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 INHALT
 EDITORIAL
 „Wir sollten stolz sein auf unsere Forscher“
 Die Forschung – Beruf und Berufung
 Die Wahl eines Mentors
 Warum nicht in die Ferne schweifen?
 Der amerikanische Magnet
 Japanischer Alltag
 Die andere Hälfte der Forschung
 Vitamine für die Wissenschaft
 Universitäten auf neuen Wegen
 WissenschaftlerInnen vor Ort
 Einige nationale Vereinigungen   von Studierenden, Doktoranden oder Forschern

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HOMMAGE
Title  Marie die Unbestechliche

„Der einzige Mensch, den der Ruhm nicht korrumpiert hat“, sagte Albert Einstein über Marie Curie. Ein Blick auf das Leben einer außergewöhnlichen Wissenschaftlerin, deren Name fortan für die Exzellenz der europäischen Forschung steht.

Marie Curie
Marie Curie
Als Maria Sklodowska 1867 in Warschau geboren wird, steht Polen unter russischer Fremdherrschaft. In diesem armen gedemütigten Land, in dem man nur im Verborgenen seine Sprache sprechen kann, ist Wissen ein Weg, dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen. Maria, eine brillante Schülerin, die bald mehrere Sprachen beherrscht, besucht die „Fliegende Universität“, wo Intellektuelle heimlich ihr Wissen weitergeben. Dennoch nimmt sie zunächst eine Stelle als Erzieherin an, um ihrer älteren Schwester Bronia – da Frauen an polnischen Universitäten nicht zugelassen waren – das Medizinstudium in Paris zu finanzieren.

1892. Maria nennt sich nun Marie und lebt ebenfalls in Frankreich. Marie holt die Zeit auf, die Maria verloren hat. Eine Abschlussprüfung in Physik, eine weitere in Mathematik, die Begegnung mit Pierre Curie. Der Physiker bittet sie – mitnichten zu einem galanten Rendezvous, sondern um ihre Hilfe bei seinem mündlichen Vortrag zum Erwerb der Doktorwürde. 1895 heiraten sie. 1897 wird ihre Tochter Irène geboren.

Marie ist 30 Jahre alt. Sie und Pierre interessieren sich für die jüngste Entdeckung von Henri Becquerel: eine geheimnisvolle unsichtbare Strahlung des Elements Uranium. In einem umfunktionierten Schuppen installieren sie eine komplizierte Vorrichtung, um dieses Strahlungsphänomen nachzuweisen, für das sie den Begriff „Radioaktivität“ erfindet. Eine gigantische Arbeit, in deren Rahmen sie zahlreiche Metall- und Mineralverbindungen untersuchen. Am 12. April 1989 gibt Marie Curie in einer Mitteilung an die Akademie der Wissenschaften bekannt, dass „zwei Uraniummineralien, Pechblende (Uranit) und Chalcolit (Kupfer-/Uranylphosphat) viel aktiver sind als das Uranium selbst. Diese Tatsache ist bemerkenswert und lässt darauf schließen, dass die Minerale ein weitaus aktiveres Element als Uranium enthalten können.“

Eine Intuition namens Radium
Intuition verpflichtet. Vier Monate später isolieren die Curies ein unbekanntes Metall – das sie symbolisch Polonium nennen –, dessen Aktivität die des Uraniums um das 400-Fache übersteigt. Kurz darauf folgt die bahnbrechende Entdeckung des Radiums, dessen spektakuläre radioaktive Strahlung (in Lichtform sichtbar) 1,4 Millionen Mal höher ist. Sehr rasch wird erkennbar, dass sich dieses kostbare Metall zur Untersuchung der mikroskopischen Struktur der Materie einsetzen lässt. Die Ärzte des Krankenhauses St. Louis in Paris beginnen schon bald, es zur Behandlung von Krebs zu verwenden.

1903 wird ein schönes Jahr. Im Juni legt Marie ihre Dissertation vor. Im Dezember wird den Eheleuten Curie und Henri Becquerel für die Entdeckung der spontanen Radioaktivität der Nobelpreis in Physik verliehen. 1906 schlägt das Schicksal zu. Pierre kommt bei einem Straßenbahnunfall ums Leben. „Trotz unserer verschiedenen Herkunftsländer gab es zwischen seiner und meiner Auffassung von den Dingen eine erstaunliche Verwandtschaft“, sollte sie später schreiben.

Aber die Wissenschaft geht weiter. Die „illustre Witwe“ lehrt an der Sorbonne – als erste Frau in dieser Position. Im Jahr 1911 wird sie für die Isolierung des Elements Radium und die Untersuchung seiner Eigenschaften mit einem weiteren Nobelpreis, diesmal in Chemie, ausgezeichnet.

Der Krieg und das Institut
1914. Kaum ist das ganz auf ihren Bedarf zugeschnittene Radium-Institut an der Pariser Universität eingeweiht, bricht der Erste Weltkrieg aus. Damit verlagern sich auch die Schwerpunkte der Forschung. Um die Untersuchung verletzter Soldaten zu beschleunigen, gehen die Röntgenstrahlen an die Front – in Form von kleinen mobilen Röntgenwagen, die schnellere und präzisere Behandlungen und Operationen möglich machen.

Nach Kriegsende nimmt das Institut seine Arbeit auf. Hier wird die Radioaktivität gelehrt, Forscher aus aller Welt lassen sich in dem Institut ausbilden. Irène wird die Assistentin ihrer Mutter. Paradoxerweise muss Marie Curie, die niemals versucht hatte, ihre Entdeckungen in klingende Münze zu verwandeln, erhebliche Energie aufbringen, um die Mittel zum Kauf von einigen Gramm Radium zu beschaffen, die das Institut für seine Forschungen braucht.

Danach erlebt sie noch die Entdeckung der künstlichen Radioaktivität durch Frédéric und Irène Joliot-Curie. 1934 – ein Jahr, bevor ihren Kindern der Nobelpreis verliehen wird – stirbt Marie Curie an Leukämie, einer Folge ihrer „langjährigen Kontakte mit radioaktiven Strahlen“. Neunundfünfzig Jahre später, als letzte gemeinsame Anerkennung, halten Pierre und Marie Curie Einzug ins Panthéon, dieses Monument, das Frankreich als „dankbares Vaterland“ seinen „großen Persönlichkeiten“ vorbehält.

    
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