Begegnungen

In Kürze


© Courtesy European Researchers’ Night – Greece cat.2
© Courtesy European Researchers’ Night – Greece cat.2<

Miguel und Silvana: zwei Forscher, zwei Kinder

„Silvana habe ich in Schweden während eines Sommerkurses kennengelernt. Wir absolvierten gerade unsere wissenschaftliche Postdoc-Ausbildung in Physik, ich in Berlin und sie in Paris. Ein Jahr später erhielt ich eine Stelle als Assistent in Portugal und Silvana eine feste Stelle in Paris. Wir haben uns bemüht, eine Lösung zu finden, um am selben Ort zu arbeiten, und nachdem wir mehrere Jahre lang halb in Paris und halb in Portugal gelebt hatten, erhielt ich endlich eine Stelle in Lyon, wohin wir dann gemeinsam gezogen sind. Forscherehepaar zu sein, ist sehr kompliziert, weil man generell alle zwei Jahre die Stadt oder sogar das Land wechseln muss, bevor man eine feste Stelle erhalten kann – vor allem nicht beide am selben Ort.

Meist findet man erst mit 35 eine feste Stelle und meistens sind es – wie in anderen Berufen auch – die Frauen, die ihren Männern folgen und die Kinder versorgen. Doch bei uns ist dies ganz und gar nicht der Fall. Silvana und ich arbeiten inzwischen im selben Labor und im selben Büro. An vielen Projekten arbeiten wir gemeinsam und haben auch bereits mehrere Male gemeinsam veröffentlicht, obwohl wir im Hinblick auf spezifische Forschungsrichtungen unabhängig voneinander bleiben wollen. Es ist sehr anregend, dass wir uns über unsere Arbeit unterhalten können, obwohl meine Frau findet, dass ich es manchmal übertreibe und zu Hause nur noch über Physik rede. Ich glaube nicht, dass wir uns Konkurrenz machen könnten, weil wir zusammenarbeiten.

Zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu helfen, ist viel interessanter. Samuel ist drei Jahre alt und geht in Lyon in den englischen Kindergarten. Sara ist eineinhalb Monate alt, und sie wird mit drei Monaten in die Kinderkrippe gehen. Seit Samuels Geburt sind wir bereits sechs Mal umgezogen. Er spricht vier Sprachen, wenn auch nicht alle sehr gut. Man kann wirklich nicht sagen, dass wir ein entspanntes Leben führen würden. Wir reisen sehr viel, nur leider haben wir keine Familie oder Freunde in Lyon, die uns mit den Kindern helfen könnten. So nehmen wir sie manchmal auf die Arbeit oder zu Konferenzen mit. Ich kümmere mich genauso um die Kinder wie ihre Mutter.

Miguel Marques, LPMCN, Universität Lyon


Züricher Integration

Sie haben gerade einen Ruf an die Eidgenössische Technische Hochschule nach Zürich erhalten und ziehen mit ihrer Familie ins Ausland. Sie wissen nicht, wo ihre Kinder in die Schule gehen und ob ihr Ehepartner eine Arbeit finden wird. Doch das Dual Career Advice- Büro (DCA) kümmert sich um alles. Alles wird organisiert, damit die Lehrenden ihre Arbeitszeiten mit ihrem Privatleben in Einklang bringen und sich an die neue Kultur anpassen können. Kinder sind willkommen – an der ETH gibt es drei Horte. „Ich helfe der ganzen Familie bei ihrer Integration in Zürich“, sagt Madeleine Luethy, Leiterin des DCA. Das hier ist keine Mittelverschwendung, sondern ein Service, der sein Geld wert ist.


Der Mentor als Trumpf

Von einem Mentor gestützt zu werden? Ganz klar: Dies ist eines der wirksamsten Mittel, damit Forscherinnen in wichtigen Augenblicken ihrer Karriere strategische Ratschläge erhalten. Die Mentoren helfen ihnen nicht nur bei der Lösung praktischer Probleme im Zusammenhang mit der Organisation ihrer akademischen Laufbahn und bei der Realisierung ihrer Projekte, sie finden in diesen Beziehungen auch Anregungen für ihre eigene Arbeit und ihren gesellschaftlichen Einsatz. Mehrere Mentoring- Vereinigungen haben Netzwerke aufgebaut, um europaweit Kontakte zu knüpfen und Fragen aufzugreifen, die sich den Mentoren und den betreuten Frauen im Rahmen einer internationalen Vision stellen. Das Projekt TANDEMplusIDEA, das von 2007 bis 2010 läuft und von der EU unterstützt wird, ist das erste seiner Art. Daran beteiligt sind Universitäten aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich. Sein Ziel ist es, das hohe wissenschaftliche Potenzial von Forscherinnen zu fördern und ihren Anteil in strategischen Positionen – vor allem auf Lehrstühlen – zu erhöhen. Den Abschluss des Projekts bildet eine Bewertung der Ziele in Bezug auf die Laufbahn entwicklung und die Verbreitung bewährter Verfahren, die sich aus den Schlussfolgerungen ergeben werden. European network of mentoring programmes for women in academia and research ist das jüngste Projekt, das sich aus vier Partnern zusammensetzt (Bulgarien, Deutschland, Österreich, Schweiz). Diese setzen vor allem auf ein Netzwerk, um Verbindungen zwischen Mentoren sowie auch Beziehungen zwischen verschiedenen Forscherinnengenerationen zu fördern.


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