Wichtiger rechtlicher Hinweis
   
Kontakt   |   Suche   
FTE info logoMagazin für die europäische Forschung Nr. 50 - August 2006   
Top
 HOME
 INHALT
 EDITORIAL
 Nach wie vor gut in Schuss
 „Es gibt einiges zu kommunizieren...“
 Die Wissenschaft, Zeichen der Zeit
 Forschung, ein Wirkungsfeld für Philanthropen
 Fotis Kafatos: das Vorbild Mentors
 Es regt sich was in Sachen Biokraftstoffe
 Die Forscher und das Wohlbefinden der Tiere
 Der andere Blick auf das Mittelmeer
 HD69830 und seine drei Neptune
 WISSENSCHAFT VERBREITEN
 KURZINFOS
 PUBLIKATIONEN
 AGENDA

PDF herunterladen de en fr


VIEHZUCHT
Title  Abweichung, Umwelt und Genetik

Was ist mit ihnen los? Manche Hühner rupfen ihren Artgenossinnen die Federn aus, Schweine beißen sich gegenseitig die Schwänze ab, während Schafe die Wolle ihrer Gefährtinnen käuen. Lauter Probleme, denen Züchter begegnen. Die Untersuchung solchen Verhaltens – und Lösungen zu seiner Verhinderung – steht ebenfalls auf dem Programm des Projekts Welfare Quality.

Hühner ©ASG-Wur (NL) Hühner © C. Keppler (université de Cassel)
Von allen Nutztieren haben die Europäer am meisten Mitgefühl für das Los der Hühner. Enges Zusammenleben kann zu Aggressivität und Gewalttätigkeit zwischen den Vögeln führen. Dieses Bild zeigt ein Huhn, dem von einem anderen Huhn die Federn ausgerupft wurden.
© ASG-Wur (NL) - C. Keppler (université de Cassel)
Die meisten Formen abweichenden Verhaltens von Zuchttieren spielen sich über das Maul ab und können in hohem Grade gewalttätig sein. So finden die Hühnerzüchter, bei denen das feather-pecking um sich gegriffen hat, manchmal einen großen Teil ihrer Hühner „nackt“ vor, während das Schwanzbeißen (tail-biting) bei den Schweinen schwere Verletzungen, Infektionen und Stress hervorrufen kann.

Unter bestimmten Umständen kommt es vor, dass sich Schweine gegenseitig in den Schwanz beißen. Hier ein Test zum „gestörten“ Verhalten von Schweinen, der an der Universität Bristol (UK) durchgeführt wurde.©Poppy Statham
Unter bestimmten Umständen kommt es vor, dass sich Schweine gegenseitig in den Schwanz beißen. Hier ein Test zum „gestörten“ Verhalten von Schweinen, der an der Universität Bristol (UK) durchgeführt wurde.
© Poppy Statham
Warum kommt es zu diesem gestörten Verhalten? Eine Forschergruppe von Welfare Quality hat eine Versuchsandordnung entwickelt, um die Neigung der Schweine, sich in die Schwänze zu beißen (Kaudophagie), zu messen. Herkömmlicherweise wurde dieses Phänomen an einem Tier beobachtet, indem man einen Köder (gewöhnlich ein Seilstück) an einer Wand befestigte und beobachtete, ob dieses angeknabbert wurde oder nicht. Diese Anordnung wurde verbessert, indem der Köder an einem Körper befestigt wurde, der von verschiedenen Seiten angegangen werden konnte und somit erlaubte, eine Gruppe von Tieren (zehn scheint eine ideale Zahl zu sein) zu testen. Ein isoliertes Tier hat offensichtlich nicht dasselbe Verhalten wie eines, das von Artgenossen umgeben ist.

Doch was lässt sich gegen diese Gewohnheit unternehmen? Manche Arbeiten legen nahe, dass das Einstreuen von frischem Heu oder anderen Materialien, die eine orale Beschäftigung erlauben, bei Ferkeln das spätere Auftreten des Schwanzbeißens drastisch reduziert. Diese Hypothese wird von den ForscherInnen überprüft, und sie werden untersuchen, in welchen Lebensabschnitten die Bereitstellung von Heu sich am günstigsten auswirkt. Ziel ist es, den Züchtern wirkungsvolle „Leitlinien“ an die Hand zu geben.

Die genetische Komponente soll ebenfalls genauer untersucht werden. Die Blutsverwandtschaft ist bei Mastschweinen, die gewöhnlich aufgrund von produktiven Kriterien, insbesondere des schnellen Wachstums, selektioniert werden, oft sehr eng. Es ist möglich, dass das Fehlverhalten durch diese Praktiken verstärkt wird und sich durch eine bessere Wahl der für die Zucht verwendeten Tiere vermindern ließe.

Andere Problemtypen können ebenfalls eine genetische Komponente haben. Das ungewöhnlich ängstliche Verhalten von Tieren kann seinen Grund beispielsweise in einer stressenden, lärmigen Umgebung oder in untauglichen Praktiken des Züchters haben, aber dieses Charaktermerkmal lässt sich auch durch Vererbung erklären und könnte somit ebenfalls weitgehend durch die Zuchtwahl beeinflusst werden.    

    
  Top

MEHR WISSEN

KONTAKTE