INCOFISH – internationale Zusammenarbeit für den Erhalt der Fischbestände im Meer

DRUCKENINCOFISH

INCOFISH
Umweltbewusste Liebhaber von Fisch und Meeresfrüchten können jetzt über ihr Mobiltelefon herausfinden, welcher Fisch nachhaltig gefangen wurde und welcher konsequent vom Speiseplan gestrichen werden sollte. Entwickelt wurde dieser Service vom Projekt INCOFISH (Integrating multiple demands on coastal zones with emphasis on aquatic ecosystems and fisheries). Er ist nur eines von vielen im Rahmen des Projekts geschaffenen Hilfsmitteln, die dem Verbraucher beim Kauf von Fisch aus ethisch verträglichem Fang zur Verfügung stehen.

An INCOFISH nehmen 36 Partner aus 23 Ländern von vier Kontinenten (Europa, Afrika, Amerika und Asien) teil. Im Rahmen des Projektes sollen die Belastungen untersucht werden, denen die Küstengewässer weltweit ausgesetzt sind, wobei der Schwerpunkt auf der Fischerei liegt. Außerdem haben sich die Partner die Entwicklung von Hilfsmitteln zum Ziel gesetzt, mit denen die Verbraucher, Fischer und politischen Entscheidungsträger diese Belastungen reduzieren können.

LESEN SIE MEHR

Viel mehr Fische im Meer?

Wie sagt man so schön? Es gibt noch mehr Fische im Meer. Leider zeigt die Forschung, dass dies nicht mehr länger der Fall ist. In Europa sind jetzt viele einst in großen Mengen vorhandene Arten überfischt. In der Nordsee stehen die Kabeljaubestände kurz vor dem Kollaps, während der atlantische Blauflossenthunfisch aufgrund der weltweit wachsenden Beliebtheit von Sushi vom Aussterben bedroht ist.

Der Fischfang beeinträchtigt die Umwelt auch auf andere Weise. Beim Grundschleppnetzfischen nach Norwegischem Hummer werden die Meeresböden und seine Bewohner, wie Seesterne, Schalentiere und andere Krustentiere, zerstört. Bei vielen Fischfangmethoden gehen neben den gewünschten Arten auch große Mengen unerwünschter Fische ins Netz. Dieser sogenannte Beifang wird weggeworfen. Außerdem können sich auch gefährdete Arten, wie Schildkröten und Delfine, in den Netzen verfangen und ertrinken.

Zu den wichtigen Ergebnissen von INCOFISH gehört die Erkenntnis, dass die Fischer ihre gegenwärtigen Fangquoten aufrechterhalten könnten, wenn sie die Schäden verringern würden, die sie an den Fischbeständen und der Umwelt im weiteren Sinne anrichten. In einem im August 2008 in der Fachzeitschrift Fisheries Research veröffentlichten Artikel legen die Wissenschaftler dar, dass die Wildfischbestände bis zu siebenmal größer sein könnten, wenn nur Fische gefangen würden, die ihre volle Größe erreicht und bereits mehrmals abgelaicht haben.

Aufgrund des höheren Fangs pro Aufwand könnten geringfügig weniger effiziente Fangmethoden verwendet werden, die der Umwelt weniger schaden.

Guter Fisch, schlechter Fisch

Die Verbraucher müssen ebenso ihren Beitrag zur Erhaltung des Lebens im Meer leisten. Sie können darauf verzichten, gefährdete Arten zu essen, und stattdessen Fisch aus nachhaltig bewirtschafteten Beständen kaufen, der so gefangen oder gezüchtet wurde, dass die marine Umwelt so wenig wie möglich geschädigt wird.

Viele Verbraucher können jedoch nicht so einfach unterscheiden, ob der Fisch aus ethisch verträglichem Fang stammt oder nicht. Und genau hier setzt das INCOFISH-Projekt an.

Die Partner haben einen internationalen Fischführer (International Seafood Guide)entwickelt, der ethische Informationen über mehr als 4 000 Arten von Fischen und Meeresfrüchten aus der ganzen Welt enthält. Der Ratgeber basiert auf den Informationen aus 27 bereits existierenden Fischführern und kennzeichnet den Status der verschiedenen Arten mit einem einfachen Ampelsystem. Grün bedeutet, dass der Fisch nachhaltig gefangen wurde und mit gutem Gewissen gegessen werden kann. Gelb bedeutet, dass der Fisch auf fragwürdige Weise gefangen wurde und dass wenn möglich auf Alternativen zurückgegriffen werden sollte. Rot schließlich bedeutet, dass der Fisch eindeutig nicht gekauft werden sollte.

Wenn der Benutzer auf einen Link klickt, kann er mehr Informationen über den Fisch und über dessen Fangmethode abrufen. Unter anderem erfährt er, ob eine Art von Überfischung bedroht ist oder mit Fangmethoden gefangen wird, die andere Arten oder die Umwelt schädigen.

Mithilfe des Ratgebers können die Verbraucher auch den Verzehr von zu kleinen Fischen vermeiden. In vielen Fischereien werden auch große Mengen junger Fische gefangen, die sich noch nicht vermehren konnten. Dadurch wird die Zukunft vieler Fischbestände bedroht. Jungfische sind klein. Daher können die Verbraucher durch den Kauf größerer Fische sicherstellen, dass sie nur ausgewachsene Fische essen, die sich bereits vermehrt haben.

Wie groß aber sollte ein Fisch sein? Auch auf diese Frage hat der INCOFISH Seafood Guide eine Antwort parat: Wenn der Benutzer auf das Linealsymbol klickt, findet er die kleinste akzeptable Größe für den ganzen Fisch, den Fisch ohne Kopf oder das Filet der entsprechenden Fischart.

Der Ratgeber kann mit einem internetfähigen Mobiltelefon unter www.seafoodguide.mobi aufgerufen werden. Auf diese Weise sind die Informationen für Restaurantbesucher, die über der Speisekarte grübeln, und für Kunden im Laden an der Fischtheke jederzeit verfügbar. Erhältlich ist er inzwischen in 17 Ländern, davon neun EU-Staaten.

Baby-Fisch gehört nicht auf den Tisch

Die Projektpartner arbeiten auch eng mit den Fischern zusammen, um sie dazu anzuregen, die Ressourcen zu schützen, mit denen sie ihren Lebensunterhalt verdienen. Das Projekt hat ein Fischlineal entwickelt, das den Fischern helfen soll, keine Jungfische zu fangen.

Es besteht aus biegsamem, bruchfestem Kunststoff und lässt sich aufrollen, sodass es bequem in die Jackentasche passt. Auf dem Lineal sind Bilder der wichtigsten Speisefische aufgedruckt und die Mindestlänge des ausgewachsenen Fisches ist angegeben. Auf diese Weise können die Fischer ganz einfach überprüfen, ob sie Jungfische oder ausgewachsene Fische fangen und, wenn nötig, Netze mit einer anderen Maschenweite verwenden.

Für die unterschiedlichen Regionen der Welt wurden verschiedene Versionen des Fischlineals entworfen, etwa für die Nordsee (diese Version ist auf Deutsch und Englisch erhältlich), die amerikanische Westküste, die Philippinen, den Senegal und Peru. Jedes Lineal zeigt die beliebtesten lokalen Fischarten.

Hilfsmittel zur Rettung der Meere

Der mobile Fischratgeber und das Fischlineal sind nur zwei der Hauptprodukte des Projekts. Andere wichtige Ergebnisse von INCOFISH sind beispielsweise Daten über die Entwicklung wichtiger Fischbestände, Karten mit der gegenwärtigen und voraussichtlichen Biodiversität in unseren Meeren und eine Bestandsaufnahme der Pflanzen, die von pflanzenfressenden Fischen bevorzugt werden.

Die Produkte und Erkenntnisse des Projekts sind auf der INCOFISHWebsite unter www.incofish.org frei zugänglich. Bleibt zu hoffen, dass diese Hilfsmittel uns – den Verbrauchern, Fischern und politischen Entscheidungsträgern – beim Schutz unserer marinen Umwelt unterstützen werden und sicherstellen, dass diese uns auch in der Zukunft mit Nahrungsmitteln versorgen kann.