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RDT info logoMagazine de la recherche européddee Nr 51 - Dezember 2006   
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 EDITORIAL
 Der Mensch als Maschine: Über die neuen Wege der Kommunikation
 e-Inclusion, Pro und Kontra
 Biotechnologien: Steigender Beliebtheitsgrad
 "Ein Wissenschaftler, der Tacheles redet, kann Schaden anrichten"
 Diabetes + Obesität = Diabesität
 Die Geschichte des Hefegenoms
 Rebell aus vielen Gründen
 Auf den Spuren der sechziger Jahre
 Nobelpreisträger der Zukunft
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Die wahre Lektion von Regensburg

Das in den Medien dargestellte Zeitgeschehen ist oft irreführend. Die „Lektion von Regensburg“, die Papst Benedikt XVI. im vergangenen September gegeben hat, wird vor allem wegen des Protestgeschreis in Erinnerung bleiben, das es in der muslim ischen Welt wegen eines, je nach Empfindsamkeit unglücklichen oder gerechtfertigen, „byzantinischen“ Zitats hervorgerufen hat.

Das Wesentliche seiner Ansprache hatte jedenfalls bei weitem nichts mit dem Islam zu tun und wurde größtenteils auch verpasst. Es ging um die Beziehungen zwischen der „Vernunft des Glaubens“ und der „Vernunft der Wissenschaft“. Der Frage zum Verständnis des Universums fügt er die „Sinnfrage“ hinzu, „die eigentlich menschlichen Fragen, die nach unserem Woher und Wohin.“ Beschreitet der Papst mit diesen Worten nicht den von der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft sehr angefochtenen Pfad, der aus dem Nichts aufgetaucht ist und Intelligent Design genannt wird?

Die sehr gelehrten Überlegungen von Benedikt XVI., der seine Quellen aus einer Vereinigung des griechischen und des biblischen, durch das Christentum geleiteten Gedankenguts schöpft, sind subtil und haben nichts mit kreationistischen Ableitungen zu tun. Nach einem Wort des Evangeliums läßt er Cäsar (der Wissenschafts - gemeinde) was des Cäsars ist (das wissenschaftliche Wissen). Damit akzeptiert er zwar die durch die Wissenschaft erhellten „Tatsachen“ (den Darwinismus, die Natur der Materie, den Big Bang, usw.), hält allerdings dagegen: „Was an ethischen Versuchen von den Regeln der Evolution oder von Psychologie und Soziologie her bleibt, reicht einfach nicht aus“. Er verteidigt die Gewährung eines parallelen und ergänzenden (oder transzendentalen) Raums für die Entwicklung einer rationellen Disziplin, die Theologie, und dass diese „nicht nur als historische und humanwissenschaftliche Disziplin, sondern […] als Frage nach der Vernunft des Glaubens an die Universität und in ihren weiten Dialog der Wissenschaften“ und der Kulturen gehört.

Darum muss man handeln. Diese Einladung zum Dialog zeigt in jedem Fall, dass ein aufgeklärtes religiöses Denken nicht auf seine eigene Anpassung verzichten kann, wenn es um den Erfahrungsschatz der wissenschaftlichen Erkenntnis geht. Dass der umgekehrte Fall wahr sein könnte, ist eine andere Sache.
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