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FTE info logoMagazin für die europäische Forschung Sonderausgabe - März 2004   
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 INHALT
 EDITORIAL
 Die Wissenschaft und die Welt, die Kunst und ich
 Das Rätsel der Knoten
 Von der Schönheit der Mathematik
 Die Geheimnisse einer mutierten Kunst
 Der Forschung Kern
 Intuitionen und Phantastereien
 Wissenschaft im Spiegel der Fiktion
 Im Spiegel der Filmkunst
 Gedankenaustausch jenseits der Fachgrenzen
 Die Paradoxe der Wahrnehmung
 Einstellung, Gegeneinstellung
 Europa, seine Forscher und das Erbe

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KREATION UND TECHNIK
Title  Die Musen im digitalen Zeitalter

Zwei Museen, drei Institute, ein Zentrum, das Künstler aufnimmt, eine kulturelle Programmplanung, die unermüdlich das zeitgenössische Kunstschaffen – vor allem auch die Avantgarde – in den Vordergrund rückt: das Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe ist ein einmaliger Ort in Europa. Dieses polyvalente Zentrum, das sich selbst als „Kulturfabrik des digitalen Zeitalters“ bezeichnet und auf den neuen Kommunikationstechnologien aufbaut, vereinigt Forschung, künstlerische Gestaltung, Reflexion und öffentliche Debatte.

das Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe ist ein einmaliger Ort in Europa.
Das Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe ist ein einmaliger Ort in Europa.
Lauschen Sie lieber der unhörbaren Stimme des Sands.“ Dieser kurze Satz der französischen Dichterin Annie Salager hat das neueste Werk (Voices of the Sand) der britischen Künstlerin Pippa Murphy inspiriert. Man hört darin das Knirschen von Sand und Kieseln, Geflüster, Geschnatter. Die Klänge umhüllen den Raum, der ganze Körper wird von der Musik durchdrungen. 36 von einem Computer gesteuerte Lautsprecher stehen der Komponistin zur Seite, die das Ganze am Mischpult orchestriert. Sie nennt diese Neuschöpfung „akusmatisch“, weil die Tonquelle unsichtbar ist. „Binnen zehn Jahren könnte das Volksmusik werden“, meint sie.

Pippa Murphy, Mitglied des Birmingham ElectroAcoustic Sound Theatre und Dozentin an den Universitäten Edinburgh und Aberdeen, hat Voices of the Sand während eines Aufenthalts als Gastkünstlerin des ZKM (Zentrum für Kunst und Medientechnologie) geschrieben. Das Zentrum ist in einer alten Munitionsfabrik untergebracht und belegt einen großen Teil dieses über 300 Meter langen geschützten Baudenkmals. 1989 gegründet, wird es mit öffentlichen Mitteln der Stadt Karlsruhe und des Landes Baden-Württemberg finanziert. Die darstellenden Künste, Tanz, Literatur, Musik und Reflexion geben sich dort ein Stelldichein, gemeinsamer Nenner sind die neuen Medien.

Blue Cube
Besondere Aufmerksamkeit widmet das ZKM dem musikalischen Schaffen. Sein Institut für Musik und Akustik ist im Blue Cube untergebracht. Dieses transparente Modul, das dem Zentrum wie ein Signal „vorgehängt“ ist, wurde so konzipiert, dass es den höchsten akustischen Ansprüchen genügt. Es bietet hervorragende Vertonungsbedingungen und technologische Ausrüstungen, die es zu einem der weltweit besten Forschungszentren für elektronische Musik und computergestützte Komposition machen. Auf den meisten elektronischen Konsolen steht ein breiter Fächer an professioneller Software für die Aufnahme, die Tonschöpfung und -manipulation zur Verfügung.

Lothar Brümmer, der Direktor des Instituts, selbst ebenfalls Musiker, lenkt die Geschicke dieses Orts, an dem die Technologie das Auskundschaften neuer Klangräume ermöglicht und der Computer alles dominiert. Mehrere Kompositionsprogramme sind von Forschern des ZKM, in Zusammenarbeit mit Zentren von Weltrang wie der Stanford University (USA) oder dem Institut National de l'Audiovisuel (FR), entwickelt worden. Derzeit planen ZKM und Ircam (Institut de recherche et coordination acoustique/musique - Paris) eine Zusammenlegung ihrer Archive und einen regelmäßigen Austausch ihrer elektronischen Möglichkeiten, während sich eine weitere Zusammenarbeit mit ACROE (Association pour la création et la recherche sur les outils d'expression) in Grenoble anbahnt.

Über 90 Künstlerinnen und Künstler aus aller Herren Länder haben 180 Produktionen realisiert. Derzeit kann man beispielsweise Martin Schüttler begegnen, der in Frankfurt Komposition unterrichtet. Er arbeitet an fortgeschrittenen Technologien und betrachtet die Musik als „eine Zeitskulptur oder ein Zeitpuzzle“. Eine schwierige Musik? „Diese Musik, die aus dem gewohnten Kanon ausbricht, erstaunt sicher“, räumt Lothar Brümmer ein. „Das Publikum muss erzogen und geführt werden, um sie schätzen zu lernen, aber das ist ja gerade, was wir hier zu tun versuchen.“


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  Das Puzzle ZKM

Neben dem Institut für Musik und Akustik umfasst ZKM auch ein Institut für Netzentwicklung (das insbesondere Kommunikationstools und Strategien für kulturelle Einrichtungen und Künstler bereitstellt) und ein Institut ...
 

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      Das Puzzle ZKM

    Neben dem Institut für Musik und Akustik umfasst ZKM auch ein Institut für Netzentwicklung (das insbesondere Kommunikationstools und Strategien für kulturelle Einrichtungen und Künstler bereitstellt) und ein Institut für Grundlagenforschung, das sich mit der Erforschung komplexer Systeme, insbesondere im Bereich des Kognition und der ästhetischen Wahrnehmung, beschäftigt.

    Daneben beherbergt das Zentrum das sehr interaktive Medienmuseum (Darstellung der in all diesen Bereichen eingesetzten Technologien) sowie ein Museum für neue Kunst, das die großen Bewegungen der europäischen und amerikanischen Kunstszene seit den 60er Jahren illustriert. Seine Mediathek nennt eine der bedeutendsten Sammlung von Musik, Videos, CD-Rom und Texten, die der Kunst des 20. Jahrhunderts gewidmet sind, ihr Eigen. Sie können sie virtuell besuchen unter: http://biblio.zkm.de/ .

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