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Können -Zellen das Gehirn reparieren?

   

Warum sollte man abgestorbene Neuronen nicht ersetzen? Diese Idee wurde in Form von Verpflanzungen von Fetalneuronen bei Parkinson-Patienten umgesetzt und hat sich als außerordentlich wirksam erwiesen. Nun werden neue Quellen für einpflanzbare Zellen erforscht, damit eine größtmögliche Zahl von Patienten von dieser neuen Behandlungsmethode profitieren kann.

     
   

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Im Rahmen von Forschungen über die Entwicklung von Neuronentransplantationen zur Behandlung von Parkinson und Huntington haben ein schwedisches und ein spanisches Team Stammzellenkulturen angelegt, die ein Gen ausdrücken, das ein für die Erzeugung von Dopamin notwendiges Protein codieren kann.

Neuronen sterben ab. Im Gegensatz zu anderen Zelltypen werden sie jedoch nicht ersetzt. Diese langsame Verringerung ist Teil der normalen Alterung des Organismus. Der beschleunigte Neuronentod bei neurodegenerativen Krankheiten löst jedoch viel stärkere Behinderungen aus. Er kann diffus sein, wie bei der Alzheimer-Krankheit, oder lokalisiert, wie bei Parkinson. In jedem Fall hat er bedrohliche Folgen, wie den Abbau kognitiver Fähigkeiten bis zu Demenz bzw. motorischen Störungen. Es gibt Medikamente, die das Fortschreiten der Symptome verlangsamen, eine wirkliche Heilung ist bisher jedoch nicht in Sicht. Der gelungene Nachweis, dass sich Symptome der Parkinson-Krankheit durch Transplantation neuer Neuronen korrigieren - und irgendwann vielleicht beseitigen - lassen, wurde daher mit heller Begeisterung aufgenommen.

Eine schwedische Saga
Diese neue Therapie wurde an der weltweit für ihre Arbeiten im Bereich der Neuronentransplantation bekannten Universität Lund (S) entwickelt. Das Team um Anders Björklund (siehe Interview) testete die Transplantation von Fetalneuronen zunächst im Tierversuch und setzte sie anschließend zur Behandlung von Parkinson-Patienten ein. Vor Kurzem konnte ein Forschernetzwerk unter Leitung von Olle Lindvall vom Universitätskrankenhaus Lund die positive Bilanz der ersten zehn Jahre klinischer Tests dieser Therapie beim Menschen vorlegen. Optische Darstellungen des Gehirns konnten nachweisen, dass transplantierte Zellen neue Verbindungen mit den Neuronen der kranken Regionen bilden und dort die fehlende chemische Substanz erzeugen. Mit anderen Worten: Diese Zellen können das Gehirn reparieren!

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Diversifizierung
Diese viel versprechenden Therapien lassen sich nur schwer in großem Maßstab anwenden. Man braucht ungefähr sechs abgetriebene Feten, um genug Zellen für einen einzigen Patienten zu haben. Daher müssen unbedingt andere Quellen für verpflanzbares Zellmaterial gefunden werden.

Auf der Suche nach einer Lösung hat die europäische Forschung verschiedene Wege eingeschlagen. Ein von Häkan Widner (Wallenberg Neuroscience Center, Lund), geleitetes Team hat die Möglichkeit untersucht, Schweineneuronen zu transplantieren und Mittel zur Bekämpfung von Abstoßungsreaktionen des Immunsystems entwickelt.

Andere Forschungsarbeiten befassen sich mit den Stammzellen, unreifen Zellen, die sich unendlich vermehren und zu allen Zelltypen des menschlichen Körpers differenzieren können. Sie sind insbesondere im Knochenmark und der Haut vorhanden. Wissenschaftler untersuchen mit glühendem Interesse die Stammzellen, die sich offenbar im Gehirn befinden. Das von Urban Lendahl (Institut Karolinska, Stockholm) koordinierte Netzwerk hat wichtige Daten erarbeitet, die in der Zeitschrift Science veröffentlicht wurden. Es geht dabei um die Identifizierung von Neuronenstammzellen bei der erwachsenen Maus und den Nachweis, dass sie als Quelle für die Entwicklung neuer Neuronen in Frage kommen. Dies weckt Hoffnung für neurodegenerative Krankheiten. Außerdem besitzen diese Zellen die Fähigkeit, sich in viele andere Zelltypen zu differenzieren. Diese Pluripotenz der Neuronenstammzellen eröffnet uns kaum vorstellbare Perspektiven für den Wiederaufbau des menschlichen Körpers auf Basis seiner eigenen Elemente.

Frühling der Stammzellen
Die regenerative Medizin erregt das Interesse mehrerer junger Biotech-Firmen in Europa. Derzeit unterstützt die Europäische Union zwei der Zelltherapie des Nervensystems gewidmete Forschungsnetzwerke, um diesen aufstrebenden Jungunternehmen das Wissen von Universitäts- und Krankenhauszentren zu vermitteln. Das erste Forschungsnetzwerk unter Leitung von Marc Peschanski (INSERM U421, Créteil, Frankreich) will Zelltherapie mit Gentherapie kombinieren. Es untersucht die Möglichkeit, genetisch modifizierte Zellen zu transplantieren, die Moleküle zum Schutz der Neuronen vor dem Zellsterben hervorbringen.. Das zweite Netzwerk wird von John Sinden koordiniert, der 1997 das britische Unternehmen ReNeuron gründete. Dieses Konsortium, erklärt er, "hat das Ziel, kommerziell rentable Methoden zu entwickeln, um bedingt immortalisierte Stammzellen zu isolieren und in das kranke Gehirn einzupflanzen." Im Mittelpunkt dieser Strategie steht der Einsatz von Selbstmordgenen, die in Stammzellen eingeführt werden. Die gezielte Aktivierung dieser Gene würde die eingepflanzten Zellen nach der Genesung des Patienten töten. Dadurch würde jedes Risiko, dass sie sich in Tumore verwandeln, ausgeschaltet. Man könnte von einer Reparatur nach Maß sprechen.

Drei Fragen an Anders Björklund
Anders Björklund ist Professor der Histologie an der Universität Lund (Schweden). Er gehört zu den Pionieren auf dem Gebiet der Neuronentransplantation.

Wie kamen Sie darauf, die Transplantation von Neuronen zu erforschen?

Im Laufe der 70er Jahre habe ich mich mit den Möglichkeiten der Regeneration des Gehirns nach einer Verletzung befasst; eine Arbeit im Bereich der Grundlagenbiologie. Mit meinen Mitarbeitern habe ich 1975 nachgewiesen, dass Fetalneuronen, die ins Gehirn einer erwachsenen Ratte eingepflanzt werden, sich integrieren und neue Verbindungen bilden. Das Gehirn war also im Gegensatz zu der damals vorherrschenden Meinung regenerationsfähig. Ich interessierte mich seit langem für Parkinson und Dopamin, dem Neurotransmitter, dessen gestörte Funktion die Krankheit auslöst. Es kam mir die Idee eines therapeutischen Ansatzes, der sich die regenerative Fähigkeit der Fetalneuronentransplantation zunutze macht. 1979 haben wir dann an einem Tiermodell gezeigt, dass sich mit einer Transplantation von Fetalneuronen die Symptome der Parkinson-Krankheit korrigieren lassen.

Wie ist der Übergang zum Menschen erfolgt?

Das war 1985. Damals haben wir in Zusammenarbeit mit der neurologischen Abteilung der Universität erstmals die Transplantation bei Parkinson-Patienten in Betracht gezogen. Zwei Jahre lang haben wir ethische Überlegungen angestellt, insbesondere hinsichtlich der Benutzung von Fetalgewebe. Die erste Operation fand 1987 statt. Heute, dreizehn Jahre später, sind in unserer Universität 18 Patienten operiert worden, und zwar mit sehr ermutigenden Ergebnissen. Manche können jetzt sogar auf ihre Medikamente verzichten.

Worauf konzentriert sich Ihre Forschung im Augenblick?

Das Problem mit der Transplantation von Fetalneuronen ist der Zugang zu den einzupflanzenden Zellen. Die Feten, die von Abtreibungen stammen, sind nur in beschränkter Menge und Qualität verfügbar. Derzeit wird große Hoffnung auf die Stammzellen gesetzt, die sich in vitro vermehren können. Diese Stammzellen eröffnen der Zelltherapie des Nervensystems viele Möglichkeiten, auch wenn der Weg bis zu einer Behandlung noch lang ist. Ich denke vor allem an die Huntington Chorea, für die bereits klinische Versuche laufen, und an bestimmte Formen von Epilepsie.



Kontakte

 

Olle Lindvall
Universitätskrankenhaus Lund, Schweden
olle.lindvall@neurol.lu.se

Häkan Widner
Wallenberg Neuroscience Center, Lund
hakan.widner@neurol.lu.se

Urban Lendahl
Institut Karolinska, Stockholm
urban.lendahl@cmb.ki.se

Marc Peschanski
INSERM U421, Créteil, Frankreich
peschanski@im3.inserm.fr

John Sinden
ReNeuron Ltd, London
john-sinden@reneuron.com

Koordinator: Ernest Arenas
Karolinska Institute (Schweden)
http://cajal.mbb.ki.se/

       
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