Wichtiger rechtlicher Hinweis
   
Kontakt   |   Suche   
FTE info logoMagazin für die europäische Forschung N° 41 - Mai 2004   
Top
 HOME
 INHALT
 EDITORIAL
 Politische Katerstimmung der Europäer?
 Verdoppelter Einsatz für die europäische Forschung
 Wenn die Wissenschaft sich ausstellt
 Das Rätsel der Allergien
 De Gennes oder das Perpetuum mobile
 Ein Parlament auf der Suche nach seinen Wählern
 WISSENSCHAFT VERBREITEN
 KURZINFOS
 STANDPUNKT
 LESERBRIEF
 PUBLIKATIONEN
 KALENDER
 AUSSCHREIBUNGEN

PDF herunterladen de en fr


EXZELLENZ IN DER TSCHECHISCHEN REPUBLIK 
Title  Angelpunkt einer technologischen Tradition

Gründerzentrum, Beratungsstelle für Innovation, Hilfszentrum für den Technologietransfer, Schaufenster der nationalen Forschung und Entwicklung... Das Technologische Zentrum der tschechischen Akademie der Wissenschaften ist all das und noch etwas mehr: ein unverzichtbares Sprungbrett für tschechische Forscher, die sich an europäischen Projekten beteiligen möchten.

Präsentation des Sechsten Rahmenprogramms im TZ Prag.
Präsentation des Sechsten Rahmenprogramms im TZ Prag.
Die Tschechische Republik rühmt sich aus gutem Grund, eines der historischen Kernländer der technologischen Exzellenz Europas sein. Gestützt auf eine lange, innovationsfreudige Unternehmertradition, hat sich ein KMU-Netz von bemerkenswerter Dichte entwickelt. 1993 halfen mehrere Mitgliedseinrichtungen der tschechischen Akademie der Wissenschaften, das Technologische Zentrum (TZ) Prag zu gründen – ein Instrument, das speziell im Hinblick auf die Förderung des Technologietransfers zur Industrie konzipiert ist. Schon bald danach eröffnete das TZ das erste Gründerzentrum für innovative Unternehmen, das Start-ups, die aus der Forschung hervorgegangen sind, Beratung und finanzielle Unterstützung anbietet. Es erwies sich rasch als großer Erfolg.

Schaufenster der tschechischen Stärken
Abgesehen von seinen anderen Aufgaben – strategische Prospektivstudien, Beratungs- und Consultingtätigkeiten – übernimmt das TZ auch die Rolle eines „Schaufensters der nationalen Forschung und Technologie“. Seine beachtenswerte Website bietet ein Zugangsportal (auf Englisch) zu allen wichtigen Akteuren des Landes: 136 Fakultäten in 39 Universitäten, 111 Forschungsinstitute (davon 59 der Akademie der Wissenschaften angegliedert), 90 Hightechunternehmen sowie Links zu allen an FuE beteiligten politischen und administrativen Stellen und Finanzinstituten. Eine Datenbank ermöglicht überdies jedem Unternehmer oder Wissenschaftler, der Beziehungen mit dem Land knüpfen möchte, einen tschechischen Partner zu finden.

Zu den Bereichen, in denen das Land besonders gut abschneidet, nehmen Biomedizin und Biotechnologien für Landwirtschaft und Umwelt einen herausragenden Platz ein. Die Hochschulteams wie auch die rund zwanzig Biotechunternehmen des Landes sind in sämtlichen Bereichen präsent. Eine der bemerkenswertesten neueren Errungenschaften geht auf das Konto des Instituts für organische Chemie und Biochemie unter Leitung von Antonin Holy, der zwei neue, gegen Aids und Hepatitis B aktive antivirale Moleküle bis zur Marktreife entwickelt hat.

Auf der Zielgeraden zum Beitritt
Das TZ entwickelt sich zum äußerst aktiven Bindeglied der technologischen Zusammenarbeit mit der Union. Es vervielfacht die Austauschkanäle, indem es sich an verschiedenen europäischen Netzen – den European Business and Innovation Centres, den Innovating Regions in Europe (IRE) und den Innovation Relay Centres (IRC) – beteiligt. Eine Politik, die spürbare Ergebnisse zeigt: Die tschechischen KMU liegen unter den Erweiterungsländern an der Spitze, was die Gewährung von Exploratory Awards-Hilfen des Fünften Rahmenprogramms anbelangt.

Das Technologische Zentrum spielt eine Schlüsselrolle bei der Eingliederung der tschechischen FuE in die europäische Forschungspolitik und dient als Anlaufstelle für die Teilnahme tschechischer Forscher am Sechsten Rahmenprogramm. Seine Belegschaft von 13 Spezialisten beantwortet im Tagesdurchschnitt vier Telefonanrufe und 15 E-Mails, die um Auskünfte bitten. Sein Bulletin wird von 4 000 Personen empfangen. Das TZ hat die europäischen Formulare und Normverträge ins Tschechische übersetzt und im Januar 2003 einen Informationstag organisiert, der von 540 Forschern besucht wurde.

„Es gibt in der Tschechischen Republik mehrere Agenturen für die Vertragsfinanzierung von Forschung. Anfänglich wandten sich die Wissenschaftler zu häufig an sie, anstatt sich um europäische Projekte zu bewerben, die ganz zu unrecht als schwerfällig und kompliziert wahrgenommen wurden“, erklärt Vladimír Albrecht, stellvertretender Koordinator der nationalen Kontaktstellen für das Sechste Rahmenprogramm im TZ. „Um die tschechische Teilnahme an den EU-Programmen zu erleichtern, können wir beispielsweise die notwendigen Reisen entschädigen und über die Vorteile der gemeinschaftlichen Finanzierungen informieren.“ Diese Anstrengungen sind gewöhnlich von Erfolg gekrönt. Bei den ersten Ausschreibungen des Sechsten Rahmenprogramms beteiligen sich 1667 tschechische Teams an den eingereichten Projekten; das entspricht bereits der Hälfte der Kandidaturen, die im Lauf der vier Jahre des vorangehenden Programms eingereicht wurden.

Ausgeglichene Rechnung
Als ausgebildeter Statistiker hat Vladimír Albrecht seine Berechnungen angestellt und eine Gewinn-und-Verlust-Bilanz der tschechischen Beteiligung am Fünften Rahmenprogramm gezogen. Das Land hat sich mit 0,45 % am gesamten Programmbudget der EU beteiligt und nach Albrechts Schätzungen 105 % zurück erhalten. Am stärksten fiel die Teilnahme tschechischer Teams an den europäischen Projekten in den Sektoren Umwelt und Energie ins Gewicht. In diesen beiden Bereichen waren sie an rund 345 bzw. 123 Vorschlägen beteiligt, mit sehr zufrieden stellendem Erfolg: Ein Drittel davon wurde in den Bewertungen im Bereich Umwelt, ein Viertel im Bereich Energie ausgewählt. Deutlich weniger erfolgreich schnitten dagegen die Sektoren Biowissenschaften und Informations- und Kommunikationstechnologien ab, bei denen die Zahlen der Projekte mit tschechischer Beteiligung am höchsten gelegen hatten (677 bzw. 514 Vorschläge).

Die Bemühungen um die Teilnahme tschechischer Unternehmen an den thematischen Forschungsprogrammen der EU bietet im Übrigen ein kontrastreiches Bild. Die großen Unternehmen schlagen knapp hundert Projekte vor, weisen aber eine Erfolgsquote von 25 % auf. Umgekehrt ist eine bemerkenswerte Begeisterung seitens der KMU zu beobachten (sie sind an 700 Projekten beteiligt, das heißt im selben Umfang wie die Universitätslabors), aber ihre Ergebnisse sind enttäuschender: Die Erfolgsquote liegt bei rund 17 %. Dies ist der Punkt, auf den sich die Anstrengungen des Landes im aktuellen Rahmenprogramm richten müssen. Mit ihrer jahrhundertealten Tradition in Industrieforschung hat die Tschechische Republik alle Trümpfe in der Hand, um dies zu erreichen.

    
  Top
Dossier 1 2 3 4 5 6

MEHR WISSEN

KONTAKTE