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Europäischer Forschungsraum - Wissenschaft und Gesellschaft
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2.2   Gleichstellung von Frauen und Männern in der Wissenschaft

In der Forschung wurde den speziellen Erfordernissen von Frauen häufig nicht Rechnung getragen. Frauen machen 50 % der Studierenden aus, bekleiden aber nur 10 % der höheren Stellen im Hochschulbetrieb und sogar noch weniger in der Industrie.

Soll die Gesellschaft insgesamt die Entwicklungen in Wissenschaft und Technik besser verstehen und sich mit ihnen identifizieren, sind besondere Maßnahmen erforderlich, um sowohl die unterdurchschnittliche Vertretung von Frauen in der Wissenschaft als auch die unzureichende Berücksichtigung von Unterschieden zwischen den Geschlechtern in der Wissenschaft anzugehen.

Die Kommission hat 1999 einen Aktionsplan für Frauen in der Wissenschaft aufgelegt, in dem eine Strategie dargelegt wurde, um zusammen mit den Mitgliedstaaten und weiteren Schlüsselakteuren die Forschung von, für und über Frauen zu fördern. Sein Ansatz erwies sich als erfolgreich und wird in der nächsten Etappe aufrecht erhalten und weiter ausgebaut.

Neue Maßnahmen werden durch die Stärkung bereits vorhandener Initiativen unterstützt werden. Die Helsinki-Gruppe „Frauen und Wissenschaft“ (Die Helsinki-Gruppe wurde im November 1999 gegründet. Ihre Mitglieder sind Beamte, die sich auf nationaler Ebene mit der Förderung von Frauen in der wissenschaftlichen Forschung in den Mitgliedstaaten und assoziierten Staaten befassen) wird weiter als Forum für die Zusammenführung einschlägiger politischer Erfahrungen in den Mitgliedstaaten und für den Austausch über vorbildliche Verfahrensweisen dienen und eine umfassende Strategie für eine langfristige Zusammenarbeit erarbeiten. Das Berichtssystem „Frauen in der Wissenschaft“ wird ausgebaut werden, um die Einbeziehung der Geschlechterdimension in das Rahmenprogramm und in die Forschungspolitik im Allgemeinen zu verbessern.

Dieser Ansatz wird durch spezielle Forschungsarbeiten zur Verbesserung des Verständnisses der Thematik „Geschlecht und Wissenschaft“ in Europa und zur Entwicklung von Werkzeugen zur Unterstützung des politischen Prozesses ergänzt werden.

Vor diesem Hintergrund, der sich ständig weiterentwickeln wird, wird die Kommission, wie auf der Konferenz zum Thema „Geschlecht und Wissenschaft” vom November 2001 angekündigt, vier neue Initiativen ins Leben rufen.

Einrichtung einer europäischen Plattform für Wissenschaftlerinnen

Benötigt wird ein Rahmen, der den Austausch von Erfahrungen und bewährten Verfahrensweisen ermöglicht und gleichzeitig die Zusammenarbeit und Konsultation zwischen den verschiedenen Wissenschaftszweigen erleichtert. Durch ihn könnte im Wege der Verbreitung von Informationen und der Unterstützung von Lobbyarbeit und Einflussnahme eine aktivere Beteiligung von Wissen­schaftlerinnen am europäischen Politikprozess erreicht werden. Ferner könnte dieser Rahmen die berufliche Handlungskompetenz von Wissenschaftlerinnen durch Ausbildungsmaßnahmen und Vernetzung, durch eine Datenbank von Rollenmodellen und Mentoren, durch Kampagnen und Sensibilisierungsmaßnahmen stärken.

Aktion 24

Es wird eine europäische Plattform eingerichtet werden, um Netzwerke von Wissenschaftlerinnen und Organisationen, die sich der Gleichstellung von Frauen und Männern in der wissenschaftlichen Forschung verschrieben haben, zusammen­zuführen.

Beobachtung der Fortschritte auf dem Weg zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der Wissenschaft

Die Fortschritte im Bereich der Gleichstellung der Geschlechter lassen sich nicht ohne geeignete Indikatoren beobachten. Die Helsinki-Gruppe „Frauen und Wissenschaft“ hat einen besonderen Bedarf hinsichtlich der folgenden wichtigsten politischen Zielsetzungen ausgemacht: Ausbau des Frauenanteils in der Wissenschaft, Verringerung sowohl der horizontalen Segregation (Frauen sind verstärkt in bestimmten Bereichen oder Fachgebieten vertreten) als auch der vertikalen Segregation (Frauen sind tendenziell in den unteren Hierarchieebenen zu finden), Reduzierung der Gehaltsunterschiede und Gewährleistung einer gerechten und gleichen Behandlung.

Aktion 25

Ein Satz geschlechtsdifferenzierte Indikatoren wird in Zusammenarbeit mit den Statistik-Korrespondenten der Helsinki-Gruppe „Frauen und Wissenschaft“ erarbeitet werden, um den Fortschritt in Richtung Gleichstellung von Frauen und Männern in der europäischen Forschung zu messen.

Mobilisierung von Wissenschaftlerinnen im privaten Sektor

Der private Sektor leistet 60 % der europäischen Forschung. Er ist eine Innovationsquelle und deckt ein breites wissenschaftliches Spektrum ab. Die bisherigen Maßnahmen galten im Wesentlichen für an Hochschulen und Forschungszentren betriebene Forschung. Daher ist es von größter Wichtigkeit, auch die in Unternehmen betriebene Forschung zu analysieren.

Aktion 26

Eine Expertengruppe wird die Rolle und die Stellung von Frauen in der im privaten Sektor betriebenen Forschung untersuchen, wobei typische berufliche Werdegänge und vorbildliche Verfahrensweisen ermitteln werden sollen, und wird Empfehlungen zur Erreichung der Gleichstellung der Geschlechter formulieren.

Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern in einem erweiterten Europa

Die Lage der Wissenschaftlerinnen in Mittel- und Osteuropa wurde bislang nicht eingehend untersucht. Die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen in dieser Region haben jedoch die Analyse der besonderen Gegebenheiten, mit denen Wissenschaftlerinnen in
diesen Ländern konfrontiert sind, erforderlich gemacht, um ihnen die Mittel zur Befassung politischer Entscheidung­sträger an die Hand zu geben und die Gleichstellung von Frauen und Männern im breiter gefassten Erweiterungskontext zu fördern.

Aktion 27

Eine Expertengruppe der Kommission wird die Lage von Wissenschaftlerinnen in den mittel- und osteuropäischen Ländern und in den baltischen Staaten untersuchen und Empfehlungen für weitere Arbeiten, insbesondere im Rahmen der Helsinki-Gruppe „Frauen und Wissenschaft“ und in Verbindung mit anderen geeigneten politischen Maßnahmen, aussprechen.

 

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