EUROSTARS

Verborgene Schätze heben

Kleine und mittlere Unternehmen, die sich der Technologieforschung verschrieben haben, im Hinblick auf die Förderung des Wirtschaftswachstums zu unterstützen – das ist das Ziel von Eurostars, einem aus einer Partnerschaft zwischen der Europäischen Union und Eureka hervorgegangenen Programm. Diese Initiative soll besonders innovationsstarken kleinen und mittleren Unternehmen Impulse geben und Auftrieb verleihen.

Arzneimittel: ein Bereich, in dem KMU eine wichtige Rolle spielen können. Hier sind Mikrokügelchen auf der Basis von Cyclo dextrinen zu sehen. Diese natürlichen molekularen Käfige, mit denen verschiedene Moleküle eingekapselt werden können, werden oft in der Pharmakologie benutzt.© CNRS Photothèque/Hubert Raguet
Arzneimittel: ein Bereich, in dem KMU eine wichtige Rolle spielen können. Hier sind Mikrokügelchen auf der Basis von Cyclo dextrinen zu sehen. Diese natürlichen molekularen Käfige, mit denen verschiedene Moleküle eingekapselt werden können, werden oft in der Pharmakologie benutzt.
© CNRS Photothèque/Hubert Raguet
Auch erneuerbare Energien und Informatik bieten interessante Nischen für kleine Hightech-Unternehmen. © Shutterstock
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© Shutterstock
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Krebszellen besitzen die bemerkenswerte Fähigkeit, die gegen sie eingesetzten Medikamente abzuwehren. Das ist auch einer der Gründe, weshalb die Medizin an der vollständigen Heilung von Krebs nahezu verzweifelt. Bei einer der subtilsten Methoden, die diese Zellart gegen therapeutische Angriffe einsetzt, wird das medikamentöse Molekül eingehüllt und in den Zellvesikeln – auch Endosomen genannt – zerstört. Alle Versuche, diesen Mechanismus zu brechen, sind bisher gescheitert. Nun scheinen aber Forscher des norwegischen Unternehmens PCI Biotech auf dem richtigen Weg zu sein: Anstelle des Medikaments injizieren sie Photosensibilisatoren in das kranke Gewebe. Diese werden von der Membran der Endosomen aufgenommen. Sobald Licht auf sie fällt, reduziert sich die Membran auf ein absolutes Minimum und gibt den Weg frei für das therapeutische Molekül, das jetzt in das Herz der Zelle gelangen kann.

Dieses von PCI Biotech entwickelte innovative Verfahren erfüllt alle Voraussetzungen, um als neues Wundermittel möglicherweise Tausende Menschenleben zu retten. Die Vermarktung derartiger Therapieformen ist jedoch sehr teuer und im Bereich der Medizintechnik geht die Konkurrenz nicht gerade sanft miteinander um. Allerdings steht PCI Biotech, das von Eurostars – dem europäischen Innovationsfonds für KMU – finanziert wird, nur einen Schritt vor der Einführung seines Produkts in den Krankenhäusern. Eurostars wird die Finanzierung der klinischen Forschungen sicherstellen. Dabei werden die Wissenschaftler die Mittel zur Beleuchtung des Tumors untersuchen, wobei eine optische Faser durch die Haut oder Körperöffnungen eingeführt wird.

„Wir verfügen bereits über eine wesentliche Erfahrung beim Einsatz von Photosensibilisatoren in der Krebstherapie, jedoch noch keine im Hinblick auf die Freisetzung des Moleküls im Endosom. Unsere Technik zur Beleuchtung des Endosoms ist absolut originell“, erklärt Anders Hogset, wissenschaftlicher Leiter des Unternehmens. Zu den wichtigsten Auswirkungen dieser Technik gehört die Verbesserung der Genauigkeit, mit der Krebsmedikamente zum Tumor geleitet werden können.

Blitzstart

PCI Biotech gehört zu den rund 200 europäischen Unternehmen, die von den Eurostars- Mitteln profitiert haben. Das Unternehmen erhielt 1,1 Mio. EUR. „Für ein Unternehmen wie das unsere ist das sehr viel Geld“, kommentiert Anders Hogset. Wie die meisten von Eurostarsfinanzierten Unternehmen ist auch dieses KMU bereits seit einigen Jahren aktiv und versucht, eine neue Stufe in seiner Entwicklung zu erreichen. Es hat neun Mitarbeiter und ist seit 2008 an der Osloer Börse notiert. Da es im Augenblick keine Einnahmen hat, funktioniert es ausschließlich dank der Zuschüsse für Forschung und Wissenschaftler. Sobald seine Technologie marktreif ist, wird es die Lizenzen an die Pharmaindustrie verkaufen.

Kleine Unternehmen, die wachsen wollen, können Mittel über Investoren oder Privataktionäre beschaffen, über auf Risikokapital spezialisierte Unternehmen oder über die Börse. Doch gerade am Anfang, nach ihrer Gründung, benötigen sie Unterstützung. Für Bernd Reichert, Leiter der Abteilung KMU bei der Generaldirektion Forschung, sind sie ein unverzichtbarer Hebel für die wirtschaftliche Entwicklung Europas, da sie 99 % der Unternehmen ausmachen. „Sie schaffen sehr viele Arbeitsplätze und sind einer der Motoren für Innovation.“ Das ist auch der Grund, weshalb Eurostars auf den Weg gebracht wurde. Den großen Erfolg des von Eureka verwalteten Programms haben selbst seine Gründer nicht erwartet. 25 % der Mittel werden von der Europäischen Kommission eingezahlt, die dafür bis 2013 100 Mio. EUR zur Verfügung stellt. Der Rest wird von den 32 Teilnehmerländern beigetragen.

Eurostars ist das erste Programm, das im Bereich der Forschung und Entwicklung aktiven KMU absoluten Vorrang einräumt. Seine Ziele sind rund um die Bedürfnisse und Anliegen der KMU angeordnet“, erklärt Bernd Reichert. Obwohl KMU auch von den Rahmenprogrammen profitieren könnten, sind die damit verbundenen Formalitäten allgemein kosten- und zeitintensiv. Und hier greift Eurostars ein. Sein Hauptziel ist es, KMU bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt bei der Vermarktung ihrer Produkte zu helfen, um den Reifeprozess zu beschleunigen. „Kleine Hightechfirmen können es sich gar nicht leisten zu warten, weil sich ihre Märkte rasant weiterentwickeln“, erläutert Bernd Reichert. „Mit dem schnellen Eurostars-Verfahren hoffen wir, dass KMU eine nachhaltige Innovationsgeschwindigkeit erzielen können.“

Ein Platz für aufgehende Sterne

Die Projekte dauern maximal drei Jahre und sollen die Unternehmen dazu befähigen, ihre Produkte innerhalb von zwei Jahren nach Projektabschluss auf den Markt zu bringen. Nicht die Startups haben Vorrang, sondern Unternehmen mit bis zu 35 Mitarbeitern. Sie müssen bereits einen großen Teil des Weges hinter sich gebracht haben, der zur Entwicklung oder zur Vermarktung eines Produktes führt. Die Projekte konzentrieren sich auch auf Unternehmen, die sich in der Technologieforschung engagieren und dafür mindestens 10 % ihres Umsatzes einsetzen. Die bezuschussten Unternehmen sind vor allem in Hightech-Branchen wie etwa Informatik, Telekommunikation, biomedizinische Technologie und industrielle Werkstoffe tätig.

„Als wir 2008 unsere erste Aufforderung zur Vorschlagseinreichung veröffentlichten, hatten wir nicht mit so vielen Bewerbungen von KMU aus dem Technologiesektor gerechnet. Wir wussten nicht einmal, dass es so viele überhaupt gibt“, erinnert sich Michel Vanavermaete, der für das Eurostars-Programm im Eureka- Sekretariat verantwortlich ist. Auf beide Finanzierungsaufrufe hatten sich Hunderte Kandidaten beworben. Der Durchschnitt lag bei 3,5 Partnern und die beantragte Finanzierungshöhe bei rund 2,9 Mio. EUR pro Projekt. Auch Michel Vanavermaete und seine Kollegen waren über die aussagekräftigen Bewerbungen vieler KMU aus kleinen und benachteiligten Ländern der EU überrascht.

Zu den Hauptmerkmalen von Eurostars gehört seine Bottom-up-Philosophie, wobei jeder Fall auf seine eigenen Leistungen hin bewertet wird. Ein wichtiges Ziel ist auch, diesen lokalen oder nationalen Unternehmen dabei zu helfen, eine internationale Reichweite sowohl in als auch außerhalb Europas zu erzielen. „Wir möchten die Unternehmen ausfindig machen, die das Potenzial zum Google der Zukunft haben. Unser Ziel für die EU ist es, dass sich aus Unternehmen mittlerer Größe große Unternehmen bilden. Wir glauben, dass dies der richtige Weg ist“, erklärt Luuk Borg, Direktor von Eureka. „Unternehmen mit einer hohen Umsatzsteigerung – manchmal bis zu 180 % – sind besonders willkommen.“

Innovation im Osten

Das Programm unterstützt auch KMU aus dem Umweltsektor, der sich in großen Schritten entwickelt. Windenergie, die in ganz Europa von Dänemark bis nach Portugal zum Einsatz kommt, schafft Tausende Arbeitsplätze. Nicht nur in Unternehmen, die Projekte entwickeln, sondern auch in den Betrieben, die Rotorblätter oder Ersatzteile herstellen und liefern. Darunter ist auch das polnische KMU EC Electronics. Es entwickelt Geräte, mit denen Defekte an Windkraftanlagen festgestellt werden können. EC Electronics gehört zu dem Konsortium Smart Embedded Sensor System (SESS), das im Rahmen von Eurostars gegründet wurde und in Polen, Estland und Dänemark ansässig ist.

Die Rolle von EC Electronics im Konsortium besteht darin, das notwendige Material für Kommunikations- und Signaltechnologien für die Überwachung der Rotorblätter zu liefern. Mithilfe des polnischen Unternehmens war es bereits gelungen, Produkte für die Überwachung anderer Bestandteile von Windkraftanlagen zu entwickeln, wie etwa von Getrieben und Rotornaben.

SESS soll die Schäden feststellen, die an verschiedenen Teilen der Windkraftanlage auftreten können. Mit den durchgeführten Analysen lässt sich voraussagen, ob sich Risse oder andere Schäden ausbreiten und wie der Verlauf sein wird“, erklärt Artur Hanc, Direktor von EC Electronics. „Ein einmaliger Aspekt des SESS ist, dass es sowohl von aktiven als auch von passiven Sensorsystemen abhängen wird. Damit könnte man nicht nur die Probleme nachweisen, sobald sie auftreten, sondern von den Sensoren die sensiblen Stellen des Rotorblattes überprüfen lassen. Dadurch wäre eine bessere Beurteilung des Strukturzustands dieser Stellen möglich.“

Auch wenn bisher noch kein von Eurostars finanziertes Unternehmen auf internationalem Parkett das Ausmaß eines „Leuchtturmunternehmens“ erreicht hat, könnten doch einige in den kommenden Jahren durchaus brillieren.

Elisabeth Jeffries

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