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FTE info logoMagazin für die europäische Forschung Nr. 37 - Mai 2003    
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 EDITORIAL
 Ehrgeiz für die Forschung
 Die südliche Landwirtschaft und die Biowissenschaften 
 Eindämmung der mikrobiellen Resistenz
 Bestandsaufnahme eines Anthropologen
 Die Wissenschaft, die Sinne und die Gefühle
 Der digitale Kosmos
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DREIZEHN BEWERBERLäNDER äUßERN SICH ZUR WISSENSCHAFT
Title  Eurobarometer-Erhebung

Welche Einstellung haben die „neuen Europäer“ zur Wissenschaft? Fühlen sie sich genügend informiert, interessieren sie sich dafür? Hegen sie Misstrauen gegenüber einer zunehmend „technischen“ Welt? Was denken sie über den Zusammenhang von Forschung und Ethik? Lauter Themen einer Eurobarometer-Erhebung, die im November 2002 in den künftigen Mitgliedstaaten durchgeführt wurde. Dieselbe Studie war im Juni 2001 in den 15 EU-Ländern gelaufen. Ähnlichkeiten und Unterschiede.

Reden wir über Wissenschaft... Doch wovon genau ist die Rede? Von einem Ende Europas zum anderen, ob in Mitgliedstaaten (EU) oder Kandidatenländern (CC), verleiht man dieses Etikett gern den so genannten „harten“ Wissenschaften, während die Geisteswissenschaften deutlich schlechter abschneiden und die Astrologie auf überraschendes Wohlwollen stößt (siehe Die Kinder der Aufklärung).

Die Befragten in den Bewerberländern scheinen der Wissenschaft weniger Interesse entgegenzubringen als in den Mitgliedstaaten (35 % gegenüber 45 %) und bezeichnen sich als ziemlich schlecht informiert auf diesem Gebiet. Die Situation variiert indes je nach Land, einzelne liegen über dem europäischen Durchschnitt. So äußern sich 58 % der Zyprioten aufgeschlossen für Fragen der Wissenschaft und Technologie, gefolgt von den Ungarn (53 %), den Maltesern und Slowenen (50 %). Freilich geben zwei Drittel der Befragten auch zu, schlecht über diese Fragen informiert zu sein (siehe Grafik über das Wissensniveau). Das Informationsniveau hindert die Befragten in den Bewerberländern jedoch nicht daran, gegenüber der Wissenschaft und Technik eine positivere Einstellung an den Tag zu legen als die Unionsbürger.

Wissenschaft und Gesundheit
Versucht man, die Bedeutung zu erfassen, die den Gebieten von Wissenschaft und Technik zugeschrieben wird, die unseren Alltag(1) am stärksten beeinflussen, so steht die Medizin durchwegs an der Spitze (51 % in den CC, 60 % in der EU). Ihr Renommee ist allerdings eher subjektiv und scheint „eher abhängig von der Zufriedenheit mit den Gesundheitsdiensten als von ihrer Wahrnehmung als Wissenschaft“ beurteilt zu werden. Bulgarien beispielsweise „verspürt keinen sonderlichen Respekt gegenüber der Medizin“.

Im Allgemeinen interessieren sich Frauen und ältere Menschen in erster Linie für alles, was mit der Gesundheit zusammenhängt, die Jugend für das Internet (52 % der 15- bis 24-Jährigen gegenüber 9 % der über 55-Jährigen), wobei sich die Palette der Interessen mit steigendem Bildungsniveau erweitert. Die Kandidatenländer unterscheiden sich indessen durch die recht gute Benotung der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (32 % gegenüber 22 % in der EU) und die eher geringe Wertschätzung der Biowissenschaften (17 % gegen 22 %).

Wie immer auch, die Wissenschaft hat hohen „Nutzwert“. Glaubt man 81 % der Befragten in den Bewerberländern, macht sie unser Leben gesünder und bequemer. 77 % sind der Meinung, dass es ihr gelingen wird, Krankheiten wie Krebs oder Aids zu heilen, und 75 % glauben, dass sie den kommenden Generationen ein „Mehr“ bescheren wird. Aber wie in den Mitgliedstaaten schwindet der Enthusiasmus, wenn es zu beurteilen gilt, welchen Beitrag Wissenschaft und Technologie zur Ausrottung der Armut (41 %) oder zur Verbesserung der Umwelt (44 %) leisten könnten.

WissenschaftskulturDurchschnittliches Ergebnis eines Wissensquiz`, das von Befragten in den Kandidatenländern (CC-13) und den EU-Mitgliedstaaten (EU-15) beantwortet wurde. Vier Länder ? Tschechische Republik, Slowenien, Ungarn und Estland - weisen ein gutes Wissensniveau auf und liegen über dem EU-15-Durchschnitt.


Wissenschaftskultur
Durchschnittliches Ergebnis eines Wissensquiz`, das von Befragten in den Kandidatenländern (CC-13) und den EU-Mitgliedstaaten (EU-15) beantwortet wurde. Vier Länder ? Tschechische Republik, Slowenien, Ungarn und Estland - weisen ein gutes Wissensniveau auf und liegen über dem EU-15-Durchschnitt.



Tempo des technischen Wandels
Die Wissenschaft verändert somit das Leben, doch in welchem Rhythmus... Für die meisten Befragten (67 %, insbesondere junge Männer) krempelt die Wissenschaft unser Leben zu rasch um. Wie bei vielen Fragen oder Zusatzfragen nuanciert sich dieses Gefühl je nach Land und Überzeugungen. Die Spanne reicht von 56 % Rumänen und 47 % Litauern bis zu gerade mal 10 % Zyprioten, Slowaken und Slowenen. Zudem wäre 69 % der praktizierenden Gläubigen ein gemächlicheres Tempo lieber, gegenüber 61 % der Personen, die nie eine religiöse Kultstätte besuchen. 52 % der Bürger der Bewerberländer (EU 45 %) meinen auch, dass „wir unser Leben zu sehr auf die Wissenschaft und zu wenig auf den Glauben“ stützen. Diese Sehnsucht nach einer weniger materialistischen Kultur ist vor allem auf Malta und Zypern spürbar.

Jugend und Wissenschaft
Was die Zukunft betrifft, glauben 39 % der Befragten in den Bewerberländern, dass die Jugend an Studien und wissenschaftlichen Karrieren weniger interessiert ist als früher. In Wirklichkeit widerlegen jedoch die Daten diesen Eindruck; die Jugend zeigt mehr Interesse an der Wissenschaft und Technologie als der Durchschnitt. Ein signifikanter Anteil (26 %) hat indes diesbezüglich keine Meinung. Die Zahl dieser unentschiedenen Personen variiert von Land zu Land: 18 % in Zypern, 40 % in Litauen, 46 % in der Tschechischen Republik. Diese ausgeprägte Unentschiedenheit in den zwei letztgenannten Ländern legt nahe, dass die Frage nicht im Zentrum der öffentlichen Debatte steht.

Woher kommt dieses scheinbare oder wirkliche Desinteresse? Während es in der Union vor allem der mangelnden Attraktivität des wissenschaftlichen Unterrichts zuzuschreiben ist (60 % gegenüber 52 % in den CC), hängen die Gründe in den künftigen Mitgliedstaaten eher mit den Gehältern und Karriereaussichten zusammen (52 % gegenüber 45 % in der  EU).

Grad des Optimismus gegenüber der Wissenschaft(Durchschnitt der richtigen Antworten auf eine Reihe von 12 Fragen - pro Land)
Grad des Optimismus gegenüber der Wissenschaft
(Durchschnitt der richtigen Antworten auf eine Reihe von 12 Fragen - pro Land)


Europäischer Raum
Die Mehrheit der Befragten, sowohl in den derzeitigen wie in den künftigen Mitgliedstaaten, geht davon aus, dass die Union für die Forschung eine zunehmend wichtige Rolle spielen wird. Hinsichtlich des wissenschaftlichen Potenzials erwarten die Bürger der Bewerberländer große Vorteile von der Erweiterung, sowohl für ihr eigenes Land wie für die derzeitigen Mitgliedstaaten: 59 % der Befragten sehen einen gegenseitigen Nutzen. Manche Länder (Bulgarien, Zypern, Estland, Rumänien, Slowenien) erwarten mehr für die Bewerberländer als für die Fünfzehn.

(1) Sieben Bereiche standen zur Wahl: Medizin, Umwelt, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, das Internet, Astronomie und Weltraum,  Genetik, Nanotechnologie.


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Dossier 1 2 3
  Eurobarometer-Erhebung
  Standpunkt: Istvan Palugyai
  Die Kinder der Aufklärung

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  Fernsehen



Als wichtigste wissenschaftliche Informationsquelle (71 % CC-13 und 60 % EU-15) hat es eher eine „gute Presse“ bei den CC-Bürgern, die sie, unabhängig vom Bildungsniveau der Befragten,   nicht als unterinformiertes ...
 
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In der EU betrachten 74 % die Lebensmittelindustrie als die Hauptverantwortliche, gegenüber 51 % in den Bewerberländern. Die Politiker stehen in der EU deutlich häufiger im Brennpunkt der Kritik (69 %) als bei den „Neuen“ ...
 
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Insgesamt beurteilen die EU-Bürger GVO etwas strenger und fordern nachdrücklicher das Recht, selbst zu wählen (95 % gegenüber 80 %) und besser informiert zu werden (86 % gegenüber 80 %). Sie vertreten die Meinung, ...
 


   
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  Fernsehen



Als wichtigste wissenschaftliche Informationsquelle (71 % CC-13 und 60 % EU-15) hat es eher eine „gute Presse“ bei den CC-Bürgern, die sie, unabhängig vom Bildungsniveau der Befragten,   nicht als unterinformiertes oder oberflächliches Medium betrachten. Einige „kulturelle Unterschiede“ gibt es dennoch: Zeitungen und Radio werden in der Slowakei und der Tschechischen Republik besonders geschätzt.

 

  Rinderwahnsinn



In der EU betrachten 74 % die Lebensmittelindustrie als die Hauptverantwortliche, gegenüber 51 % in den Bewerberländern. Die Politiker stehen in der EU deutlich häufiger im Brennpunkt der Kritik (69 %) als bei den „Neuen“ (40 %). Die Moral dieser Krise? 89 % der Befragten (zu gleichen Anteilen in EU und CC) finden, die Wissenschaftler sollten uns besser über die mit bestimmten wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen verbundenen Risiken informieren, und 85 % sind der Meinung, die Industrie müsse besser reguliert werden.

 

  GVO



Insgesamt beurteilen die EU-Bürger GVO etwas strenger und fordern nachdrücklicher das Recht, selbst zu wählen (95 % gegenüber 80 %) und besser informiert zu werden (86 % gegenüber 80 %). Sie vertreten die Meinung, dass gewisse Lebensmittel nur eingeführt werden sollten, wenn die Wissenschaft ihre Sicherheit bewiesen hat (86 % gegenüber 79 %), und fürchten deren Folgen für die Umwelt (59% gegenüber 51 %).

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