Ausstellung

Kunstwerk Erde!

Vom Weltraum aus bietet die Erde in jeder Hinsicht einen faszinierenden Anblick. Man muss die von den Satelliten geschossenen Fotos wirklich bewundern. Unsere Welt und ihr Reichtum versetzen den Betrachter in Erstaunen, da auch die wissenschaftlichen Daten, mit denen diese beschrieben werden, zur Enthüllung ihrer ganzen Schönheit beitragen.

© Helmholtz © Helmholtz
© Philippe Gosseries
© Philippe Gosseries © Philippe Gosseries

Die Ausstellung Kunstwerk Erde, die vom 7. März bis zum 24. April 2007 stattfand, stellte die Wissenschaft der Weltraumfernerkundung aus einem ästhetischen Blickwinkel heraus vor. Die Esplanade des Berlaymont-Gebäudes in Brüssel, dem Sitz der Europäischen Kommission, wurde von 26 zwölf Quadratmeter großen Satellitenbildern bunt gesäumt. Susan Kentner koordinierte diese Ausstellung für die deutsche Helmholtz-Gemeinschaft, in der 15 deutsche Forschungszentren aus sechs Forschungsbereichen, darunter auch Raumfahrt und Weltraum, zusammengeschlossen sind.

Ein Blick macht neugierig

Die Mission der Helmholtz-Gemeinschaft besteht nicht nur darin, ihre Mitglieder untereinander bekannt zu machen, sondern auch aktuelle wissenschaftliche Fragestellungen zu identifizieren, zum Beispiel zum Klima und zur Energie. „Die Idee zur Ausstellung entstand, nachdem eine Sonderausgabe der Zeitschrift GEO, die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR), einem Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, entstanden war, einen riesigen Erfolg verbucht hatte. Im Rahmen der deutschen Präsidentschaft hat die Helmholtz-Gemeinschaft dann die Initiative ergriffen, den Wert unserer Forschungsarbeiten auch in Brüssel hervorzuheben“, erklärt Susan Kentner. „Wir wollen die Wissenschaft jedem Einzelnen zugänglich machen und sie ihm näher bringen. Die Fotos und Daten, die uns dank der Satelliten vorliegen, besitzen diese Fähigkeit. Sie verführen den Blick und wecken die Neugier des Publikums.“
Alle ausgestellten Bilderwurden zu wissenschaftlichen Zwecken angefertigt und stammen von Satelliten aus Europa und aus Drittländern. Das DLR, das täglich solche Daten sammelt und verarbeitet, hat die Fotos für diese Ausstellung nach ästhetischen Gesichtspunkten ausgewählt, indem verschiedenste Anwendungsbereiche nach außergewöhnlichen Bildern durchforstet wurden. „Jeder kann selber die zahlreichen Funktionen entdecken, die die Satelliten ausüben. Die Fernerkundungsinstrumente enthüllen beispielsweise die Merkmale der Oberfläche und der Atmosphäre und verändern unsere Wahrnehmung der Welt radikal. Seit den ersten Aufnahmen von der Erde im Jahr 1946 haben sich die Techniken verfeinert, sie sind präziser geworden und tragen zu einem besseren Verständnis unseres Lebens bei.“

Viele Zwecke

Die Fernerkundungswerkzeuge gehen fast alle auf militärische Aktivitäten zurück. Zum Beispiel ermöglichen uns Technologien, die für die nächtliche Raketenabwehr eingesetzt werden, heute, die Verteilung des Stromverbrauchs zu messen. Damit erhält die Erkundung, deren Präzision von den militärischen Nutzern ständig verfeinert wird, auch eine zivile Anwendung. Diese hat zunächst die Meteorologie revolutioniert und alle ihre Modelle über den Haufen geworfen. Die Satelliten verfolgen jetzt Wirbelstürme, Hurrikane und Tsunamis ebenso wie das Auftreten und die Verbreitung von Epidemien, die sehr stark an Wetterbedingungen gekoppelt sind, und retten damit Menschenleben. Auf globaler Ebene unterstützen sie außerdem langfristig die Klimaforschung. Die Wissenschaftler überwachen die Ozonschicht und messen die Folgen der Klimaerwärmung, indem sie die Konzentrationen der verschiedenen Gase in der Atmosphäre beobachten. Jedes Gas spiegelt sich dabei in einem bestimmten Teil des magnetischen Spektrums wider.
Die auf den Satelliten installierten Radarinstrumente kartografieren auch den Meeresboden, um die Bewegung von Wassermassen und Phänomene in den Tiefen der Ozeane zu verfolgen. Anhand dieser Beobachtungen zu den unterschiedlichen Strömungen oder der marinen Topografie können die Seewege, die Fischerei sowie die Gestaltung der Küstengebiete und der Offshore-Plattformen optimiert werden.
Dank der unmittelbaren Abdeckung riesiger Gebiete könnte die Kartografierung in mehrere Richtungen erweitert werden. Die NRO bedienen sich der Satelliten, um im Fall von Naturkatastrophen Hilfe und Kooperation zu organisieren. In Industrieländern helfen die Satellitendaten bei der Raumplanung und der Einrichtung von Infrastrukturen. Die kartografischen Anwendungen werden immer vielfältiger und nützlicher. Mit ihrer Hilfe werden Mineralien, der richtige Boden für landwirtschaftlichen Anbau, der Stand der landwirtschaftlichen Erzeugung, Entwaldung, unterirdische Wasservorkommen und vieles mehr aufgespürt. „Das ist sehr faszinierend, weil die aus diesen Aktivitäten entstandenen Bilder das Interesse des Publikums für die wissenschaftliche Forschung tatsächlich anregen!“, hebt Susan Kentner hervor.

Eine Frage des Blicks

Die ausgestellten Bilder zeigen auch eine Erde in außergewöhnlichen Farben, die mit anderen Augen als den unseren gesehen wurde. Die Fernerkundungssysteme können Teile des elektromagnetischen Spektrums erfassen, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind, beispielsweise Infrarotlicht. Diese Spektralbänder entsprechen jeweils bestimmten Farben, in denen die für das menschliche Auge unsichtbaren Informationen dargestellt werden. Die dargestellten Bilder werden also in Falschfarben oder überlagerten Farben dargestellt, damit die Forscher diese interpretieren können.
Dank dieser Analysen können Technologien bei der Organisation menschlicher Tätigkeiten, beim Verständnis von deren manchmal irreversiblen Folgen und beim Erhalt der Erde helfen. Die Instrumente zur Fernerkundung sind für das Überleben der Bevölkerung oder auch nur für die wirtschaftliche Entwicklung einer Region wichtig, und sie können auf verschiedenste Gefahrenlagen reagieren. Erkundungen für die Raumplanung beispielsweise nützen sowohl den Industrieländern – etwa bei der Aufteilung von Grünflächen im Herzen von Madrid in Spanien – als auch den Entwicklungsländern – z. B. bei der Sanierung der durch den Krieg zerstörten landwirtschaftlichen Böden an der irakisch-iranischen Grenze.
Erlaubt die optische Distanz der Satellitenbilder auch eine gedankliche Distanz zu unserem Planeten? „Es stimmt schon, dass wir auch die holistische Dimension der Forschung berücksichtigen müssen, indem wir die anderen kulturellen Visionen und verschiedenen Facetten der Forschung integrieren, ohne dass wir in unseren Laboratorien eingeschlossen bleiben“, schließt Susan Kentner.

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