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FTE info logoMagazin für die europäische Forschung N° 45 - Mai 2005    
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 INHALT
 EDITORIAL
 Die Logik des „Sprungs nach vorne“
 Die Umrisse des Siebten Rahmenprogramms 
 Östlicher Vorposten des Europäischen Forschungsraums
 Landwirtschaftliche Tradition
 Geburt einer von Europa aufgepeppten Forschung
 Out of Africa
 Die Campylobakterien unter der Lupe
 Rendezvous mit fernen Welten
 Aus der Haft entlassen, ins Nichts entlassen?
 Forschung im Schaufenster
 KURZINFOS
 PUBLIKATIONEN
 AGENDA
 STANDPUNKT
 LESERBRIEF
 AUSSCHREIBUNGEN

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WISSENSCHAFT VERBREITEN Ausdruckbare Version


Corvajas Blick

Corvajas Blick
Gesichter, Landschaften, Schnappschüsse aus einer Menschenmasse, Bäume und Städte... An solche Motive haben uns die Fotografen gewöhnt. Ganz anders verhält es sich mit dem Italofranzosen Stéphane Corvaja, der sich seit seiner Kindheit für den Weltraum und die mit seiner Erkundung verbundenen „Maschinen“ begeistert. Alles begann, als er, eher zufällig, einen Film und Fotos über die Apollo-Mission sah. „Ich war sieben Jahre alt und es war ein echter Schock.“ Corvaja war fasziniert von der unendlichen Weite des Kosmos und dem Willen der Menschen, sich dort hinaus zu wagen und ihn zu verstehen. Corvaja wurde Fotograf und begann 1989 in Kourou im Bilderdienst des guayanischen Weltraumzentrums zu arbeiten. Es war eine hektische Zeit für Ariane – acht Missionen pro Jahr und jedes Mal mehr als 3000 Fotos. Corvaja weiß, wie sehr sich diese Starts gleichen und welche Tricks man finden muss, um jedes Mal von neuem diesen doch einmaligen Moment in Szene zu setzen. Ein Winkel, ein Lichteinfall... Mit den Sicherheitsdiensten verhandeln, um im richtigen Moment an der richtigen Stelle zu stehen: „Man muss immer auf der Lauer liegen und jede Gelegenheit nutzen, um das ‚besondere’ Bild zu erwischen. Man muss geduldig sein. Wenn ein Ereignis vorgesehen ist, muss man vorher dort sein und länger bleiben, sonst verpasst man Vieles.“

Corvaja, Leiter des Fotodienstes der ESA, hat kürzlich die drei ersten Preise in der Kategorie Weltraum erhalten, die das amerikanische Magazin Avion week & Space für die besten Fotos 2004 verleiht. Das eindrucksvollste unter ihnen: die verheißungsvolle  Senkrechte der Startrakete von Rosetta.

Im Süden der Forschung

Promastigotes Stadium der Leishmania © IRD/Christian Bellec
Promastigotes Stadium der Leishmania
© IRD/Christian Bellec
Forschung, Expertisen, Ausbildung. Diese drei Aufgaben des Forschungsinstituts für Entwicklung (IRD) machen diese französische Einrichtung zu einem bevorzugten Partner für Länder der Südhalbkugel, aber auch zu einem „Mittler“, der den Lehrern, Forschern sowie der breiten Öffentlichkeit zu einem besseren Verständnis dieser Regionen verhilft. Das IRD stellt beispielsweise Lehrkräften pädagogische Dossiers zur Verfügung, die einen Überblick über wissenschaftliche, für einen großen Teil der Welt relevante Probleme geben: vulkanische Aktivität, Süßwasserressourcen, neu auftauchende Virenkrankheiten usw.

Andere Themen führen verschiedene Weltregionen zusammen, etwa die „Bestandsaufnahme von 19 Metropolen“, die städtebauliche Phänomene (Architektur, Mentalität der Bewohner, öffentliche Politik, Segregation usw.) so unterschiedlicher Städte wie Sao Paulo oder Moskau, Paris oder Delhi, Montreal oder Johannesburg zu verstehen hilft. Das IRD bietet auch themenzentrierte, umfassende wissenschaftliche Merkblätter an, in denen die neuesten Forschungen über Phänomene, die vor allem Entwicklungsländer betreffen, dargelegt werden. Zum Beispiel die Leishmaniasen, eine Gruppe von Parasitenkrankheiten, die jedes Jahr eine halbe Million Menschen befallen und Krankenhausbehandlungen erfordern, die in den meisten Regionen, in denen sie wüten, schwer durchzuführen sind. Neue ethnopharmakologische Forschungen, die insbesondere von Wissenschaftlern des CNRS (FR) und den Forschern des IRD in Südamerika durchgeführt wurden, wecken große Hoffnungen.

Des Weiteren hat IRD die Website Sida@pilote eingerichtet, die sich an Jugendliche und junge Erwachsene von 15 bis 25 Jahren wendet. Auf dieser Site können sie Antworten auf ihre Fragen finden. Sie erfahren dort mehr über den Stand der Forschung, können aber auch Informationen und praktische Verfahren darüber austauschen. Von ihrem Anfangsthema ausgehend, mündete die Site rasch in Fragen über die Umwelt, die Armutskrankheiten und die Mittel zur Bekämpfung dieser Krankheiten.

Nicht zuletzt veröffentlicht IRD auch eine zweimonatlich erscheinende Zeitschrift, Sciences au sud, in der die wichtigsten Forschungsarbeiten des Instituts in klarer, leserfreundlicher Sprache für Laien aufbereitet werden.

  • Sie möchten mehr wissen?
    Zweisprachige, französisch-englische Site, die große Mehrheit der Dokumente wird allerdings auf Französisch veröffentlicht.

Ein Wörterbuch der Wissenschaftskultur

7000 Artikel, 5000 Kurzeinträge, 2000 Biografien, Hunderte von Illustrationen, die Übersetzung aller Begriffe ins Englische und ein interaktiver Ansatz, der Sie von einem Wort zum anderen führt, mit einer Vielzahl von Links für die weitere Vertiefung.

Das Dictionnaire interactif des sciences et des techniques (Interaktives Wörterbuch der Wissenschaft und Technik) richtet sich in erster Linie an Mittelschüler und Studierende, bietet aber auch „Berufspraktikern“ und der „breiten Öffentlichkeit“ (Wissenschaftskultur) Zugriffsmöglichkeiten. Es wird vom Verlag éditions de l'Analogie herausgegeben und ist auf CD-Rom (68 €) sowie auf Internet im Jahresabonnement (25 €) verfügbar. Der Kauf der CD-Rom geht einher mit einer Einschreibung für persönliche Online-Dienste.

Dieses Wörterbuch „entstand aus dem Willen, die von Paul Robert in dem nach ihm benannten Wörterbuch der französischen Sprache entwickelte Methode formaler oder begrifflicher Entsprechungen auf den Bereich der Wissenschaft und Technik anzuwenden. Diese Methode besteht darin, Ideenverbindungen oder Analogien zu nutzen, um die Artikel zu bereichern und sie untereinander in Beziehung zu setzen.“ Von einem Begriff ausgehend, erlaubt sie, diesen in einen weiteren Kontext zu stellen und der wissenschaftlichen Erkenntnis eine echt kulturelle Dimension zu verleihen.

Brennstoff aus der Küche

Recycling von Speiseöl – in einem Motor.
Recycling von Speiseöl – in einem Motor.
In Valencia (ES) fährt jeder zweite Stadtbus (von insgesamt 200) mit gebrauchtem Speiseöl. Diese Innovation ist Teil des europäischen Projekts Ecobus, das vom Programm Life-Umwelt unterstützt wird. Ein System zur Einsammlung gebrauchten Pflanzenöls ist in 600 Einrichtungen: 528 Cafés, Restaurants und Kantinen, 43 Hotels, 30 Schulen und Krankenhäusern im Einsatz. All diese mit einem Ecobus-Zeichen ausgewiesenen „Geber“ erhalten einen besonderen Container. Das Speiseöl wird in einer Verarbeitungsanlage aufbereitet und mit einem Anteil von 5 bis 30 % der Diesel-/Biodieselmischung beigefügt. Die verschiedenen Emissionen (CO, CO2, HG, NOx usw.) und die Leistung dieser Busse unterliegen regelmäßigen, sehr strengen Kontrollen. Dieses Pilotprojekt wird unter drei Blickpunkten wissenschaftlich verfolgt: Umwelteffekt, Kosten und Rentabilität.

Der Erfolg dieser Maßnahme ist weit gehend einer ansprechenden Sensibilisierungskampagne bei den Stadtbewohnern zuzuschreiben. Ihr mitreißender Slogan lautete: „Brauchöle sind komBUStibel“. In den Schulen fanden Informationsveranstaltungen statt, in den Busunterständen wurden Plakate ausgehängt, dekorierte Ökobusse fuhren durch die Stadt und Ausstellungen erklärten den Nutzen dieser ganzen Aktion. All dies führte zu einer raschen Einwilligung der potenziellen „Geber“ und erlaubte, viel mehr Brennstoff als erwartet einzusammeln.

Die Promotoren des Projekts haben ihre Ziele über Valencia hinaus gesteckt. Was sich hier als Erfolg erwiesen hat, kann auch anderswo funktionieren, insbesondere in den Mittelmeerländern, wo pflanzliches Öl zur kulinarischen Tradition gehört.

Einstein oder das Abenteuer der Erkenntnis

Albert Einstein mit Oskar von Miller, dem Gründer des Deutschen Museums, Berlin, 1930
Albert Einstein mit Oskar von Miller, dem Gründer des Deutschen Museums, Berlin, 1930
2005, das Weltjahr der Physik, feiert auch den hundertsten Jahrestag des „Wunderjahrs“ (annus mirabilis), in dessen Verlauf Albert Einstein vier wichtige Artikel veröffentlichte. Der erste (dem er 1921 den Nobelpreis für Physik verdankte) war eine revolutionäre Analyse des Lichts, von dem er annahm, dass es sich sowohl wie eine Welle als auch wie Partikel verhält. Der zweite – über die Brownsche Bewegung – erbrachte den theoretischen Beweis des Bestehens von Atomen und Molekülen. Der dritte markierte den Bruch mit der Newtonschen Physik, da er Raum und Zeit als relativ darstellte. Der vierte, der Speziellen Relativitätstheorie gewidmet, führte die allgemein bekannte Formel E=mc2 ein.

Die Ausstellung im Deutschen Museum geht von einem historischen Ansatz aus, der das wissenschaftliche Abenteuer Einsteins, vermittelt durch seine Intuitionen und Entdeckungen sowie die verschiedenen Etappen seiner Arbeit, die ihn zur Entwicklung der Relativitäts- und der Quantentheorie führten, nachvollziehen lässt. Dieser Rundgang beschränkt sich nicht nur auf Einstein selbst, sondern präsentiert auch die wissenschaftlichen Niederschläge seiner Ideen und seines neuen Verständnisses von Zeit, Raum und der sich daraus ergebenden Kausalität. Einstein hat Spuren in der Weise, wie wir heute die Geburt des Universums betrachten, aber auch in Laser, Mikroelektronik, GPS und Atombombe hinterlassen. Einstein wurde kremiert, doch sein Gehirn wurde aufbewahrt und untersucht, ohne indessen besondere „Dimensionen“ preiszugeben.

„Ich bin ein Einzelgänger, der die Menschheit liebt“, sagte dieses Genie, das alles andere als ein weltfremder Wissenschaftler war. Die Ausstellung in München beleuchtet die Art und Weise, wie er in die Geschichte eingebunden war, sich für die Politik interessierte, sich gegen überkommene Konventionen und Ideen wehrte („es ist schwieriger, ein Vorurteil zu zersetzen als ein Atom“). Er war ein legasthenisches Kind, wurde als „böser Geist“ verschrien und knallte die Tür seines Gymnasiums zu, um sich allein auf die Aufnahmeprüfung für die Eidgenössische Technische Hochschule (die schon damals berühmte ETH) Zürich vorzubereiten. Er begann sein Leben sehr pragmatisch am Eidgenössischen Patentamt in Bern zu verdienen, was ihm den Kopf frei ließ, um seine eigenen Ideen weiterzuverfolgen. Als Jude und Pazifist im Deutschland der 30er Jahre (er war damals Präsident der Liga für Menschenrechte) emigrierte er während der Hitlerzeit in die Vereinigten Staaten und wurde 1940 amerikanischer Staatsbürger. Ben Gurion soll ihn gebeten haben, israelischer Staatspräsident zu werden, doch die Herausforderung erschien ihm unüberwindlich: „Ohne ehrliche Zusammenarbeit mit den Arabern gibt es weder Frieden noch Wohlstand.“

Seine Vorliebe für die Geige, die geringe Wertschätzung der Frauen und sein Sinn für Formulierungen, der sich durch zahllose, auf vielen Websites zu findende Zitate zieht, sind sprichwörtlich. Um nur eines herauszupicken: „Der Zufall“, sagte er, „ist Gott, der inkognito spazieren geht.“

Abenteuer der Erkenntnis: Albert Einstein und die Physik des 20. Jahrhunderts

Deutsches Museum – München – 7. Mai bis 31. Dezember 2005

CIRS: ein Portal zur Wissenschaft

Vier Sprachen öffnen im Centre international pour la recherche scientifique (Internationales Zentrum für die wissenschaftliche Forschung - CIRS) die Pforten zur Forschung: Englisch, Spanisch, Französisch und Arabisch. Die Informationen und Links werden durch dieses Zentrum zusammengetragen, das sich vorstellt als „einziger gemeinnütziger, völlig kostenloser und jedermann zugänglicher Dienst, der wissenschaftliche Informationen international verbreitet“. Die Informationen sind nach verschiedenen klaren „Kapiteln“ angeordnet: kleine Texte über die wissenschaftliche Aktualität, Informationen über die Forscher (Preise, Entdeckungen), Verweise auf wissenschaftliche Zeitschriften und Arbeiten, Links zu wissenschaftlichen Einrichtungen, Akademien der Wissenschaften, Universitäten und Forschungszentren sowie spezialisierten Bibliotheken. Das CIRS arbeitet in „Echtzeit“ und rund um die Welt; es hält seine Datenbank ständig auf dem Laufenden und zählt auf die Mitarbeit eines weltweiten Korrespondentennetzes, die Informationen über die Wissenschaft einspeisen. Alle Forschungsthemen sind willkommen, in allen Bereichen und allen Sprachen; „einzige Bedingung, um in den Schlagwortkatalog aufgenommen zu werden, ist eine rein wissenschaftliche Tätigkeit“. Ziel des Zentrums ist, den Zugang zu Informationsquellen, die für Spezialisten, Forscher und Studierende oder auch nur „auf Wissenschaft Neugierige“ hilfreich sein könnten, zu erleichtern.

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