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FTE info logoMagazin für die europäische Forschung N° 46 - August 2005   
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WISSENSCHAFT VERBREITEN Ausdruckbare Version


CER 2005 - Auf Wiedersehen im November…

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„Behandeln” die JournalistInnen die Wissenschaft richtig? Müssen die ForscherInnen in die Niederungen der Straße hinabsteigen? Wie weit kann man popularisieren? Was geschieht hinter den Kulissen der Museen? Wie soll man sich die Wissenschaft im Rundfunk, im Fernsehen, im Internet, in der Schule vorstellen? Erlauben die Wissenschaftscafés eine echte Diskussion? Worin unterscheidet sich Kommunikation von Information? Scheuen die Forscher die Öffentlichkeit? Ist die Forschung der Öffentlichkeit gleichgültig?

Das nächste CER- (Communicate European Research) Treffen scheut weder direkte Fragen noch offene Diskussionen. Dieser Ansatz stieß bereits 2004, anlässlich seiner „Taufe”, auf großen Anklang. Die zweite Ausgabe am kommenden 14. und 15. November in Brüssel wird den Wissenschafts- und Kommunikationsspezialisten erlauben, durch Debatten, Vorträge und die Präsentation von Success stories, bei informelleren Begegnungen oder themenzentrierten Arbeitssitzungen miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die europäische Forschung wird das Thema einer Ausstellung sein, die den Fokus auf unterschiedliche Typen von Wissenschaftskommunikation richtet. Des Weiteren wird ein Teilnehmerforum diesen die Gelegenheit bieten, eigene Initiativen (runde Tische, Workshops, gesellige Veranstaltungen usw.) zu verwirklichen. An beiden Tagen stehen mehrere Pressekonferenzen auf dem Programm. Den Abschluss des Treffens bildet eine Präsentation des Siebten Forschungsrahmenprogramms (2007-2013).

Museen - „Die Wissenschaftszentren werden um ihrer Fähigkeit willen geschätzt, das Interesse der Jugend durch spielerische Aktivitäten zu gewinnen – mit der Folge, dass unsere Tätigkeit ausschließlich unter diesem Gesichtspunkt wahrgenommen wird. Doch in vielen unserer Einrichtungen arbeiten Hunderte von Wissenschaftlern unmittelbar für die Forschung. Andererseits finden unsere Tätigkeiten sehr häufig nachhaltigen Niederschlag in der Presse, und wir zeichnen verantwortlich für bestimmte Medienveranstaltungen. Die Museen und Wissenschaftszentren sind sehr viel mehr als Spielplätze. Sie sind echte potenzielle Partner bei der Kommunikation der Wissenschaft.„ Walter Staveloz - Ecsite (European network of science centers and museums)

Anderswo - „Die Präsentation der Wissenschaft auf der Straße holt diese aus den Einrichtungen und Museen heraus, um den Dialog auf „neutralem Boden” aufzunehmen, dort, wo die Leute leben. Fußgängerpassagen, Einkaufszentren und vielleicht sogar Gefängnisse sind volksnahe Räume, in denen die Wissenschaftler ein völlig neues Publikum finden.„ Mikkel Bohm - Euscea (European science events association)

Mitteilen - „Die Wissensgesellschaft entsteht nicht von selbst. Diejenigen, die über Wissen verfügen, müssen ihre Vorstellung des Verständnisses der Natur und der menschlichen Tätigkeiten mitteilen, andernfalls finden sie sich isoliert in einem Elfenbeinturm wieder, ohne viel Unterstützung der Gesellschaft oder Beziehung zu ihr.„ Jens Degett - Euroscience

Schulen - „Initiativen, die sich an Schüler, Studierende und Lehrkräfte wenden, können die Jugendlichen motivieren, eine wissenschaftliche Karriere einzuschlagen. Der Erfolg von ‚Physics on Stage’, des von EIROforum inszenierten Theaterstücks, hat den Nutzen einer Zusammenführung der Akteure von Wissenschaft und Bildungswesen in einem grenzübergreifenden Dialog klar demonstriert.„ Silke Schumacher - EMBL (European Molecular Biology Laboratory)

Rundfunk - „Sind die Schallwellen oder andere Audiotechnologien der beste Ort, um eine reife Beziehung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft entstehen zu lassen? Was kennzeichnet eine gute Wissenschaftsgeschichte für den Rundfunk? Stellt die Sprache ein echtes Hindernis für die Kommunikation der europäischen Forschung dar? Unser Projekt versucht, den Stellenwert der Wissenschaft in den Sendungen zu untersuchen und ihre Auswirkungen auf die Hörerschaft zu evaluieren.„ Elisabetta Tola - Scirab (Science in Radio Broadcasting)

Fernsehen - „Warum sollte es mehr Wissenschaftsprogramme geben im Fernsehen? Weil Wissenschaft und Forschung eine öffentliche soziale Funktion erfüllen. Sie sind wichtig für jeden von uns, für unsere Gesellschaft, unser Wohlbefinden, unsere Wirtschaftsentwicklung und den technischen Fortschritt. Und weil Wissenschaft und Forschung sowohl Nutzen als auch Risiken bergen. Wir müssen folglich informiert sein.„ Laura Longobardi - UER (Union européenne de radio-télévision)

Kultur - „Wir stehen am Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft, in der der Zugang zu Information und Kultur entscheidend ist. Effektiv leiden unser Bildungssystem und unsere Medien jedoch an einem Mangel an intellektueller Reflexion und kontextueller Verankerung. Wir brauchen mehr ausgebildete Leute mit der Fähigkeit zu kritischem, strukturiertem Denken, doch unsere Medien vermitteln einen kurzatmigen Denk- und Lebensstil. Wie verändern das Internet und die übrigen neuen Informationstechnologien die herkömmliche Art und Weise, wissenschaftliche Neuigkeiten zu verbreiten? Können wir die Wissenschaft durch SMS vermitteln?„ Vladimir de Semir - Vorsitzender des PCST (International Network on Public Communication of Science and Technology)

Fragen rund um Nano

Nano Ring © Ghim Wei Ho-Mark Welland
Nano Ring
© Ghim Wei Ho-Mark Welland
Ein Haar hat eine Dicke von rund 80 000 Nanometer. Ein Nanometer entspricht einem Millionstelmillimeter. Dieser Maßstab des unendlich Kleinen findet heute in zahlreichen Technologien in Bereichen wie der Medizin, der Physik, der Chemie oder der Ingenieurwissenschaften Verwendung. Dank der „Nano” dürften sich insbesondere Fortschritte bei der Krebstherapie oder der Rechnerleistung und Geschwindigkeit von Computern erzielen lassen. Eine europäische Umfrage und die Organisation einer Debatte zwischen Wissenschaftlern und Bürgern in London zeigen, dass die Fachwelt bereit ist, hinzuhören und über diese Welt der Winzlinge zu informieren.

Nanoforum…
Nanotechnologien und Nanowissenschaften (N&N) – mit welchen Auswirkungen ist zu rechnen? Wo steht diesbezüglich Europa? Braucht es wie bei der biowissenschaftlichen Forschung Verhaltenskodizes und ethische Sicherheitsnetze? Die Organisation Nanoforum hat in Zusammenarbeit mit der Kommission eine große Online-Umfrage (720 Antworten aus 32 europäischen Ländern) durchgeführt. Befragt wurden ForscherInnen, JournalistInnen, Lehrkräfte und Akteure aus der Industrie. Manche Antworten waren ein deutliches „Ja”. Die Nanotechnologien werden sich in den nächsten zehn Jahren auf die europäische Industrie und auf die Bürgerinnen und Bürger auswirken (90 % bzw. 80 % Zustimmung). Europa könnte sich mit einem Mangel an ForscherInnen in diesen Fachgebieten, die überdies interdisziplinäre Ansätze und Kenntnisse erfordern, konfrontiert sehen (90 %). Die Zusammenarbeit mit Industrieländern (96 %) – und auch Entwicklungsländern (76 %) – ist wichtig, und ein internationaler Verhaltenskodex würde begrüßt (87 %). 79 % der Befragten finden überdies, dass die FuE in diesem Bereich eine starke finanzielle Unterstützung durch die Forschungsrahmenprogramme erhalten sollte, zumal Europa als „weit hinter” den Vereinigten Staaten liegend wahrgenommen wird (76 %).

Die vollständige Erhebung kann online im Bericht Outcome of the Open Consultation on the European Strategy for Nanotechnology auf der Website des Nanoforum konsultiert werden.

… und Nano-Jury
Bucky Earth © Chris Ewels
Bucky Earth
© Chris Ewels
Doch wer beherrscht diese Nanowelt wirklich, und wohin führt sie uns? Im Jahr 2003 gab die britische Regierung eine Studie über die Entwicklung der Nanotechnologie und die neuen ethischen, Sicherheits-, Gesundheits- und sozialen Fragen, die sich daraus ergeben könnten und von der bestehenden Gesetzgebung nicht erfasst werden, in Auftrag. Diese Debatte bewegt die britische Wissenschaftlergemeinde, die alles daran setzt, ihre Forschungen und Herausforderungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Wir haben die Lehren aus anderen Bereichen, etwa den gentechnisch veränderten Organismen (GVO), gezogen, wo Wissenschaft, Anwender und Öffentlichkeit losgelöst voneinander agierten”, bemerkte Mark Welland, Professor für Nanotechnologie an der Universität Cambridge, in einem Gespräch mit der Tageszeitung The Guardian.

Mark Welland ist Mitglied der Nano-Jury, die nächsten September in London in Aktion tritt. Während fünf Wochen wird eine Anzahl Fachleute sich die Kommentare, Befürchtungen, Empfehlungen und Fragen von rund zwanzig Nicht-Spezialisten anhören und mit ihnen in ungezwungenen Gesprächen über die Möglichkeiten und die Zukunft der Nanotechnologie diskutieren. Diese Bürgerinnen und Bürger, die sich um die Teilnahme an dieser Bürgerdiskussion bewarben, fühlen sich vom Thema betroffen. Über die Reflexion hinaus sollte sich dieser Dialog zwischen Öffentlichkeit und Wissenschaft auch in den Forschungsansätzen niederschlagen. Mark Welland: „Über die letztendlich befürwortende oder ablehnende Antwort der Jury hinaus liegt der Wert dieser Erfahrung darin, zu lernen, dass Wissenschaft und Technologie das Verständnis, das die Öffentlichkeit von ihnen hat, bei ihrem Entwurf einer verantwortlichen Zukunft mitberücksichtigen müssen.”

Dem YEBN beitreten

Einige Mitglieder des YEBN auf der Konferenz Wissenschaft und Gesellschaft, die letzten März von der GD Forschung in Brüssel ausgerichtet wurde.
Einige Mitglieder des YEBN auf der Konferenz Wissenschaft und Gesellschaft, die letzten März von der GD Forschung in Brüssel ausgerichtet wurde.
Die Idee tauchte im Jahr 2001 auf dem Salon Biotechnica in Hannover auf. Ihr Ziel: Brücken zwischen all jenen zu schlagen, die im Bereich der Biowissenschaften arbeiten. Seither ist das Young European Biotech Network (YEBN) ein virtueller Raum, der mit sehr konkreten, großtenteils von den Mitgliedern des Netzes gelieferten Daten angefüllt ist: neueste Entdeckungen und Informationen, nützliche Links, Literaturhinweise, Stellenangebote usw. Dieser in nationale Sektionen aufgeteilten Vereinigung anzugehören bedeutet, an Konferenzen, Ausstellungen und Gruppengesprächen teilzunehmen und andere passionierte Forscher kennen zu lernen. Die sehr dynamischen YEBN tauchen überall dort auf, wo die Biotechnologie vorgestellt und diskutiert werden könnte – beispielsweise auf der letzten Konferenz Wissenschaft und Gesellschaft, die die GD Forschung organisiert hat, oder auf den Biotechnologie-Tagen in Lissabon Anfang Juni. Das Netzwerk, das auf der Basis von Freiwilligkeit und mit Eigenmitteln funktioniert, ist eine Zweigorganisation der EFB (European Federation of Biotechnology). Es ist somit vor allem für die angewandten Wissenschaften und Forschungsmöglichkeiten in der Industrie von Interesse. „Einem Netz anzugehören ist von kapitaler Bedeutung, nicht nur für Karriere und Information, sondern manchmal auch für den Spaß” lautet die Botschaft an die Adresse der potenziellen Mitglieder.

Sophie K. auf den Brettern von Avignon

Sophie K. auf den Brettern von Avignon
„Es wäre eine große Versuchung zu sagen, dass Harvard-Präsident Larry Summers und sein Ausrutscher über die Unfähigkeit des weiblichen Gehirns, Mathematik zu betreiben, uns auf die Idee gebracht hatte, Sophia Kovalevskaja ein Theaterstück zu widmen”, bemerkt Jean-François Peyret, Koordinator und Regisseur von Le cas de Sophie K, das dieses Jahr auf dem berühmten Festival von Avignon (FR) aufgeführt wurde. Die Mathematikerin, die mitten im 19. Jahrhundert für die Gleichberechtigung der Frauen kämpfte, musste sich ihren Zugang zum Mathematikunterricht zu einer Zeit, als die Pforten der Universitäten für Frauen verschlossen waren, erstreiten. Sie arbeitete außerhalb der Hörsäle mit bekannten Mathematikern zusammen; sie stürzte sich in die Forschung über die Abelschen Integralen und veröffentliche eine Studie über die Bewegung der Körper um einen festen Punkt, für die sie 1888 mit dem Preis der Pariser Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet wurde. Sie war die erste Frau, die an einer Universität – der von Stockholm – einen Lehrstuhl für Mathematik erhielt. Für Sophie K. begann danach ein Leben im Eilzugstempo; sie interessierte sich für die Welt, die sie viel zu jung verlassen musste, erlebte die Kommune von Paris und schrieb einen Roman (Eine Nihilistin).

„Unser Interesse ist nicht nur ein historisches, sondern es ging uns auch darum, das Erbe Sophies zu untersuchen und zu erfahren, was heutige Wissenschaftler damit anfangen können”, fährt Peyret fort. Daher wird das Stück im Beisein von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aufgeführt – und mit ihrer Beteiligung, um mehr Fragestoff zu erhalten.

Das Stück wird von der GD Forschung im Rahmen des Programms Researchers in Europe 2005 unterstützt.

Sterngucker, auf die Plätze

Sonne, Mond und Planeten, Asteroiden, Geburt und Tod von Sternen, Galaxien... Fünf große Themen stehen Amateurastronomen, die am Wettbewerb Skywatch teilnehmen möchten, zur Wahl. Die TeilnehmerInnen werden in drei Gruppen unterteilt: unter 15-Jährige, 15- bis 18-Jährige und Erwachsene. Allein oder (maximal) zu zweit entwickelte Projekte sind vor dem 30. September einzusenden. Der Wettbewerb läuft in drei Stufen ab. Auf der ersten nutzen die Wettbewerber Daten, die die Sternwarten des Skywatch-Netzes gespeichert haben, um ein kurzes Projekt zum Thema ihrer Wahl zu entwickeln (ein Beispiel, das die Galaxien behandelt, ist auf der Website einsehbar). In einem ersten Wahlgang werden je Gruppe zehn Projekte ausgewählt. Auf der zweiten Stufe verfeinern die Teilnehmer ihre Arbeit, indem sie insbesondere auch die variablen Parameter (Klimabedingungen, Sichtbarkeitsgrad der Himmelskörper), die die astronomischen Beobachtungen beeinflussen, berücksichtigen. Zu diesem Zweck könne die dreißig Ausgewählten die Durchführung von Beobachtungen durch das SkyWatch Network of Robotic Telescopes verlangen.

Aufgrund dieser zwei Arbeitsstufen wird die Jury die drei Preisträger küren. Als große Belohnung winkt diesen passionierten Sternguckern die Möglichkeit, während eines Jahres Zugang zu den Einrichtungen des Teleskops von Liverpool (UK) zu erhalten. Die Preisverleihung findet während der Europäischen Wissenschaftswoche vom 21. bis 25. November statt.

Die Nacht des 23. September

Diese Nacht wird die Nacht der europäischen Forscherinnen und Forscher sein. In ganz Europa werden sie auf der Straße, in Wissenschaftscafés, im Theater, in Museen und Kinos auf ihr Publikum zugehen. All diese Veranstaltungen, die sich insbesondere an die Jugend wenden, werden ein gewisses festliches Extra bieten. Denn die Wissenschaft ist eine begeisternde Tätigkeit, und diejenigen, die sie ausüben, sind keine in irgendwelchen Laborghettos hausenden Eremiten.

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