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Weiterbildungspfade: Neue Chancen für Erwachsene

Fast 70 Millionen Europäerinnen und Europäer haben Probleme

  • beim Lesen und Schreiben
  • beim Rechnen
  • bei der Verwendung digitaler Technik im Alltagsleben.

Wegen dieser Einschränkungen sind sie stärker von Arbeitslosigkeit, Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht.

Im Juni 2016 schlug die Kommission die Schaffung einer „Kompetenzgarantie“ vor, um dieser Herausforderung zu begegnen. Die Initiative wurde vom Rat aufgegriffen und unter der neuen Bezeichnung Weiterbildungspfade am 19. Dezember 2016 angenommen.

Die Weiterbildungspfade sollen Erwachsene dabei unterstützen, ein Mindestniveau an Lese-, Schreib-, Rechen- und digitalen Kompetenzen und/oder ein breiteres Spektrum von Kenntnissen und Fertigkeiten zu erwerben, indem sie sich je nach nationalen Gegebenheiten dem Niveau 3 oder 4 des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) annähern.

Zielgruppe

Die Weiterbildungspfade richten sich an Erwachsene mit einem niedrigen Niveau an Fähigkeiten, beispielsweise an Personen ohne Abschluss der Sekundarstufe II, die nicht im Rahmen der Jugendgarantie gefördert werden können.
Sie können berufstätig, arbeitslos oder nicht erwerbstätig sein; wesentlich ist, dass die Notwendigkeit zur Verbesserung der Grundfertigkeiten besteht. Je nach den nationalen Gegebenheiten können die EU-Länder vorrangige Zielgruppen für diese Initiative festlegen.

Wie werden die Betroffenen unterstützt?

Um den Zugang zu hochwertigen Lernangeboten und deren Inanspruchnahme zu fördern, umfasst das Konzept der Weiterbildungspfade drei zentrale Schritte:

  • Schritt 1: Bewertung der Kompetenzen

Die Erwachsenen sollen die Möglichkeit erhalten, festzustellen, über welche Kompetenzen sie verfügen und in welchen Bereichen es Verbesserungsbedarf gibt. Dies kann beispielswiese in Form einer „Kompetenzbewertung“ (skills audit) erfolgen. Sie gibt Auskunft darüber, auf welchen vorhandenen Kompetenzen ein maßgeschneidertes Lernangebot für eine bestimmte Person aufbauen könnte.

  • Schritt 2: Lernangebot

Der bzw. die Betroffene erhält ein Bildungs- bzw. Berufsbildungsangebot, das dem in der Kompetenzbewertung ermittelten Bedarf entspricht. Das Angebot sollte auf die Verbesserung der Lese-, Schreib-, Rechen- oder digitalen Kompetenzen abzielen und/oder es ermöglichen, höhere Qualifikationen zu erwerben, die den Erfordernissen des Arbeitsmarktes entsprechen.

  • Schritt 3: Validierung und Anerkennung

Der bzw. die Betroffene erhält die Möglichkeit, die erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen validieren und anerkennen zu lassen.  

Wie funktioniert das in der Praxis?

Für die Umsetzung werden bestehende Strukturen genutzt, sodass die Abläufe in den verschiedenen EU-Ländern unterschiedlich sind. Viele Länder verfügen bereits über Angebote, die Elemente der Weiterbildungspfade umfassen, und können bei der Umsetzung dieser neuen Initiative hierauf aufbauen. Dabei arbeiten sie mit den Sozialpartnern, Bildungs- und Berufsbildungsanbietern, lokalen und regionalen Behörden usw. zusammen.

Wesentliche Stützpfeiler bei der Umsetzung der Initiative sind

  • wirksame Sensibilisierung der Zielgruppe für das Angebot
  • Orientierung
  • Unterstützungsmaßnahmen

Welchen Beitrag leistet die EU?

Die Kommission wird den Mitgliedsländern bei der Umsetzung der Weiterbildungspfade behilflich sein. Finanzielle Unterstützung kann im Rahmen folgender Instrumente gewährt werden:

Zwischen 2014 und 2020 sollen im Rahmen des ESF 27 Milliarden Euro in die allgemeine und berufliche Bildung investiert werden; darüber hinaus stehen weitere 21,2 Milliarden Euro für die soziale Inklusion und 30,8 Milliarden Euro für nachhaltige und hochwertige Beschäftigung zur Verfügung. Allein mit den Mitteln des ESF zur Finanzierung der allgemeinen und beruflichen Bildung wollen die Mitgliedsländer rund 8 Millionen gering qualifizierte Personen erreichen.

Neue europäische Kompetenzagenda

Die Erwachsenenbildung und die Berufsbildung sind wichtige Komponenten der langfristigen Strategie der Kommission.

Die Empfehlung für Weiterbildungspfade ist der zentrale Legislativvorschlag der neuen europäischen Agenda für Kompetenzen. Die am 10. Juni 2016 verabschiedete Agenda zählt zu den wichtigsten politischen Prioritäten der Europäischen Union im Jahr 2017. In der Agenda werden 10 Maßnahmen vorgeschlagen, die während der nächsten zwei Jahre umgesetzt werden sollen.

Zusammenwachsen

Die elektronische Plattform für Erwachsenenbildung in Europa (EPALE) ist eine mehrsprachige Plattform für

  • Lehrkräfte
  • Ausbilder/-innen
  • Forschende
  • Wissenschaftler/-innen
  • politische Entscheidungsträger
  • andere Fachleute im Bereich der Erwachsenenbildung aus ganz Europa

EPALE bietet nicht nur eine Fülle von Informationen über bewährte Verfahren, sondern beherbergt auch praxisbezogene Gemeinschaften („Communities“): In gemeinsamen virtuellen Räumen finden sich Menschen aus dem Erwachsenenbildungssektor mit ähnlichen Interessen zusammen, um Erfahrungen, Meinungen und bewährte Verfahren auszutauschen. Hier können Sie der praxisbezogenen Gemeinschaft zu Weiterbildungspfaden beitreten.