EDITORIAL

Die große Integration

Michel Claessens
Michel Claessens
Chefredakteur

Wohin steuert die europäische Forschung? Als die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union im Jahr 2000 die Schaffung eines „Europäischen Forschungsraums“ (EFR) beschlossen – der für das Wissen in Europa das sein sollte, was der Binnenmarkt für die Wirtschaft ist –, haben sie sich an eine der größten Schwachstellen Europas gewagt: die Fragmentierung der europäischen Forschungslandschaft. Fast zehn Jahre später ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Bilanz über das, was bisher auf diesem Weg erreicht wurde. Aber auch Bilanz über das, was noch zu tun ist!

Angesichts der Tatsache, dass überall in Europa die Forschungsinvestitionen zurückgefahren werden – spielt Europa überhaupt noch eine Rolle in der weltweiten Forschung? Die Frage ist berechtigt. Auf der anderen Seite darf man jedoch nicht übersehen, dass die europäische Strategie voller Innovationen steckt. Der EFR fördert die Integration und Kooperation auf allen Ebenen. Nicht nur zwischen Wissenschaftlern und Unternehmen, sondern auch zwischen Managern und politischen Entscheidungsträgern, zwischen Programmen und Politiken. Und mit dem Siebten Forschungsrahmenprogramm auch weit über die europäischen Grenzen hinaus. Die asiatischen Länder denken bereits darüber nach, dieses Konzept zu übernehmen. Und was wäre, wenn – warum nicht ein wenig träumen? – aus dem europäischen Experiment einmal ein weltweiter Forschungsraum würde? Ob das so sein wird, wird die Zukunft zeigen. Im Augenblick zumindest ist der EFR ein wichtiger Schritt in Richtung einer europäischen Forschungspolitik, die diesen Namen auch verdient. Und von der wir natürlich hoffen, die Früchte ernten zu können. Ernten können wir jedoch nur, wenn wir heute säen.

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