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Klima

Im Anschluß an Kyoto

   
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Das Protokoll von Kyoto schreibt Europa bis 2008-2012 eine 8%ige Senkung der Treibhausgasemissionen vor..

Nach Kyoto wird Buenos-Aires - vom 2. bis zum 13. November 1998 - Schauplatz der vierten internationalen Konferenz sein, auf der das Abkommen der Vereinten Nationen über die Klimaveränderung, das auf eine voluntaristische Politik zur Begrenzung von Treibhausgasemissionen abzielt, umgesetzt werden soll. Aufgrund der im Protokoll von Kyoto festgelegten Bestimmungen sind wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen verschiedenster Art zu bewältigen. Auf drei besonders wichtigen Gebieten - Analyse der sozioökonomischen Auswirkungen der Durchführungspolitiken dieses neuen, internationalen Umweltrechts, Entwicklung nachhaltiger Energiesysteme und Verstehen des Kohlenstoffkreislaufs - mobilisiert sich die europäische Forschung.

 
   

Der Wettlauf gegen die Zeit hat begonnen. Das Protokoll von Kyoto, im Dezember 1997 von 174 Ländern angenommen, hat erstmals bezifferte und datierte Ziele festgelegt, die unter anderem bis 2008-2012 die Reduzierung von Treibstoffgasemissionen - Europa -8%, die Vereinigten Staaten -7% und Japan -6% - vorsehen

Die Ergebnisse von Kyoto sind wahrlich hinter den Vorschlägen der Europäer zurückgeblieben, die - vorausgesetzt, die anderen Industrieländer würden mitziehen - zu einer Reduzierung von 15% bereit gewesen waren. Im übrigen hat die verzwickte Aushandlung dieses Protokolls zu einem komplizierten Rechtsrahmen geführt, in dem noch viele Punkte ungeklärt sind.

Eine historische Premiere

Und doch ist es eine Tatsache, daß ·hiermit erstmals ein internationales, einstimmiges Abkommen über die Klimaveränderung geschlossen wurde und dieses Problem als wichtiges Umweltproblem auf weltweiter Ebene erkannt wird", betont Sylvie Faucheux vom Centre d'Economie et d'Ethique pour l'Environnement et le Développement(1). ·Und es ist sicher das erste Mal, daß die internationale Gemeinschaft sich Ziele setzt, die implizieren, daß wir die Art, wie wir unsere industriellen Tätigkeiten und unsere Dienstleistungen, unseren Verkehr, unseren Energieverbrauch organisieren, von Grund auf ändern müssen."

Und genau darin besteht die Herausforderung, die die europäische Nach-Kyoto-Strategie mit sich bringt. Die von den EU-Ländern eingegangene Verpflichtung, die mittlerweile Gesetzeskraft hat, ihre Emissionen innerhalb von etwas mehr als zehn Jahren zu reduzieren, wurde sozusagen gesamtschuldnerisch übernommen. Die Einhaltung der den verschiedenen Mitgliedstaaten auferlegten Pflichten (siehe Artikel 4 des Protokolls) können auf europäischer Ebene global verrechnet werden, mit anderen Worten, was einer mehr als vorgeschrieben reduziert hat, darf der andere weniger reduzieren. Und daher muß die gesamte Problematik im Zusammenhang mit der Reduzierung der Emissionen und den damit verbundenen sozioökonomischen und politischen Zwängen im Rahmen einer umfassenden, gemeinschaftlichen Konzertation angegangen werden. Dazu bedarf es einer grundsätzlichen Übereinstimmung zwischen den einschlägigen Akteuren - Regierungen, regionale und lokale Behörden, Unternehmen, Verbraucher, Bürger - im Hinblick auf ihre Orientierungen und Entscheidungen.

Menschliche und gesellschaftliche Herausforderungen

Seit mehreren Jahren befaßt sich die europäische Forschung mit steigendem Interesse mit den menschlichen Dimensionen der Umweltveränderung. Die gesellschaftlichen, sozioökonomischen und politischen Probleme, die durch die Reduzierung von Treibhausgasen ausgelöst werden, nehmen künftig einen nicht unerheblichen Platz ein. 1997 hat das Gemeinschaftsprogramm Umwelt & Klima mehrere Workshops ·Schnittstelle Forschung/ Politik" durchgeführt, um festzustellen, was dabei eigentlich auf dem Spiel steht, die verschiedenen politischen Lösungen zu untersuchen, die für die einzelnen Probleme vorstellbar sind, ihre Auswirkung zu bewerten und einen Beitrag zur Ausarbeitung der Stellung der EU zu Kyoto zu leisten. An diesen Workshops haben Experten für Klimafragen, Technologieprognosen, Wirtschaftswissenschaften und Humanwissenschaften teilgenommen, und zwar gemeinsam mit den politischen und industriellen Entscheidungsträgern, den Sozialpartnern und den Nicht-Regierungsorganisationen.

1998 wurden weitere Workshops dieser Art veranstaltet, um die politischen Optionen Europas auszufeilen, die sich für die Zukunft aus der Anwendung der Bestimmungen ergeben. Eine erste Forschungsgruppe hat sich damit befaßt, die Anliegen der sektoralen Akteure und der verschiedenen sozialen Gruppen zu erfassen. ·Es ist in der Tat unerläßlich, daß die Probleme und ihre sozioökonomischen Auswirkungen, die Risiken für die verschiedenen Gruppen und auch ihre Motivationen auf realistische Weise eingeschätzt und untersucht werden, und zwar gemeinsam mit den Betroffenen", erklärt Sylvie Faucheux.

In zwei anderen Workshops ging es um die Kriterien und Methoden, mit denen man bewerten kann, wie angemessen und wirksam alternative Klimapolitiken sind, sowie um den Einsatz der Möglichkeiten des ·Emissionshandels", die von den in Kyoto geschaffenen ·Flexibilitätsinstrumenten" vorgesehen sind.

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70% des Energieverbrauchs der Europäischen Union sind mit dem Bedarf der Städte verbunden.

Energieforschung im Mittelpunkt

·Die Union ist derzeit für etwa 16% der globalen CO2-Emissionen in Verbindung mit Energie verantwortlich, stellt aber nur 6% der Weltbevölkerung dar", betont die Europäische Kommission(2). Die Energiepolitik und die ihr zugrunde liegende Forschung stehen im Zentrum der Debatte über die Klimaveränderung. ·Die neuen Verpflichtungen zur Reduzierung der Emissionen müssen zu einer ernsthaften Diskussion darüber führen, wie wir über das hinausgehen können, was im Bereich von Energieeinsparung in den letzten Jahren schon erreicht worden ist."

Im Brennpunkt stehen zwei Sektoren: Ohne wirkliche Bemühungen werden die mit der Entwicklung des Verkehrsaufkommens in der EU verbundenen CO2-Emissionen bis zum Jahr 2010 um knapp 40% steigen, und die Zunahme der Emissionen, die auf Elektrizitäts- und Wärmeerzeugung zurückgeht, dürfte bis dahin rund 12% betragen. Die Strategie für die Zeit nach Kyoto muß also im wesentlichen auf diese beiden Fragenkomplexe ausgerichtet werden.

100% reines Auto, 120 km/h

Am 29. September 1998 wurde in Brüssel anläßlich eines internationalen Symposiums über Elektrofahrzeuge ein revolutionärer Prototyp eines Autos präsentiert, das von einer Polymerelektrolyt-Brennstoffzelle angetrieben wird. Dieses Auto der Zukunft wurde im Rahmen des europäischen Projekts FEVER (Programm JOULE-THERMIE) entwickelt, an dem die beiden Automobilhersteller Renault und Volvo sowie andere Industriepartner beteiligt sind. Es verbraucht lediglich Wasserstoff und Umgebungsluft, stößt nur reines Wasser aus und erreicht die besten Leistungen, die mit diesem noch sehr experimentellen Antriebssystem jemals erzielt worden sind: 120 km/h und 500 km Fahrbereich. Dieser Prototyp gibt einen Vorgeschmack von der bevorstehenden industriellen Entwicklung dieser Brennstoffzelle, die einen wichtigen Beitrag zur Verringerung der zunehmenden Auswirkungen des Verkehrssektors auf die Klimaerwärmung darstellen könnte.

Technologische Herausforderungen

Der Technologie kommt in diesen Bereichen eine maßgebliche Bedeutung zu. In den letzten Jahren haben sich zahlreiche europäische Forschungen, vom Programm JOULE-THERMIE aktiv unterstützt, mit der Entwicklung eines sauberen und sparsamen Autos von morgen (siehe Kasten) oder mit dem Ausbau der Intermodalität der verschiedenen Verkehrssysteme befaßt.

Was die Elektrizitäts- und Wärmeerzeugung betrifft, sind in den fortgeschrittenen Technologien für einen reinen und effizienten Gebrauch fossiler Kraftstoffe - Erdgas, Kohle oder Lignit - erhebliche Fortschritte gemacht worden. Die Verbreitung dieser Innovationen, insbesondere die parallele Entwicklung der Kogeneration (kombinierte Elektrizitäts- und Dampferzeugung), ist entscheidend, wenn die Ziele von Kyoto verwirklicht werden sollen - nicht nur in Europa, sondern weltweit.

Darüber hinaus legt JOULE-THERMIE großen Wert auf die Verwertung der Technologien, die aus europäischen Forschungs- und Demonstrationsprojekten über die Nutzung erneuerbarer Energien - Biomasse, Windenergie, Photovoltaik - hervorgegangen sind. Vor allem die Biomasse, die im übrigen den Vorteil hat, das in der Luft vorhandene CO2 aufzunehmen, ist eine vorrangige Energiequelle im Rahmen der Politik zur Verstärkung der Kohlenstoffreservoirs.

Im Hinblick auf die CO2-Emissionen verfolgen die auf europäischer Ebene erstellten Szenarios ein ehrgeiziges, aber realistisches Ziel: den Anteil an erneuerbaren Energien von heute 6% auf 12% bis zum Jahr 2010 erhöhen. Ein solcher Fortschritt ist nur mit einer voluntaristischen Politik möglich, die erlaubt, den Beitrag dieser nicht-verschmutzenden Energie in die großen Elektrizitätsverteilungsnetze einzuspeisen.

·Die Technologien zur Reduzierung von Treibhausgasen können nur greifen, wenn ihre Einführung durch politische Maßnahmen zur Förderung von Innovation und Marktöffnung unterstützt wird, durch Anreize im Bereich von Investitionsfinanzierung, Besteuerung und Emissionshandel", betont Pierre Valette, verantwortlich für die Unterstützung der Energie-FTE-Strategie bei der GD XII(3). ·Der pragmatische Ansatz zu den Zielen von Kyoto erfordert auch eine stärkere Koordination zwischen den Gemeinschaftspolitiken - Forschung, Energie, Verkehr, Umwelt".

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Europa hat den Ehrgeiz, den Anteil an erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2010 von derzeit 6 auf 12% zu erhöhen.

Mit doppelter Kraft gegen den Treibhauseffekt

Der Kompromiß, der auf der Konferenz von Kyoto ausgehandelt wurde, hat die Klimatologen und Experten in den einschlägigen Wissenschaftsbereichen in helle Aufregung versetzt. Ausgehend von dem Prinzip, daß es darum geht, eine globale, künftig in bezifferter Form festgelegte Reduzierung zu erreichen, sind nämlich für die Umsetzung der Reduzierung der Treibhausgasemissionen zwei komplexe Mechanismen vorgesehen worden.

nEinerseits kann bei der Berechnung der Emissionsmengen berücksichtigt werden, welche Rolle die natürlichen Kohlenstoffreservoirs, die Wälder, spielen. Länder, die Maßnahmen zur Aufforstung (Schaffung von Wäldern in bis dahin unbewaldeten Gebieten) oder Wiederaufforstung (die Neubewaldung vorher schon vorhandener Wälder) einsetzen, können also von ihren CO2-Emissionen die Mengen an Kohlenstoff abziehen, die so von der Flora gespeichert und nicht in die Luft ausgestoßen werden. Jedesmal hingegen, wenn im Rahmen der Forstwirtschaftspolitik Wälder abgeholzt werden, wird das Emissionskonto belastet.

  • Andererseits hat das Protokoll, um eine wirksame Reduzierung auf globaler Ebene zu erreichen, ein komplexes System von Flexibilitätsinstrumenten eingeführt, die den an Reduzierungsquoten gebundenen Industrieländern erlauben, einen Teil dieser Quoten zu handeln oder einen Teil davon zeitlich oder räumlich zu verschieben. Je nachdem, was die Kosten-/Leistungsanalyse ihrer Reduzierungsmaßnahmen ergibt, können sie sich gegenseitig Emissionsrechte verkaufen (vorausgesetzt, die Summe ihrer gemeinsamen Verpflichtungen wird beachtet) oder ein Emissionsrecht ·verdienen", indem sie in Projekte investieren, die zu einer nachhaltigen Reduzierung führen(4).

Das Modell EUROFLUX

Vor vier Jahren mit Unterstützung des Programms Umwelt & Klima gestartet, stellt das Netzwerk EUROFLUX heute eines der lehrreichsten Experimente in der Erforschung der Rolle der Wälder im Kohlenstoffkreislauf dar. Es basiert auf den neuen Messungen des Kohlenstoffaustauschs die an 17 europäischen, sehr unterschiedlichen Waldökosystemen auf allen möglichen Breitengraden vorgenommen wurden. Dank der von einem Team der Gemeinsamen Forschungsstelle in Ispra ausgeführten Integration und Modellierung der gesammelten Daten ist es - eine internationale Premiere! - erstmals gelungen, eine regionale Bilanz auf europäischer Ebene zu erstellen: Daraus wurde ersichtlich, daß im Jahr 1997 10 bis 40% der durch Menschen verursachten CO2-Emissionen in der EU durch die Wälder hätten absorbiert werden können. Die Forscher von EUROFLUX haben auf die Komplexität der zu berücksichtigenden Faktoren aufmerksam gemacht und neue Grundlagen für eine neue Methode zur Bewertung der Kohlenstofflager entwickelt. ·Dieses Projekt hat eine intensive Zusammenarbeit zwischen europäischen und amerikanischen Forschern bewirkt, die derzeit ein Tochter-Netzwerk namens AMERIFLUX und ein künftiges weltweites Netz, FLUXNET, aufbauen", unterstreicht Panagiotis Balabanis, wissenschaftlicher Leiter bei der GD XII. Die europäische Forschung ist außerdem an der Schaffung zwei weiterer Netzwerke für Messungen beteiligt, die den europäischen Kontinent betreffen - Eurosiberian Carbonflux, an dem russische Teams mitwirken, und MEDELU, das die Länder des Mittelmeerbeckens umfaßt.

EUROFLUX : http://www.unitus.it/eflux/euro.html

Eine neue Buchhaltung

All dies erfordert auch die Ausarbeitung einer neuen, strengen und gerechten Buchhaltung der CO2-Emission. Diesbezüglich sind jedoch noch viele Fragen zu klären. ·Die überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler vertrat die Meinung, die Gefahr der globalen Erwärmung müsse, vor allem durch eine klare und transparente Politik zur Emissionsreduzierung, an der Wurzel angepackt werden," erklärt Anver Ghazi, verantwortlich für die Forschungen in Verbindung mit Klimaveränderung im Gemeinschaftsprogramm Umwelt & Klima. ·Was die Berücksichtigung der natürlichen Kohlenstoffreservoirs betrifft, stellt der Mangel an präzisen Daten in wissenschaftlicher Hinsicht eine enorme Herausforderung dar."

Schätzungsweise ist allein das terrestrische Ökosystem potentiell in der Lage, knapp 25% der durch menschliche Aktivitäten verursachten CO2-Emissionen zu absorbieren. Diese Beurteilung stützt sich allerdings auf Berechnungen, die nur einen verschwindend kleinen Teil (etwa ein Dreißigstel) des enormen, permanenten Kohlenstoffaustauschs zwischen dem Ökosystem und der Atmosphäre berücksichtigen, der insbesondere über den regelmäßigen Wechsel der Photosynthese und die Atmung der Pflanzenwelt stattfindet. Im Hinblick auf die tatsächliche Kapazität der Waldreservoirs sind daher Fehlentscheidungen durchaus möglich.

·Das Hauptproblem ist, daß das Potential der terrestrischen Biosphäre, Kohlenstoff einzufangen, begrenzt ist und nicht nachhaltig zur Verfügung steht", schreibt dazu Claus Brünung, wissenschaftlicher Leiter im Programm Umwelt & Klima. ·Früher oder später wird der Absorptionsgrad ein Sättigungsniveau erreichen, und dann wird der Kohlenstoff innerhalb einiger Jahrzehnte wieder in die Atmosphäre abgegeben. Die Strategie der Verstärkung der terrestrischen Reservoirs ist daher nur eine vorübergehende politische Lösung, wobei jedoch die Gefahr besteht, daß das Problem den kommenden Generationen aufgehalst wird."

Am Anfang war der Urwald

Die auf die drei Kriterien Aufforstung/ Wiederaufforstung/Entforstung beschränkten Modalitäten lassen außerdem die gewaltigen Kohlenstoffreservoirs außer acht, die von den Urwäldern gebildet werden, deren im Laufe der Jahrhunderte angesammelten Reserven eine außerordentlich lange Zeit in Anspruch nehmen würden, um wieder aufgebaut zu werden. Das Abholzen langlebiger Wälder - zum Beispiel Edelholz für die Bauindustrie - könnte so durch Aufforstungs- und Wiederaufforstungsmaßnahmen auf der Basis schnellwachsender Arten ausgeglichen werden - für die Herstellung von Zellulose. Und im Endeffekt käme es dann zu einem deutlichen Abbau der Kohlenstoffreserven...

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Wälder sind wichtige natürliche Kohlenstoffreservoirs und spielen daher eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, die Klimaveränderung einzudämmen.

Auch spielen die Wälder nicht alle die gleiche Rolle. ·Die bio-geochemischen Prozesse, die am Kohlenstoffaustausch zwischen der Atmosphäre und der terrestrischen Biosphäre mitwirken, sind komplex, sehr variabel in Raum und Zeit, und noch nicht gründlich erforscht", so Claude Brünning weiter. Dies gilt insbesondere für die Interaktionen zwischen der Flora und den Böden, in die sie ihre Wurzeln schlägt, denn unter der Erde lagern die Pflanzen den Kohlenstoff auf die stabilste und dauerhafteste Weise. Im Rahmen von Aufforstungs- und Wiederaufforstungsmaßnahmen kann sich die CO2-Bilanz übrigens als negativ erweisen, wen die jungen Pflanzungen sich den notwendigen Kohlenstoff aus dem Boden holen und sich so anstatt in Reservoirs eher in Emissionsquellen verwandeln.

Daher sollten die Parameter, die in Kyoto festgelegt wurden, um das Konzept des Reservoirs einzubeziehen, überprüft und ergänzt werden. Die Europäische Kommission hat bereits im Februar 1998 eine wissenschaftliche Reflexionsgruppe eingesetzt, um den Wissensstand im Bereich terrestrischer Kohlenstoffreservoirs zu ermitteln. Die im Rahmen des International Geosphere-Biosphere Programme (IGBP) präsentierten Schlußfolgerungen dieser Gruppe werden von der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft weitgehend geteilt.

(1) - Die C3ED (Universität Versailles-St Quentin in Yvelines, Frankreich) ist von der GD XII damit beauftragt worden, eine Reihe von Seminaren über das Thema Schnittstelle Forschung/Politiken zu koordinieren, um die Aufgaben der Forschung und die Folgen der Klimaveränderung für die sozioökonomischen Akteure zu analysieren.

(2) Mitteilung der Kommission: Die energetische Dimension der Klimaveränderung - COM/97/0196Final

(3) Und in dieser Eigenschaft zuständig für Technologieprognosen und Energie-, Wirtschafts- und Umweltmodellierung bei der GD XII.

(4) Der Start eines derartigen Projekts kommt auch dann in Betracht, wenn es in einem Entwicklungsland durchgeführt wird, das keiner Emissionsreduzierung unterliegt (·clean development mechanism").

Klima und das Fünfte Rahmenprogramm

Die Berücksichtigung der Klimaveränderung betrifft zahlreiche Bereiche der Forschung und technologischen Entwicklung, und sie erfordert in steigendem Maße einen interdisziplinären Ansatz. Diese neue Struktur des 5. Rahmenprogramms (1999-2002), das um Leitaktionen herum aufgebaut ist, entspricht dieser vielschichtigen Vorgehensweise.

Das thematische Programm Erhaltung des Ökosystems steht dabei an der Spitze. Die Leitaktion Globale Veränderung, Klima und Biovielfalt, für die Mittel in Höhe von 400 Millionen Ecu vorgeschlagen wurden, wird sich mit Klimaforschung als solcher befassen und gleichzeitig versuchen, effiziente und angemessene politische Lösungen dafür zu finden und ihre sozioökonomischen Auswirkungen einzuschätzen.

Was die beiden Leitaktionen Saubere Energiesysteme und erneuerbare Energien und Wirtschaftliche und effiziente Energie für ein wettbewerbsfähiges Europa betrifft, sollen diese mit knapp 1 Milliarde Ecu unterstützt werden.

Die Dimension Klima ist auch in der Leitaktion Die Stadt von morgen präsent, in der die Energieproblematik - 70% des Energieverbrauchs der Europäischen Union entfallen auf den Energiebedarf in den Städten -eine wichtige Rolle spielen wird. Im übrigen wird die Reduzierung von Treibhausgasemissionen in allen Leitaktionen des thematischen Programms Förderung eines wettbewerbsorientierten und nachhaltigen Wachstums ein systematisches Kriterium für neue Technologien für die Industrie und das Verkehrswesen darstellen. Auch in der Leitaktion Nachhaltige Verwaltung der Land- und Forstwirtschaft hat das Klimaproblem einen hohen Stellenwert.

     
   

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