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FTE info logoMagazin für die europäische Forschung Sonderausgabe EIROforum – Februar 2007   
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 EDITORIAL
 INTERVIEW

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EMBL
Title  Am Anfang war die Form

Eric Karsenti leitet die Abteilung „Zellbiologie und Biophysik“ am EMBL. Im Jahre 2009, also 150 Jahre nach den Arbeiten Darwins über den Ursprung der Arten will dieser Spezialist auf dem Gebiet des Zytoskeletts mit einem Segelschiff in See stechen, um die Reise der HMS Beagle zu wiederholen. Auf dieser Reise konnte der Begründer der Evolutionstheorie sehr viele Eindrücke zur Untermauerung seiner Idee sammeln.

Eric Karsenti
Welcher Zusammenhang besteht zwischen Ihren Recherchen am EMBL auf dem Gebiet der physikalischen Chemie zur Bestimmung der Funktion des Zytoskeletts und Ihrem Interesse an der Evolutionstheorie?
Das, was mich am meisten fasziniert, ist die Komplexität und Vielfalt der Formen, die ein Lebewesen annehmen kann. Wie ist eine solche Vielfalt möglich, und wie konnte sie im Laufe der Evolution entstehen? Dieses Problem ist schon sehr alt und diese Frage, die heute vernachlässigt wird, hat sich schon Aristoteles gestellt. Auch noch im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war sie von großer Bedeutung.

Ein bekanntes Beispiel hierfür sind die Darwin- oder Galapagosfinken. Während seiner Reise mit der HMS Beagle beschrieb Darwin 13 Finken- Arten, die auf diesem Archipel im Pazifik leben. Sie alle unterscheiden sich durch ihre Schnabelform. Dieses Phänomen nennen wir Speziation. Wie konnte sich die Schnabelform im Laufe der Evolution so vielfach und außerdem so schnell verändern?

Die Antwort findet man, wenn man auf der Skala der Organisation der Lebewesen einen Schritt zurückgeht, das heißt vom Organ zurück auf die Zelle. Das Zytoskelett gibt der Zelle die Form. Um die zelluläre Morphogenese zu verstehen, habe ich mit einem Team, das zu gleichen Teilen aus Biologen und Physikern besteht, mit der Arbeit am Zytoskelett und seinen wichtigsten Bestandteilen begonnen. Das sind: Aktin, Tubulin und die dazugehörigen Proteine.

Darstellung von Mikrotubolifilamenten
des Zytoskeletts der Hefe (grün) in
Verbindung mit den Mitochondrien (gelb)
und dem Zellkern (violett)
Darstellung von Mikrotubolifilamenten des Zytoskeletts der Hefe (grün) in Verbindung mit den Mitochondrien (gelb) und dem Zellkern (violett)
© EMBL
Kann man in der Evolution das Erscheinen des Zytoskeletts datieren?
Alle eukaryotischen Zellen (Zellen mit Zellkern) haben ein Zytoskelett. Bei den Prokaryoten (den Zellen ohne Zellkern, wie zum Beispiel den Bakterien) findet man keine entsprechende Struktur, obwohl einige ähnliche Proteine vorhanden sind. Es muss also einen Moment in der Evolution gegeben haben, als das genetische Material so komplex wurde, dass die Verteilung der Chromosomen auf zwei identische Gruppen einen hochentwickelten Mechanismus erforderte: das Zytoskelett. Bei allen Eukaryoten sind die Chromosomen tatsächlich durch eine mitotische Spindel aus Mikrotubuli verteilt. Dadurch wird ein faszinierendes Problem aufgeworfen: die Koevolution einer großen Anzahl von Genen, die an der Kontrolle der Teilung und der Zellform während der Entwicklung der Eukaryoten beteiligt sind.

Unglücklicherweise ist dieses Gebiet erst wenig erforscht und ich bedaure, dass man nicht intensiver an dieser Frage der evolutionären Biologie auf Zellniveau arbeitet. Die Forschungen am Zytoskelett der einzelligen Eukaryoten dürften sich als äußerst interessant gestalten, besonders wenn es um das Plankton geht. Unter den lebenden Fossilien sind einige Planktonarten wahre Fundgruben.

Gibt es ein Beispiel, wo die Mutation eines Genes, das ein Protein des Zytoskeletts kodiert, das Erscheinen einer neuen Form nach sich zieht?
Absolut. Das ist zum Beispiel der Fall bei der Mutation von Dynein.

Dieses Protein des Zytoskeletts funktioniert wie ein kleiner Motor, der sich entlang der Mikrotubuli bewegt und die Umkehrung der Organpositionen bewirken kann: Das Herz nach rechts, die Leber nach links, usw…

Aber Vorsicht, ich behaupte nicht, dass alle neuen Formen aus der Mutation der Gene des Zytoskeletts entstehen. Am Beispiel der Darwinfinken weiß man heute, dass Unterschiede in der Ausprägungsstufe eines Gens, das ein für die Zellvermehrung zuständiges Hormon kodiert, für die Schnabelausbildung verantwortlich sind. Allerdings glaube ich, dass die Untersuchung der physikalisch-chemischen und dynamischen Prinzipien, die der Zellmorphogenese zugrunde liegen, erforderlich ist, um zu verstehen, wie die Evolution bis zum heutigen Tage zu einer solchen Pracht und einem solchen Formenreichtum bei den Lebewesen führen konnte.

    
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