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FTE info logoMagazin für die europäische Forschung N° 41 - Mai 2004   
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 INHALT
 EDITORIAL
 Politische Katerstimmung der Europäer?
 Verdoppelter Einsatz für die europäische Forschung
 Wenn die Wissenschaft sich ausstellt
 Das Rätsel der Allergien
 De Gennes oder das Perpetuum mobile
 Ein Parlament auf der Suche nach seinen Wählern
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WISSENSCHAFT VERBREITEN Ausdruckbare Version

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In unserer Nummer 40  kündigten wir an, dass die Ausstellung CreepyCrawly in Finnland, im Finnish Science Centre de Vantaa (umgangssprachlich Heureka genannt) bei ...
 

Das Wissenschafts-Café

Im Vereinigten Königreich und in Frankreich sprießen sie wie Pilze aus dem Boden, tauchen aber auch in anderen Regionen Europas langsam auf. Am häufigsten lassen sie sich in einer Bar (oder einem Pub) nieder, manchmal auch in einer Bibliothek, einem Theater oder einem Snack. Sie wollen aus dem akademischen Umfeld ausscheren, was nicht ausschließt, dass die anwesenden Wissenschaftler berühmt sind. Die Besucher dieser informellen Treffen gehören allen Berufs- und Altersgruppen an, sie sind nicht unbedingt hoch gebildet, aber sie teilen alle ein gemeinsames Interesse an der Wissenschaft und der Kultur.

Das Prinzip dieser Abende: Ein Diskussionsthema, ein oder zwei geladene Gäste, die die Debatte ohne Jargon und Geschwätzigkeit einleiten, um danach die Fragen der Anwesenden zu beantworten. Die Organisatoren gehen von dem Grundsatz aus, dass jede gestellte Frage ernst zu nehmen ist. Ein Gesprächsleiter fasst zusammen, erteilt das Wort, „zivilisiert“ die Debatte. Man kann über die Zeit (die zerrinnt), die DNS, den Darwinismus, das Klonieren, die Euthanasie, die Kernenergie oder die Nanotechnologie diskutieren. Manchmal bringen die Forscher auch Anschauungsmaterial mit, etwa Bilder fraktaler Strukturen, die sich an Blumenkohl, Farnen oder Schneeflocken beobachten lassen, um Ordnung und Chaos besser erklären zu können. „Zum Preis eines Kaffees oder eines Gläschens Wein kann jeder die neuesten Entwicklungen der Wissenschaft und Technologie ausloten“, sagen die britischen Organisatoren dieser Räume des freien Austauschs.

In Frankreich finden ähnliche Diskussionen in den Cafeterias mancher Gymnasien statt. Diese Wissenschaftscafés für Jugendliche, die ebenfalls der ungezwungenen Debatte offen stehen und Begegnungen mit Wissenschaftlern fördern, werden hinterher pädagogisch aufgearbeitet.

Manche dieser Orte bevorzugen einen roten Faden, wie etwa das Videnskabscafeen in Kopenhagen, das sich eines ebenso gemischten wie motivierten Publikums erfreut. Dieses dänische Café fokussiert seine Debatten auf den Zusammenhang von Wissenschaft und Gesellschaft und den Einfluss der Technik auf den Alltag. Seine Leiter legen den Akzent insbesondere auf die Beziehungen zwischen Wissenschaft und Kultur. So organisieren sie Rundtische über Fragen von „Wissenschaft und Kunst“, „Wissenschaft und Sciencefiction“ oder „künstlerischer Gestaltung und Computer“.

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Für Schulen mit Internetanschluss

Pädagogische Bereicherung auf Distanz. Hier verbindet eine Videokonferenz die Schüler des Gymnasiums von Sant Quirze in Spanien mit Ihresgleichen in Cleveland in den Vereinigten Staaten.
Pädagogische Bereicherung auf Distanz. Hier verbindet eine Videokonferenz die Schüler des Gymnasiums von Sant Quirze in Spanien mit Ihresgleichen in Cleveland in den Vereinigten Staaten.
Exploring science locally, sharing insights globally. So lautet das Ziel des großen Netzes Science Across the World (SAW), das von der ASE (Association for Science Education) in Partnerschaft mit GlaxoSmithKline entwickelt und geleitet wird. Über das Internet bietet es Lehrern und Schülern mittels einer Kombination von Unterrichtsmethoden und Lehrmittel eine Vertiefung bestimmter gesellschaftlicher Themen rund um Wissenschaft und Technik an. Ein zusätzlicher Mehrwert ergibt sich aus der Verquickung der Sprachen. Zwar wird der Großteil der Informationen auf Englisch angeboten, aber gewisse Dokumente sind auch auf Französisch, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch und Italienisch verfügbar.

2 570 Lehrer in 95 Ländern sind Mitglied der SAW, die ihnen auch die Möglichkeit bietet, eigene Projekte zu entwickeln. „Als Norm Schmidt mir eine Videokonferenz mit seinen Schülern in Cleveland in den Vereinigten Staaten vorschlug, dachte ich erst, das sei unmöglich, denn ich besaß keinerlei Erfahrung mit diesem Kommunikationsmittel“, erklärt Xavier Juan, Naturwissenschaftslehrer im Gymnasium Sant Quirze (bei Barcelona, Spanien). „Aber einer meiner Kollegen, Jaume Pinto, der auf diesem Gebiet ein Ass ist, sagte: ‚Das kriegen wir schon hin.’ “ Eine andere Kollegin, die Sprachlehrerin Marta Pardell, erwies sich ebenfalls als wertvolle Hilfe. „Es war wundervoll, zu sehen, wie die Schüler ihre Beiträge auf Englisch vorbereiteten, wie sie es nie zuvor getan hatten.“ Abgesehen vom Kontakt über die Kontinente hinweg kann damit eine neue Dynamik die inneren Bindungen einer Schule stärken.


Stufenweise Information

Lehrkraft, Journalist, Unternehmer, Politiker... Wer hat schon die Zeit, sich in einen tausendseitigen wissenschaftlichen Bericht über ein Thema zu vertiefen, das ihn besonders interessiert? Die auf die Gebiete Umwelt und Gesundheit spezialisierte GreenFacts Foundation bietet dazu eine Methode an: die stufenweise Kommunikation. Auf ihrer Website braucht man nur zu klicken, um weiterzufahren. Über drei Stufen gelangt man von einer knappen Zusammenfassung zu einer vertiefteren zusammenfassenden Analyse (von Fachleuten geschrieben und von Wissenschaftlern nachgelesen) und schließlich zum vollständigen Dokument.

Die GreenFacts Foundation war im Jahr 2001 auf Anregung der Solvay-Gruppe gegründet worden. Doch die Stiftung pocht auf ihre Unabhängigkeit von ihrem Sponsor und betont ihre Objektivitätsregeln. Ihren Leitern zufolge sind die wissenschaftlichen Informationen für Nicht-Eingeweihte oftmals schlecht verständlich und ihre Popularisierung birgt manchmal die Gefahr, dass sie tendenziös werden. Unter den verfügbaren Dossiers finden sich Themen wie Klimawandel, endokrine Disruptoren, Auswirkungen von Hochspannungsleitungen, Süßstoffe als Zuckerersatz (Aspartam), Dioxine und Produkte zur Desinfektion von Wasser.


Die Physiognomie des Schmerzes

Chinesischer Folterstuhl aus dem 18. oder 19. Jahrhundert. © The Science Museum
Chinesischer Folterstuhl aus dem 18. oder 19. Jahrhundert.

© The Science Museum


Pain: Passion, Compassion, Sensibility
Science Museum, London,
bis zum 20. Juni


Leiden, Leidenschaft, Mitleid... Der Schmerz kann auf so unterschiedliche Arten erfahren werden wie durch eine Geburt (ohne Periduralanästhesie), eine Krankheit, Folterungen oder sadomasochistische Praktiken. Die Beziehung des Menschen zum Schmerz wird auch durch die Kultur und die Religion geprägt. Diese außergewöhnliche Ausstellung des Science Museum, die unter Leitung des spanischen Philosophen Javier Moscoso vom Wellcome Trust ausgerichtet wurde, präsentiert dieses komplexe körperliche und psychische Geschehen anhand von natur- und geisteswissenschaftlichen Konzepten und Kunstwerken.

Wie funktionieren die Nervenzellen, die den Schmerz feststellen und in das Zentralnervensystem leiten? Was kann der Wissensfortschritt zu der Entwicklung neuer Schmerzmittel durch die Pharmaindustrie beitragen? Warum können bestimmte Formen der Medizin, etwa die Akupunktur, schmerzlindernd wirken? Was ist unter dem Placeboeffekt zu verstehen? Lauter Beispiele von Fragen, die in der Abteilung „Medizin“ gestellt werden.

Doch auch die Geschichte, die Soziologie und die Psychologie geben über das Leiden Aufschluss. So werden beispielsweise die christliche Rechtfertigung des Leidens (dieses „Geschenk Gottes“, das man bis ins letzte Jahrhundert hinzunehmen hatte) und die Beziehungen zwischen Schmerz und Erotik gezeigt. Der Marquis de Sade (1740-1814) und Leopold von Sacher-Masoch (1836-1895) werden analysiert, und auch Freud fehlt nicht. „Leiden gibt es seit eh und je. Doch auch wenn es universell ist, stand es nicht immer im Zentrum des menschlichen Schicksals“, erklärt Javier Moscoso. „Es hat eine Vielzahl von Geschichten – die der Leidenden, die derjenigen, die das Leiden betrachten, die es zufügen oder es lindern. Das Leiden galt als heilsam, als Warnsignal einer Verletzung oder Krankheit oder als Weg, der zu einer persönlichen Besserung führen konnte.“

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Dokumentarfilmprogramm begleitet.


Die Marathonläufer der Sonne

Nuna II, Botschafterin der erneuerbaren Energie in Europa, umgeben vom niederländischen Studententeam, das sie entwickelt hatte.
Nuna II, Botschafterin der erneuerbaren Energie in Europa, umgeben vom niederländischen Studententeam, das sie entwickelt hatte.
Nuna II ist ein ungewöhnliches Fahrzeug. Letztes Jahr nahm es am World Solar Challenge in Australien – einem Rennen über 3000 km – teil, wie bereits sein Vorläufer, Nuna I, im Jahr 2001. Seine Motoren, die mit Sonnenenergie betrieben werden, hat das Studententeam Nuon Solar Team der Technischen Universität Delft (NL) entwickelt. Ihr Coach ist niemand anders als Professor Wubbo Ockels, der erste niederländische Astronaut, der je an einer Weltraummission teilnahm. „Nachdem ich die Erde von oben gesehen habe, ist es für mich wirklich ein sehr befriedigendes Erlebnis, mit diesen jungen Menschen an einem Projekt zur nachhaltigen Entwicklung zu arbeiten“, erklärt er.

Nach Australien wird sich Nuna II zu einem weiteren Marathon aufmachen, dem so genannten Adiante: 8000 km, ausgehend von Athen (Abfahrt am 29. Mai) bis Porto (11. Juni). Das Nuon Solar Team wird in Skopje, Belgrad, Budapest, Bratislava, Wien, Prag, Bonn (mit Zwischenhalt auf einer internationalen Konferenz über erneuerbare Energien), Den Haag, Brüssel, Paris, Genf, Genua, Toulouse und Madrid Halt machen. Das Team wird Nuna II auf seinen Zwischenhalten in zahlreichen Schulen vorführen, die an einem riesigen Zeichenwettbewerb (ja ja, die guten alten Handzeichnungen mit Farb- oder Filzstiften auf Papier) zum Thema nachhaltige Zukunft teilnehmen. Sämtliche Werke (rund 50 000) werden nach und nach mitreisen, bis nach Portugal, worauf es für sie weiter geht zu einer Ausstellung in den Vereinten Nationen.

Das Solarrennen ist auch ein Marathon gegen die Müdigkeit. 14 Tage, 13 Länder, 16 Etappenhalte in verschiedenen Städten. „Niemand wird mehr das Potenzial übersehen können, das die Raumfahrttechnologie, die Solarzellen, die Leichtbaustrukturen der Luftfahrttechnologie, die moderne Aerodynamik und, nicht zuletzt, der Enthusiasmus, zu dem Studenten fähig sind, dem Verkehr bieten“, schloss Wubbo Ockels. „Mit Adiante zeigen wir Europa, dass der Solarverkehr keine Sciencefiction ist. Indem wir die Schulen, insbesondere die Primarschulen besuchen, wecken wir das Bewusstsein der Jüngsten für die Vorteile der nachhaltigen Hochtechnologie.“

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In unserer Nummer 40  kündigten wir an, dass die Ausstellung CreepyCrawly in Finnland, im Finnish Science Centre de Vantaa (umgangssprachlich Heureka genannt) bei Helsinki, stattfinde. Diese Wanderausstellung läuft in Wirklichkeit bis zum 12. September im Experimentarium Kopenhagen.

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