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FTE info logoMagazin für die europäische Forschung N° 45 - Mai 2005    
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 INHALT
 EDITORIAL
 Die Logik des „Sprungs nach vorne“
 Die Umrisse des Siebten Rahmenprogramms 
 Östlicher Vorposten des Europäischen Forschungsraums
 Landwirtschaftliche Tradition
 Geburt einer von Europa aufgepeppten Forschung
 Out of Africa
 Die Campylobakterien unter der Lupe
 Rendezvous mit fernen Welten
 Aus der Haft entlassen, ins Nichts entlassen?
 Forschung im Schaufenster
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TEXTILINDUSTRIE
Title  Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft

Wir tragen sie in Hautnähe auf unserem Körper, sie sind engstens mit unserem Wohlbefinden verbunden, Träger einer Aussage, die unsere Persönlichkeit ausdrückt, und allgegenwärtig in tausend Facetten unseres täglichen Gebrauchs – die Textilien nehmen wahrhaftig eine einmalige Stellung in unserer Beziehung zur materiellen Welt ein. Seit dem Handwerk vergangener Zeiten bis hin zum Auftauchen moderner Industrietextilien waren sie immer ein Bereich, in dem die Entdeckungslust und das Streben nach Originalität eine Quelle der Inspiration und Neuentwicklungen darstellen, die nie versiegen wird.

Flechtmaschine – Prototyp IFTH © IFTH
Flechtmaschine – Prototyp IFTH
© IFTH
Europa war immer Schlüsselakteur der unablässigen Metamorphosen des Textilsektors. Während des ganzen 20. Jahrhunderts konnte es seinen Rang als weltweit führende Erzeuger- und Handelsmacht in diesem Sektor behaupten, sowohl was seine lange Tradition in der Herstellung von Stoffen und Kleidern als auch die Modeschöpfung, den treibenden Motor der Innovation, betraf.

Seit ungefähr zwanzig Jahren sieht sich diese industrielle Bastion allerdings von einer stetigen Erosion bedroht. Der Kampf um die Märkte begann zunächst vor allem in der Oberbekleidungsbranche, einem Sektor mit hoher Arbeitsintensität, der massenhaft in die Niedriglohnländer auswich.

Unterdessen zeichnet sich jedoch eine noch bedeutsamere Tendenz ab, die den gesamten Sektor, von den Fasern bis zu den gewobenen Produkten, erfasst hat und ihn als Ganzes bedroht. Sämtliche Regelungssysteme des Welthandels – die so genannten Multifaser-Abkommen – sind schrittweise revidiert worden. Das Jahr 2005 markiert einen Wendepunkt, der einen völlig liberalisierten Weltmarkt einleitet, nachdem der vor zehn Jahren im Rahmen der Uruguayrunde eingeleitete Prozess des Abbaus der letzten Textilquoten nun abgeschlossen ist.

Unter diesen neuen Bedingungen einer zunehmend multipolaren Weltwirtschaft, die von der rasch voranschreitenden Industrialisierung der Schwellenländer (China, Indien, Pakistan, Brasilien und andere mehr) geprägt ist, erscheint der Textilsektor als einer der besonders heiklen Punkte Europas (1).

Die harte Prüfung einer weltweiten Konkurrenz, die dieser Sektor derzeit durchläuft – und die immer noch 2,5 Millionen Arbeitsplätze in der EU-25 betrifft –, ruft ein breites Spektrum gemeinschaftlicher Kompetenzen auf den Plan, angefangen beim sozialen Bereich über die Unternehmens- und Regionalpolitik bis hin zu den internationalen Beziehungen. Doch die Blicke – und die Hoffnungen auf eine Rettung oder eher Umstrukturierung dieses Sektors – sind vor allem auch auf die Forschungs- und Erfindungskapazitäten gerichtet, mit denen Europa zu einem neuen Sprung ansetzen kann. Und so weiterhin ein Hauptakteur auf einem Markt bleibt, auf dem die Innovationen, die das ganze letzte Jahrhundert hindurch nie versiegt sind, uns immer wieder von neuem überraschen werden.

(1) Auf Antrag mehrerer Mitgliedstaaten hat die Europäische Kommission Ende April ein Verfahren für die Umsetzung von Schutzmaßnahmen angesichts der Einfuhr chinesischer Textilien gestellt.

    
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