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FTE info logoMagazin für die europäische Forschung N° 45 - Mai 2005    
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 INHALT
 EDITORIAL
 Die Logik des „Sprungs nach vorne“
 Die Umrisse des Siebten Rahmenprogramms 
 Östlicher Vorposten des Europäischen Forschungsraums
 Landwirtschaftliche Tradition
 Geburt einer von Europa aufgepeppten Forschung
 Out of Africa
 Die Campylobakterien unter der Lupe
 Rendezvous mit fernen Welten
 Forschung im Schaufenster
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GESELLSCHAFT
Title  Aus der Haft entlassen, ins Nichts entlassen?

Die Tür fällt ins Schloss. Und wenn sie sich wieder öffnet? Wie gliedern sich haftentlassene Frauen wieder in die Gesellschaft ein, die sie nur zu oft ausgestoßen hatte? Von welchen Personen, Strukturen und Gesetzen können sie Hilfe erwarten? Die Partner des europäischen Projekts MIP (Women, Integration after Prison) sind dieser Frage in sechs Ländern – Spanien, Deutschland, Großbritannien, Italien, Frankreich und Ungarn – nachgegangen. Sie haben sich lange mit Strafgefangenen gegen Ende ihrer Haftzeit und nach der Entlassung unterhalten. Sie haben die Akteure der Gefängniswelt (AufseherInnen, RichterInnen, BewährungshelferInnen, SozialarbeiterInnen, Freiwillige usw.) befragt. Ihre detaillierten, vertieften und gut koordinierten Untersuchungen beleuchten eine Form der sozialen Ausgrenzung, die sich bei Frauen anders artikuliert als bei Männern.

Frauengefängnis in Metz (Frankreich) © Jane Evelyn Atwood
Frauengefängnis in Metz (Frankreich)
© Jane Evelyn Atwood
„Ich war in der Primarschule. Ich konnte nicht weitermachen, weil meinen Eltern das Geld dazu fehlte. Ich habe mit 14 zu arbeiten begonnen und bin schwanger geworden. Ich habe über 14 Jahre gearbeitet. Mein Mann hat mich verlassen. Meine Schulden wurden immer mehr. Meine Tochter besuchte eine Privatschule, aber ich konnte sie nicht mehr bezahlen. Als mir daher jemand eine Reise in die Niederlande anbot, nahm ich das an. Ich begann, Drogen durch ganz Europa zu transportieren. Für jede Reise erhielt ich fünf- bis sechstausend Dollars. Und dann bin ich geschnappt worden.“ Diese von einer Italienerin erlebte Geschichte ist einmalig. Doch in vielen Punkten ähnelt sie vielen anderen.

Männliche und weibliche Strafgefangene teilen häufig ein ähnliches Schicksal: Ausgrenzung. Die Haftanstalten sperren mehrheitlich Menschen ein, die sozial schlecht angepasst sind, von der Gesellschaft ausgestoßen werden, die unerwünscht, weil illegal und Asylbewerber sind, ethnischen Minderheiten angehören oder mit anderen Nachteilen behaftet sind.

Soziale Brüche
Diese bunt gemischte Bevölkerungsgruppe ist zumeist schlecht unergebracht, arbeitslos, schlecht ernährt und ungepflegt. Unter diesen Armen sind die Frauen oftmals die Ärmsten – niedrigere Löhne, Kinder am Hals, die ersten, die entlassen werden. In Deutschland war die Mehrheit der Befragten (1) vor ihrer Inhaftierung arbeitslos, verschuldet und drogen- und/oder alkoholabhängig. Nicht wesentlich anders sieht die Situation in Frankreich, Spanien oder Italien aus. Laut britischen Statistiken ist jede zehnte Frau, die ins Gefängnis kommt, obdachlos, und ein Drittel von denen, die eine Wohnung haben, verlieren sie (mit ihren paar anderen Habseligkeiten) beim Antritt ihrer Haft. Die meisten dieser Frauen haben finanzielle Probleme und Schulden, die während ihres Gefängnisaufenthalts nur noch anwachsen. Die ForscherInnen des britischen Teams  stellten fest, dass ungefähr die Hälfte der Gefangenen Gewaltopfer waren (davon ein Drittel sexuell  Missbrauchte). Diese oft schon in der Kindheit erlittenen Aggressionen scheinen auch in Spanien, Deutschland und Ungarn sehr verbreitet zu sein.

Drei Profile
Hinter Gittern fehlt der Platz. In Spanien beklagen sich die Gefangenen über die große Durchmischung, die weder dem Alter, dem Delikt noch dem Strafmaß Rechnung trägt. Hinzu kommt die Überbelegung: „Wir waren 200 im Gefängnis. Wir konnten nie einen Moment allein sein. Ich bin gern für mich. Ich brauche die Unabhängigkeit und ein bisschen Intimität.“ „Überall ist derselbe alarmierende Mangel an Humanressourcen und materiellen Mitteln und eine gravierende Überbelegung zu beobachten. Diese Situation führt oftmals zu einer Verletzung der grundlegendsten Menschenrechte der Häftlinge. Die Arbeitsbedingungen des Personals beeinträchtigen deren Qualität noch zusätzlich“, erklärt Projektkoordinatorin Marta Cruells von der spanischen Organisation SURT.

Überbelegt durch wen? Die französischen ForscherInnen haben drei Typen von Gefängnisinsassinnen unterschieden: die klassischen sozial Fehlangepassten, die zahlreiche Handicaps und soziale Ausgrenzungen vereinen, meistens rückfällig und drogenabhängig und mit männlichen Straftätern vergleichbar sind; Frauen, die oftmals Opfer von Gewalt oder Komplizinnen der von ihren Partnern verübten Verbrechen waren und meistens zum ersten Mal und für ein schweres Vergehen (Mord, Kindsmissbrauch, Drogenhandel) einsitzen; und schließlich die atypischen Frauen, die beruflich integriert, kultiviert und immer für ein schweres Verbrechen inhaftiert sind. Diese drei Profile stellen soziale, strafrechtliche und individuelle Merkmale dar, die, durch ihre Kombination, die verschiedenen Karrieren beleuchten, die zur Inhaftierung führen. Auf die eine oder andere Weise sind indes alle von Ausgrenzung betroffen.

Machtlos, aber verantwortlich
Frauengefängnis in Metz (Frankreich) © Jane Evelyn Atwood
Frauengefängnis in Metz (Frankreich)
© Jane Evelyn Atwood
So sehr sie sich auch sonst unterschieden, alle diese Gefangenen sind Frauen. Ihre Abhängigkeit von Männern (für die oder derentwegen mehr als eine das Gesetz übertrat) wird durch die britischen ForscherInnen belegt. Sie ist nicht nur finanziell oder liebesbedingt, sondern kulturell. „Stärker als alles andere haben Männer mein Leben bestimmt. Ich hatte kein Vertrauen in mich. Durch Heirat einen Mann zu haben war ein Erfolg. Mein zweiter Mann sagte mir, ich sei nicht großartig, ich war mager, dumm und hatte daher nur ein geringes Selbstwertgefühl. Ich war von dieser Art Mann angezogen. Heute glaube ich, dass mir die Augen aufgegangen sind, was die Rechte der Frauen – und die männliche Macht – anbelangt.“

Doch auch wenn die Frauen nicht die Macht besitzen, so bleibt ihre Sorgepflicht selbst im Gefängnis bestehen. Oft sind sie für den Unterhalt ihrer Kinder oder ihrer Familie verantwortlich und lassen ihnen die paar Batzen zukommen, die sie verdienen. Fast durchweg fühlen sich die Mütter schuldig und beunruhigt (Wo sind sie? Bei wem kommen sie in Obhut? Werden auch sie straucheln? Was halten sie von mir?). Die für das Gefängnissystem Verantwortlichen haben übrigens das, was sie als Kummer der Mütter bezeichnen, als einen der heikelsten Punkte der Inhaftierung erkannt. „Ich bin traurig wegen meiner Kinder, wir sind seit Jahren nicht mehr zusammen. Jetzt sind sie groß. Es ist eine seltsame Situation.“

Außenwelt in Auflösung
Regionale Haftanstalt für Frauen, Joux-la-Ville (Frankreich) © Jane Evelyn Atwood
Regionale Haftanstalt für Frauen, Joux-la-Ville (Frankreich)
© Jane Evelyn Atwood
Wenn sich die Beziehungen zu den Kindern und der Familie nur zu oft verschlechtern, so liegt das auch an den internen Regeln der Gefängnisse (Besuche, Möglichkeiten zu telefonieren usw.) und ihrer geografischen Lage. So kann man sich schwer vorstellen, dass papierlose Ausläner weit reisen werden, um einen eingesperrten Angehörigen zu besuchen. Wenn man in einem anderen Land lebt, sind Telefongespräche unbezahlbar. In Ungarn, Deutschland und Spanien liegen manche Gefängnisse außerhalb der Städte und sind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht erreichbar, so dass viele Strafgefangene eine Verlegung in besser gelegene, aber oft überbelegte Haftanstalten verlangen. Die Häufigkeit und Dauer der Besuche variieren von einem Land zum anderen: von einer Stunde pro Woche bis zu zwei Stunden pro Monat. Da braucht es auf beiden Seiten des Gitters viel Kraft, um eine gute Beziehung aufrecht zu erhalten. „Meine Familie und meine Kinder haben mich während sieben Jahren regelmäßig besucht. Dann blieben sie aus, weil die Begegnungen völlig unpersönlich wurden. Zwei Stunden reichen nicht, um eine echte Beziehung zu erhalten. Diejenigen, die außerhalb der Gefängnismauern leben, sagen nicht die Wahrheit, um den Eingesperrten nicht zu demoralisieren. Und der Gefangene beschwert sich nicht. So gibt es keinen ehrlichen Austausch.“

In mehreren Ländern gibt es besondere Maßnahmen, die auf die Erhaltung tragfähiger Beziehungen mit den Angehörigen abzielen. In Deutschland kommen beispielsweise manche Gefangenen in den Genuss eines eintägigen „Urlaubs“, damit sie sich um ihre Kinder oder ein krankes Familienmitglied kümmern können. Und in Ungarn erlauben die LER (Leninent Executive Rules) manchen Strafgefangenen, ein Wochenende pro Monat zu Hause zu verbringen. Andere Möglichkeiten bestehen in Frankreich und Spanien.

Draußen arbeiten
Die Beziehungen zur Gesellschaft laufen über die Arbeit. Gemeint ist nicht die Arbeit im Gefängnis selbst, die eher beschäftigt als ausbildet (Reinigung, Wäsche, Küche, kleine Montage- und Verpackungsarbeiten usw.) und einen variablen Prozentsatz von Frauen betrifft (60 % in Ungarn, 40 % in Frankreich, 33 % in Italien, 90 % im Vereinigten Königreich, zumindest während einer gewissen Zeit). Die sehr viel seltenere „wirkliche“ Arbeit spielt sich außerhalb der Gefängnismauern ab. In Spanien bieten offene Haftbedingungen in gewissen Fällen die Möglichkeit, tagsüber einer Beschäftigung draußen nachzugehen. „Niemand weiß, dass ich hier lebe. Ich werde nach der Arbeit zu einem Kaffee eingeladen. Ich sage, dass ich ins Krankenhaus eilen müsse, weil meine Schwester Krebs habe. Manchmal werde ich zum Essen eingeladen und kann nicht hingehen. Ich möchte die Wahrheit sagen – dass ich früher Probleme hatte, heute aber ein neuer Mensch bin. Aber ich muss immer lügen.“

Wenn diese Situationen „halb drinnen-halb draußen“ auch nicht immer leicht zu leben sind, so stellen sie doch einen wertvollen Schritt zur Wiedereingliederung dar. Die große Mehrheit der Akteure des Gefängnissystems betrachten dieses Ziel als die wesentliche Aufgabe des Gefängnisses. „Wir müssten mehr Ressourcen haben, um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden. Personalressourcen wie wirtschaftliche Mittel“, sagt ein spanischer Gefängnisdirektor. „Aber angesichts der derzeitigen Gefangenenzahlen ist die Arbeit sehr schwierig.“

Lernen…
Auch die Ausbildung wird als Potenzial zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt erlebt. Doch nur wenige können davon profitieren. In Deutschland werden Grundausbildungen (EDP-Qualifizierung) gestartet, die nach der Entlassung weitergeführt werden können. Informatik wird in Deutschland, Spanien und Ungarn unterrichtet. Ausbildung in Computergrafik und Desktop-Publishing gibt es in Italien und einem deutschen Gefängnis. In mehreren Ländern werden Sprachkurse für AusländerInnen angeboten. Neue Technologien sind im Vereinigten Königreich, das im Bereich Ausbildung (und in der Gefängnispolitik allgemein) am fortgeschrittensten ist, zugänglich. Mitunter gelingt es Frauen, die mehrere Jahre im Gefängnis verbringen, ein Hochschulstudium zu absolvieren.

In manchen Fällen genießen die zu langen Strafen Verurteilten auch Übergangsbedingungen während der letzten zwei Jahre, während deren sie draußen arbeiten können, um langsam wieder im „normalen“ Leben Fuß zu fassen. Doch abgesehen davon erhalten die Wenigsten bei ihrer Entlassung Hilfe bei der Suche nach einer Wohnung (das Wichtigste) oder Arbeit, geschweige denn psychologische Unterstützung. Anders im Vereinigten Königreich, wo die Strafgefangenen persönliche Hilfe anfordern können (Drogen, Alkohol, Sexualität usw.) und Job-Clubs organisiert werden, um auf ein Stellenangebot zu antworten und sich auf das Bewerbungsgespräch vorzubereiten. In Deutschland wird die Miete eines bzw. einer Strafentlassenen während eines Jahres von der öffentlichen Hand übernommen und die Sozialdienste und NRO sind sehr tüchtig bei der Wohnungssuche. Dennoch sind die Budgets überall im Schwinden begriffen, und selbst diese paar kleinen Hilfsleistungen erscheinen gefährdet.

Das Trauma der Freiheit
Denn die Freiheit ist nicht schmerzlos. Entlassen zu werden bedeutet oft, sich in einer Welt wiederzufinden, die sich stark verändert hat. Viele Haftentlassene sagen, sie seien während Wochen wenn nicht Monaten zutiefst desorientiert gewesen und hätten unter verschiedenen Symptomen gelitten (Depression, Schlaflosigkeit, der Wunsch, in den Gefängnisalltag zurückschlüpfen zu können). Viele verspüren Misstrauen gegenüber der sozialen Umwelt, insbesondere den Institutionen. Sie haben Schwierigkeiten, ihre Zeit einzuteilen, Prioritäten zu setzen, auf andere zu hören, Initiativen zu ergreifen und Entscheidungen zu treffen. Lauter soziale Grundfähigkeiten, die durch die Haft ausradiert worden sind. Ihre Familienbeziehungen, die sie während der Haftzeit manchmal idealisiert hatten, gestalten sich komplex, insbesondere mit den Kindern. Ihre finanzielle Situation ist häufig sehr prekär, vielfach sogar noch schwieriger als zuvor. Die meisten haben keine Bleibe mehr und viele kehren zu ihren Eltern zurück, von denen sie wieder abhängig werden. Die wenigsten finden in den ersten zwei Monaten nach ihrer Entlassung einen Job (zumeist eine Aushilfstätigkeit). Das Strafdossier erleichtert die Dinge keineswegs und stellt in den meisten Ländern ein echtes Beschäftigungshindernis dar.

„Das Gefängnis bestraft, zerstört, marginalisiert, leistet der Infantilisierung Vorschub, reißt aus dem sozialen Netz“, sagt ein Gefängnisdirektor. „Wie stelle ich mir mich in einem Jahr vor?“ fragt eine Gefangene. „Einmal mehr im Gefängnis! Und wieder ein Jahr älter.“

Wenn die ForscherInnen des MIP(2) zugehört, Statistiken analysiert und Politiken verglichen haben, so nicht zuletzt, um diese Hoffnungslosigkeit durch konkrete Maßnahmen etwas zu lindern. „Die Situation der strafgefangenen Frauen ist in den sechs untersuchten Ländern keineswegs homogen, aber ihre Probleme ähneln sich“, sagt Herta Toth vom ungarischen Team. „Sicher erhalten sie im Vereinigten Königreich mehr Aufmerksamkeit als anderswo. Und in der Mehrheit der Länder, insbesondere auch in Ungarn, beginnt man, aufmerksamer auf die spezifischen Probleme der Frauen zu hören – beispielsweise auf Anzeichen von Gewalt in der Familie, deren Opfer sie sind. Dennoch wird ihnen nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis überall viel zu wenig persönliche Aufmerksamkeit geschenkt. Das rührt vor allem von einer mangelnden Koordination zwischen den verschiedenen Akteuren her, die sich im Prinzip mit ihnen beschäftigen könnten. Und überall herrscht ein Mangel an Mitteln, an Personen, an Zeit.“

„Die Integration ist eine Aufgabe, die über die Gefängnismauern hinausgeht“, halten die PartnerInnen des Projekts MIP in ihren Schlussfolgerungen fest. „Wir brauchen die Mitarbeit der ganzen Gesellschaft und müssen der Gefahr – beziehungsweise der Realität – einer Situation entgegentreten, bei der die Gefängnisse zu einem Ort der Verwaltung von Armut werden und die Inhaftierung an die Stelle der Sozialdienste tritt.“

(1) Die Arbeiten wurden in verschiedenen Gefängnissen durchgeführt, wobei eine bestimmte Anzahl Frauen befragt wurde. Die so gewonnenen Angaben sind nicht als Statistiken zu betrachten. Dennoch sind sie aussagekräftig.
(2) Das Kürzel MIP geht auf das Spanische zurück, Mujeres, Integración y Prisión.


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  Ungleichheit hinter Gittern

Die Geschlechtergrenze zieht sich auch hinter Mauern fort. In den meisten Ländern tauchen die Bedürfnisse der weiblichen Strafgefangenen in den gefängnispolitischen Berichten nicht auf, denn dort werden die Populationen „verallgemeinert“. Eine Ausnahme bildet einzig die Mutterschaft ...
 

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  • Alle nationalen Berichte und der Schlussbericht sind auf der Website verfügbar. Eine Konferenz, auf der die Ergebnisse des Projekts präsentiert wurden, fand vergangenen 8. April in Barcelona statt.
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      Ungleichheit hinter Gittern

    Die Geschlechtergrenze zieht sich auch hinter Mauern fort. In den meisten Ländern tauchen die Bedürfnisse der weiblichen Strafgefangenen in den gefängnispolitischen Berichten nicht auf, denn dort werden die Populationen „verallgemeinert“. Eine Ausnahme bildet einzig die Mutterschaft (Geburten und Babys im Gefängnis), obschon die meisten inhaftierten Frauen davon nicht betroffen sind. Woher kommt das?

    Frauen landen zwar sehr viel seltener im Gefängnis als Männer (4 bis 8 % der Gefängnispopulation), doch das ist nicht unbedingt von Vorteil. Weibliche Gefangene können in einem Seitentrakt eines Männergefängnisses untergebracht werden, was jegliche Zugangsmöglichkeit zu besonderen Aktivitäten oder Leistungen (ärztliche Betreuung, Programme zur Überwindung der Suchtmittelabhängigkeit, Arbeit und Ausbildung) zunichte macht. Sie können auch in Haftanstalten für Frauen landen. Diese sind häufig abgelegen, was Probleme mit Besuchen und Beschäftigung außerhalb der Mauern stellt. Immerhin haben diese Einrichtungen den Vorteil, für weibliche Insassen konzipiert und geleitet zu werden. In Deutschland beispielsweise sind die Gefängnisdirektoren der Ansicht, dass bei weiblichen Strafgefangenen die Überwachungs- und Sicherheitsnormen nicht so streng zu sein brauchen wie bei männlichen.

    „Obschon gewisse spezifische Initiativen ergriffen werden, wie etwa das Women's Offending Reduction Programme im Vereinigten Königreich oder andere Projekte für Frauen in Deutschland, tragen sehr wenige Länder der Gleichberechtigung von Männern und Frauen Rechnung, wenn es um Gefangenenpopulationen geht. Dabei empfiehlt die EU, sie in allen Bereichen anzuwenden“, schließt Marta Cruells. „Unsere Forschungen haben überdies gezeigt, dass Frauen die Haft noch härter erleben als die Männer. Sie erhalten weniger Unterstützung von ihren Angehören, werden durch die Gesellschaft negativer beurteilt, leiden für ihre Kinder, haben schwerer Zugang zu Aktivitäten, Ausbildungen, sozialer oder psychologischer Hilfe usw.“

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    • Alle nationalen Berichte und der Schlussbericht sind auf der Website verfügbar. Eine Konferenz, auf der die Ergebnisse des Projekts präsentiert wurden, fand vergangenen 8. April in Barcelona statt.

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