des geschlechtsspezifischen Lohngefälles eingeleitet.
In der EU verdienen Frauen durchschnittlich 17,4 % weniger als Männer. Im Zentrum der Kampagne, die im Zusammenhang mit dem Internationalen Frauentag am 8. März steht und das Lohngefälle, seine Ursachen und mögliche Gegenmaßnahmen ins Bewusstsein rücken will, steht das einfache Konzept „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“.
„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ist eines der Gründungsprinzipien der Europäischen Union. „Einfache und sichtbare“ Fälle direkter Diskriminierung – Lohnunterschiede, wenn Männer und Frauen exakt die gleiche Tätigkeit ausüben, die gleiche Berufserfahrung und Qualifikation besitzen und die gleiche Leistung erbringen, – sind dank der Wirksamkeit der europäischen und einzelstaatlichen Rechtsvorschriften über gleiche Entlohnung beträchtlich zurückgegangen. Weshalb gibt es aber dann immer noch ein geschlechtsspezifisches Lohngefälle von 17,4 % in der EU?
Das geschlechtsspezifische Lohngefälle bezeichnet den Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst für Frauen und Männer vor Steuern in der gesamten Volkswirtschaft. Es belegt die anhaltende Diskriminierung und Ungleichbehandlung auf dem Arbeitsmarkt, von der in der Praxis hauptsächlich Frauen betroffen sind. Die Arbeit von Frauen wird oft als weniger wertvoll angesehen als die Arbeit von Männern, und Frauen arbeiten oft in Wirtschaftszweigen, in denen der Bruttostundenverdienst durchschnittlich niedriger ist als in von Männern dominierten Wirtschaftszweigen: So verdienen Kassiererinnen im Supermarkt durchschnittlich weniger als männliche Lagerarbeiter.
Das Lohngefälle hat auch einen geringeren Lebensarbeitsverdienst und somit eine niedrigere Rente für Frauen zur Folge, was zu Armut im Alter führt. 21 % der Frauen ab 65 Jahren im Vergleich zu 16 % der Männer sind von Altersarmut bedroht.
Die Kampagne will auf das bestehende Lohngefälle aufmerksam machen und aufzeigen, wie es beseitigt werden kann. Sie wird bewährte Verfahren aus ganz Europa bekannt machen und Arbeitgebern und Gewerkschaften auf europäischer und einzelstaatlicher Ebene einige Hilfsmittel zur Verfügung stellen. Ferner sind die Einrichtung einer Website, Anzeigen in der europäischen Presse und eine Posterkampagne geplant.
Der Bericht zur Gleichstellung von Frauen und Männern 2009, der ebenfalls am 3. März von der Europäischen Kommission vorgelegt wurde, bestätigt, dass in mehreren Bereichen trotz einiger Fortschritte weiterhin große Ungleichheiten bestehen. Obwohl die Beschäftigungsquote bei Frauen in den letzten Jahren ständig gestiegen ist (auf nunmehr 58,3 % bei Frauen gegenüber 72,5 % bei Männern), üben Frauen immer noch häufiger als Männer eine Teilzeittätigkeit aus (31,2 % der Frauen gegenüber 7,7 % der Männer) und sind stärker in Sektoren mit niedrigeren Löhnen vertreten (mehr als 40 % der Frauen arbeiten im Gesundheits‑ und Bildungsbereich und in öffentlichen Verwaltungen – doppelt so viele wie Männer). Allerdings sind 59 % der neuen Hochschulabsolventen Frauen.
Zwischenzeitlich bestätigt ein neuer im Auftrag der Kommission erstellter Sachverständigenbericht, dass Frauen auch in wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen und in der europäischen Politik stark unterrepräsentiert sind. Die Zentralbanken aller 27 EU‑Mitgliedstaaten werden von Männern geleitet. Die mangelhafte Vertretung von Frauen in den Führungsetagen ist besonders deutlich in Großunternehmen, in denen Männer fast 90 % der Verwaltungsratsmitglieder in Spitzenunternehmen (Blue-Chip-Unternehmen) stellen – eine Zahl, die sich in den vergangenen Jahren kaum verbessert hat.
Der Frauenanteil in nationalen Parlamenten (Einkammersystem/Unterhaus) hat im vergangenen Jahrzehnt um rund 50 %, von 16 % im Jahr 1997 auf 24 % im Jahr 2008, zugenommen. Das Europäische Parlament liegt knapp über dieser Zahl (31 % Frauen). Im Durchschnitt kommt in den nationalen Regierungen auf drei Männer nur eine Frau (25 % Frauen, 75 % Männer).