Edito

Planet Meer

Michel Claessens
Michel Claessens
Chefredakteur

Ein weiteres europäisches Paradoxon: Obwohl Europas Territorium um ein Dreifaches kleiner ist als der afrikanische Kontinent, sind die europäischen Küsten zusammengenommen dreimal so lang wie die afrikanischen. Trotzdem bleibt die Meerespolitik im Wesentlichen fragmentiert und auf die nationale Ebene konzentriert. Jedoch berühren Meere und Ozeane alle Mitgliedstaaten der Union, und zwar sowohl im wörtlichen Sinn, denn fast die Hälfte ihrer Bevölkerung lebt weniger als 50 km von den Küsten entfernt, als auch im übertragenen, da die Herausforderungen für die Wirtschaft, die Umwelt und die Gesellschaft immens sind. Fischerei, Verkehr, Handel, Umweltverschmutzung, Erwärmung und Tourismus – die Meere und Ozeane stehen im Mittelpunkt zahlreicher Vorgänge, die eng miteinander verbunden sind und interagieren. Daher ist ein breites integriertes, sektorenübergreifendes sowie transnationales Management absolut erforderlich. Dies ist die Zielsetzung der Europäischen Kommission in ihrem kürzlich veröffentlichten „Blaubuch“. Es ist ein politisches Dokument, gleichzeitig aber auch eine Vision, die, wie unsere Leser mit Interesse feststellen können, die wissenschaftliche Forschung zum Schlüsselelement dieser politischen Vision erhebt.

Die Meere sind die Wiege allen Lebens auf der Erde, dessen Geburt 3,8 Mrd. Jahre zurückliegt. Wasser ist das Symbol des Lebens und macht unseren Planeten zu einer einmaligen Erscheinung in diesem Winkel des Universums. Dieser einzigartige und lebenswichtige Aspekt allein müsste uns bereits dazu zwingen, dieses Naturelement zu respektieren. Aber die menschliche Spezies, die auch nur eine Vertreterin der biologischen Vielfalt auf der Erde ist, stört und bedroht diesen riesigen „lebendigen Organismus“, den die Ozeane darstellen. Mit seinem auf hoch komplexen Bedingungen beruhenden Gleichgewicht, den gegenseitigen Abhängigkeiten und Interaktionen muss dieses System als ein Ganzes angesehen und behandelt werden. Davon hängen sein und unser Überleben ab. In der Hoffnung, dass diese grundlegenden Gedankengänge auch bei unseren Politikern etwas bewegen…


TOP