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Europäische Arbeitsmärkte von der Krise hart getroffen, doch widerstandsfähiger als erwartet

23/11/2009 Europäische Arbeitsmärkte von der Krise hart getroffen, doch widerstandsfähiger als erwartet

Laut dem am 23. November veröffentlichten Bericht „Beschäftigung in Europa 2009“ schlägt die derzeitige Krise auf die Arbeitsmärkte in der EU durch und macht den größten Teil des seit 2000 erreichten Beschäftigungswachstums wieder zunichte.

Die Hauptlast des Beschäftigungsrückgangs tragen Männer, junge Menschen, Geringqualifizierte und Beschäftigte mit befristeten Arbeitsverträgen. Die Beschäftigtenzahlen in der EU sind seit Beginn der Krise um mehr als 4 Millionen gesunken, wenngleich die Auswirkungen durch Kurzarbeit und andere Regelungen etwas abgemildert wurden. Doch diese kurzfristigen Maßnahmen, so wichtig sie auch sein mögen, bieten allein keinen erfolgreichen Ausweg aus der Krise. Die Beschäftigungspolitik muss die Vorbereitung auf den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft in den Mittelpunkt stellen.

Vor dem Hintergrund dieser Herausforderung unterzieht die 21. Jahresausgabe des Berichts „Beschäftigung in Europa“ zwei Kernfragen der zukünftigen EU‑Arbeitsmarktpolitik einer genaueren Analyse: die Beschäftigungsdynamik und die Auswirkungen des Klimawandels auf den Arbeitsmarkt. 

Die Arbeitsmärkte der EU sind dynamischer als oft geglaubt, doch Langzeitarbeitslosigkeit stellt weiterhin eine ernste Bedrohung dar

Die europäischen Arbeitsmärkte haben in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Dynamik bewiesen, denn jedes Jahr wechseln etwa 22 % der europäischen Arbeitskräfte den Arbeitsplatz. Dabei beschränkt sich die Dynamik nicht nur auf Länder, die für gewöhnlich als „flexibel“ gelten, wie zum Beispiel das Vereinigte Königreich oder Dänemark, sondern sie betrifft alle EU-Staaten, wenngleich die Zahlen von 14 % der Beschäftigten in Griechenland und 16 % in Schweden bis hin zu 25 % im Vereinigten Königreich, in Finnland, in Spanien und in Dänemark variieren. Dies scheint Teil einer seit Ende der 1990er Jahre zu beobachtenden nachhaltigeren Zunahme der Übergänge von der Nichterwerbstätigkeit oder Arbeitslosigkeit in ein Beschäftigungsverhältnis zu sein, was von einer grundlegenden Verbesserung der Struktur unserer Arbeitsmärkte zeugt.

Jedoch haben nicht alle Arbeitskräfte in gleicher Weise von diesem positiven Trend profitiert. Obwohl die Zahl der Langzeitarbeitslosen seit den 1990er Jahren gesunken ist, bleibt die Langzeitarbeitslosigkeit nach wie vor eine große Herausforderung. In den letzten Jahren betrug die Dauer der Arbeitslosigkeit in der EU in fast 45 % aller Fälle mehr als ein Jahr, verglichen mit nur etwa 10 % in den Vereinigten Staaten. Die Bewältigung dieses Problems ist seit dem Beginn der Krise sogar noch dringlicher geworden. Strategien zur Unterstützung des Übergangs in Beschäftigung entsprechend den Flexicurity-Grundsätzen sind der Schlüssel für den Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit und den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit.  

Die Politik zur Senkung der Kohlenstoffemissionen wird die Beschäftigungsstrukturen in der EU wesentlich ändern

Die Schritte der EU hin zu einer wettbewerbsfähigen kohlenstoffarmen Wirtschaft werden aus der Arbeitsmarktperspektive zu einer treibenden Kraft. Wenn auch die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze „netto“ nicht sehr hoch ausfallen mag – denn die positiven Effekte der Schaffung neuer „grüner“ Arbeitsplätze und der Umgestaltung vorhandener Arbeitsplätze nach ökologischen Gesichtspunkten werden durch den Verlust einiger vorhandener Arbeitsplätze zum Teil wieder aufgehoben – so führt doch der zugrunde liegende Strukturwandel zu einer Umverteilung der Arbeitskräfte in allen Wirtschaftssektoren und Qualifikationsarten.

Der Klimawandel und die damit zusammenhängenden politischen Maßnahmen werden daher erhebliche Auswirkungen auf den künftigen Bedarf an Qualifikationen haben. Angesichts der neuen Kompetenzen, die in der kohlenstoffarmen Wirtschaft gefragt sind, werden, zumindest anfangs, hochqualifizierte Arbeitskräfte im Vorteil sein. Mit der Markteinführung neuer Technologien dürften aber auch geringer qualifizierte Arbeitskräfte in der Lage sein, die neuen Arbeitsplätze auszufüllen – sofern sie eine entsprechende Schulung erhalten. Daher bilden die Fokussierung der Politik auf Qualifikationen – zur Vereinfachung des Übergangs in neue Beschäftigung und zur Begrenzung von Qualifikationslücken und ‑defiziten – und ein entsprechender sozialer Dialog die wichtigsten Voraussetzungen für einen leichteren Wechsel hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft.

Der Bericht „Beschäftigung in Europa“ liefert die analytische Basis für den gemeinsamen Beschäftigungsbericht, für den die Kommission am 9. Dezember einen Vorschlag vorlegen wird. Der gemeinsame Beschäftigungsbericht umfasst die Beschäftigungsanalyse und die Berichterstattung im Rahmen der Strategie für Beschäftigung und Wachstum der EU. 


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