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FTE info logoMagazin für die europäische Forschung Nr. 50 - August 2006   
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 Nach wie vor gut in Schuss
 „Es gibt einiges zu kommunizieren...“
 Die Wissenschaft, Zeichen der Zeit
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 Fotis Kafatos: das Vorbild Mentors
 Es regt sich was in Sachen Biokraftstoffe
 Die Forscher und das Wohlbefinden der Tiere
 Abweichung, Umwelt und Genetik
 HD69830 und seine drei Neptune
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GEISTESWISSENSCHAFTEN
Title  Der andere Blick auf das Mittelmeer

Im Anschluss an die im Projekt Représentations und dem Netz Remsh begonnenen Arbeiten vereint das Exzellenznetz Ramses2 Geisteswissenschaftler aus sechzehn Ländern der Euro-Mittelmeer-Region. Diese fokussieren ihre Arbeit auf drei Themen: Erinnerungen, Konflikte und Austausch.

Der andere Blick auf das Mittelmeer
Ein Forscher und ein Schriftsteller schreiben jeder für sich einen kurzen Text. Diese eher ungewohnten Teams rekrutieren sich aus zehn Ländern (Marokko, Tunesien, Ägypten, Libanon, Türkei, Griechenland, Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland). Ergebnis sind zehn Arbeiten, die in einem Schieber unter dem Titel Représentations de la Méditerranée (Abbildungen des Mittelmeers) gesammelt sind. „Das Mittelmeer ist nicht lediglich eine geographische Evidenz, sondern auch ein symbolisches Territorium. Die Schriftsteller steuerten Einwürfe aus einer Phantasiewelt bei. Die Forscher untersuchten, wie das Mittelmeer in der politischen und kulturellen Geschichte eines jeden ihrer Länder repräsentiert ist“, erklärt Thierry Fabre vom Maison Méditerranéenne des Sciences de l'Homme (Mediterranes Haus der Humanwissenschaften) in Aix-en-Provence (FR), Koordinator des Projekts Représentations (1998) und der darauf folgenden Forschungen.

Remsh eröffnet neue Wege
Im Jahr 2003 war die Reihe an Remsh (Réseaux, Echanges et Conflits dans l'Espace Méditerranéen – Netze, Austausch und Konflikte im Mittelmeerraum). Dieses vom Fünften Rahmenprogramm unterstützte thematische Netz fasste 13 europäische geisteswissenschaftliche Forschungszentren, die auf den gesamten Euro-Mittelmeerraum spezialisiert sind, zusammen. Acht Länder sind darin vertreten: Frankreich, Deutschland, das Vereinigte Königreich, Spanien, Italien, Griechenland, die Niederlande und die Schweiz. Ziel der Partner war insbesondere, eine Bestandsaufnahme der sozialwissenschaftlichen Forschung in diesem Bereich zu machen. „Sichtbarster“ Teil ihrer Zusammenarbeit sind die Gründung von Bibmed (Bibliothek des Mittelmeers – siehe Kasten) und mehrere Publikationen.

Es ist das Verdienst der Partner von Remsh, dass sie die Grenzen des klassischen geisteswissenschaftlichen Ansatzes vieler Mittelmeerstudien, die zu eng fachbezogen sind und daher kaum Brückenschläge zulassen, aufgezeigt haben. So unterscheiden Historiker oft systematisch zwischen dem europäischen und dem islamischen Mittelmeerrand. Die Geographen (mit Ausnahme der Deutschen) versuchen, die Regionen durch die Einführung von Kriterien – sei es der Homogenität oder der Heterogenität – zu begrenzen. Die Politologen studieren Untereinheiten, die jeweils in einer gemeinsamen Kultur oder Geschichte begründet sind.

Die ForscherInnen haben auch die Enge der ethnozentrischen Ansätze hinter sich gelassen, die, wie offen der Geist ihrer Vertreter auch sein mag, notwendigerweise einen an Raum und Zeit gebundenen Standpunkt reflektieren. „In diesem Universum, das Mittelmeer genannt wird, haben die Völker nicht dieselbe Geschichte, dieselben Prioritäten, dieselben Ansprüche. Dieselben historischen Schocks (insbesondere die Kolonisierung) äußern sich sehr unterschiedlich, je nachdem, ob man sich auf europäischer Seite (Frankreich, Spanien, Italien) befindet, wo das lateinische Mittelmeer im Vordergrund steht – das einufrige Mittelmeer, Bezugspunkt und Legitimationsbasis des kolonialen Vorhabens – oder auf der Seite des Maghreb."(1) Die Partner von Remsh haben daher in einen höheren Gang geschaltet und Ramses2 lanciert.

Erinnerungen, Konflikte, Austausch
Ramses2 führt 33 Forschungseinrichtungen aus EU-Mitgliedstaaten und sieben nicht europäischen Mittelmeer-Partnerländern zusammen. Das Exzellenznetz setzt auf Multidisziplinarität (Soziologie, Ethnologie, politische Wissenschaft, internationale Beziehungen, Geschichte, Geographie, Archäologie, Analyse alter Texte usw.), um die drei von Remsh vorgezeichneten großen Hauptstränge der Forschungsarbeit – Erinnerungen, Konflikte und Austausch – mit einem erweiterten Ansatz fortzuführen.

Die Weltkarte des arabischen Geographen al-Idrîsî. © Bodleian Library - Oxford
Die Weltkarte des arabischen Geographen al-Idrîsî, der Mitte des 12. Jahrhunderts am Hofe des Normannenkönigs Rüdiger II. von Sizilien lebte, ist nach Süden gerichtet, das Land des Islams in der Mitte. Eine andere Weise, das Mittelmeer zu sehen.
© Bodleian Library - Oxford
Erinnerungen, weil „das Mittelmeer einen Raum gleichzeitiger und sich überlagernder Zivilisationen bildet, dessen Einzigartigkeit in einer reichen Kombination von Auseinandersetzungen, Konvergenzen und wechselseitiger Beeinflussungen liegt“, ist in der Projektpräsentation zu lesen. Das gemeinsame Gedächtnis beziehungsweise die Erinnerungen haben einen vertrauten Klang, der sich an einer gleichartigen Umwelt, einer Tradition von Nachbarschaft und Verkehr, an Ähnlichkeiten und Bedürfnissen, seine Andersartigkeit hervorzuheben, festmacht.

Konflikte, weil das Mittelmeer „heute eine der wichtigsten Spannungszonen der Welt und von vielfältigen Frakturen durchzogen ist – politischen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und religiösen“. In den Augen der Projektpartner wird der Begriff des von Samuel Huntington geprägten clash of civilisations, der Islam und Abendland zueinander in Gegensatz stellt, dem Mittelmeer als vermittelndem Raum nicht gerecht. „Das Ziel unserer Forschungsarbeiten über die Beziehungen zwischen Europa und der mediterranen Welt ist es gerade, diesen mehr ideologischen als wissenschaftlichen Dualismus hinter uns zu lassen und Studien über die kulturellen und politischen Interaktionen im Euro-Med-Raum zu erarbeiten.“

Austausch hingegen erscheint in diesem Raum, der sich seit der frühesten Antike durch intensive Verkehrsbeziehungen (insbesondere für den Handel) und Durchmischungen auszeichnet, als auf der Hand liegendes Thema. Das Auftauchen grenzübergreifender Gemeinschaften und Kulturen ist kein neues Phänomen. Sie überdauern und treten in einer Einzigartigkeit auf, deren Modalitäten es zu ergründen gilt.

„Diese drei Forschungsstränge erlauben uns, für das Mittelmeer relevante Untersuchungsbereiche festzulegen. Diese Arbeit war in Remsh in die Wege geleitet worden; der große Unterschied liegt jedoch darin, dass wir nicht mehr ein europäisches, sondern ein euro-mediterranes Netz sind, das auch Partner aus dem Süden und Osten des Mittelmeers umfasst. Dieser Ansatz ist sehr innovativ, da er andere Blickwinkel als den der Europäer einbezieht, was offensichtlich das ganze Gefüge verschiebt. Die Forscherinnen und Forscher sind durch ihre Kultur und ihre Denktraditionen geprägt; ein derartiges Netz erlaubt somit, den Blickwinkel zu erweitern und andere Handlungsweisen einzuordnen. Man spricht anders über die Konflikte, Grenzen oder Erinnerungen, je nachdem, ob man in Alexandrien, Algier, Paris oder Berlin sitzt.“

(1) Sämtliche Zitate stammen von Thierry Fabre.


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  Bibmed, virtuell und greifbar

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      Bibmed, virtuell und greifbar

    Bibmed, die Bibliothek des Mittelmeers, wurde vom Netz Remsh begonnen und im Rahmen von Ramses2 weiter ausgebaut. Sie vereint an einem Standort die bibliographischen Angaben (Bibliothekennetz, Websites, Online-Dokumente usw.), die sowohl für Forscher und Studierende als auch für die Öffentlichkeit von Interesse sein könnten. Die Dokumente sind in verschiedenen Sprachen verfügbar, insbesondere auch auf Arabisch.

    Die erfassten Dokumente betreffen sämtliche Geisteswissenschaften, und die Quellen reichen von der Antike bis auf den heutigen Tag. Bibmed gliedert sich in die drei von den Projekten Remsh und Ramses2 vorgegebenen thematischen Kategorien: Erinnerungen, Konflikte und Austausch. Diese Stränge umfassen in Wirklichkeit eine grenzenlose Vielfalt von Unterthemen (Diaspora, Frauen in der Gesellschaft, Medien, Schattenwirtschaft, Städtebau usw.)

    Die virtuelle Bibliothek enthält drei „Stockwerke“. Das erste (SiteMed und Docmed) ermittelt die Online-Ressourcenzentren und stellt den Korpus der bibliographischen und dokumentarischen Informationen dar. Das zweite (Bibmed) erstellt eine Datenbank mit bibliographischen Angaben und gibt Zugang zu Zeitschriften, die im Internet verfügbar sind. Das dritte enthält bibliographische Zusammenfassungen zum Stand des Wissens. 

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    Lesestoff

    • Thierry Fabre und Robert Ilbert, Les représentations de la Méditerranée, Schieber mit zehn Heften, Maisonneuve Larose, Paris, 2000 – auf Französisch, Italienisch und Arabisch erhältlich.
    • Les défis et les peurs. Entre Europe et Méditerranée. Herausgeber Paul Sant Cassia und Thierry Fabre, Editions Actes Sud, 2005
    • Paix et guerre entre les cultures. Entre Europe et Méditerranée. Herausgeber Emilio La Parra und Thierry Fabre, Editions Actes Sud, 2005
    • Paul Sant Cassia und Isabel Schäfer, Mediterranean Conundrums: Pluridisciplinary perspectives for research in the social sciences, History and Anthropology, Vol. 16 Nr. 1/März 2005, Routledge

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