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Tausend Milliarden Neuronen

   

Bewusstsein, Intelligenz, Sprachgebrauch, Gedächtnis, Gefühle usw. werden durchweg vom Gehirn gesteuert. Ein erstaunliches System, und zweifellos das komplizierteste, das die biologische Evolution hervorgebracht hat. Kein Wunder also, dass die Wissenschaft seine Geheimnisse nur nach und nach enträtselt. Die Erforschung der Organisation und Aktivität einiger Tausend Milliarden spezifischer Zellen, der Neuronen, aus denen sich das Gehirn zusammensetzt und die durch Millionen Milliarden Verbindungen miteinander verkettet sind, ist eine umfangreiche Aufgabe.

     
   

Die aktuellen Fortschritte im Bereich der Neurowissenschaften gehören zu den faszinierendsten Perspektiven, die durch wissenschaftliche Forschung eröffnet wurden. Sie betreffen einen wichtigen Bereich der Medizin und stellen Therapien für oft tragische, durch Störungen der Gehirnfunktionen ausgelöste Krankheiten in Aussicht. Europa zahlt für den Erfolg der stetig steigenden Lebenserwartung seiner Bürger einen hohen Preis. Man denke nur an die Folgen neurodegenerativer Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson. Aber auch zu viele Neugeborene werden Opfer erblicher Gehirnfunktionsstörungen. Die Fortschritte eröffnen auch Möglichkeiten, das Leiden an Verhaltensstörungen und psychiatrischen Krankheiten zu lindern, die in unseren Zeiten tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen immer häufiger auftreten.

Ferner ist das Gehirn sicherlich das mit größter Intensität erforschte Organ - im kranken wie im gesunden Zustand. Das wissenschaftliche Interesse wird von der breiten Öffentlichkeit geteilt.

Die europäischen Forschungsprogramme werden diesen Herausforderungen gerecht, um so mehr, als Europa international seit jeher für seine herausragenden Leistungen auf diesem Gebiet der Neurowissenschaften bekannt ist. Im Vierten Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung (FTE) wurden 118 Projekte mit insgesamt 87 Millionen Euro unterstützt (12 % der Mittel für den Bereich Biomedizin und 6 % der Mittel für den Bereich Biotechnologien). An diesen Projekten, die sämtliche Aspekte der fortschreitenden Erkenntnisse über Funktionsweise und Krankheiten des menschlichen Gehirns berühren, wirken 736 Forscherteams aus 26 Ländern mit. Mit der Industrieplattform "Neurowissenschaften", an der über zwanzig besonders dynamische Pharmaunternehmen und biomedizinische Firmen teilnehmen, wurde ein effizientes Interaktionsinstrument zur Verwertung der in diesem Rahmen erreichten Forschungsergebnisse geschaffen.

Auch im Fünften Forschungsrahmenprogramm, und zwar im Programm Lebensqualität und Management lebender Ressourcen, bleiben Neurowissenschaften ein prioritärer Bereich. Abgesehen von bestimmten Projekten, die unter den Leitaktionen Zellfabrik und Alterung der Bevölkerung und Behinderungen durchgeführt werden, unterstützt die Aktionslinie Neurowissenschaften im Rahmen der generisch ausgerichteten Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten dieses Programms derzeit die Schaffung 12 neuer Forschungsnetzwerke. An diesen wirken 79 auf Zellkommunikation, Lernmechanismen des Gehirns, Neuroinformatik und neurowissenschaftliche Theorien spezialisierte Laboratorien mit. Andere Projekte, die mit der Entwicklung des Gehirns sowie dem Verständnis und der Behandlung der wichtigsten geistigen oder psychischen Störungen zusammenhängen, werden zur Zeit aufgebaut(1).

(1) Die europäischen Forschungsarbeiten wurden unter anderem im Juni in Brüssel auf dem 22. Kongress des Collegium Internationale Neuro-psychopharmacologicum (CINP) mehrfach präsentiert.

       
   
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