KOMMUNIKATION

Die Bedeutung der Klänge

Es gibt viele Wege, wie man sich mitteilen kann, auch lautlose. „Sprechende" Affen antworten ihren Beobachtern mithilfe der Zeichen sprache, bekannt ist auch der Schwänzeltanz der Bienen und viele Tiere modulieren ihre Schreie. Aber manche Spezies, wie Vögel und Walfische, verfügen über eine Sangeskunst, die von einer verwirrenden Komplexität ist.

Schwertwal vor der Insel Unimak in Alaska. Manche Schwertwale kennen außer der gemeinsamen Sprache noch einen weiteren ihrer Gruppe zugehörigen Dialekt, mit dem die Identität der Gemeinschaft gestärkt wird. © CNRS Photothèque/CEBC/Christophe Guinet
Schwertwal vor der Insel Unimak in Alaska. Manche Schwertwale kennen außer der gemeinsamen Sprache noch einen weiteren ihrer Gruppe zugehörigen Dialekt, mit dem die Identität der Gemeinschaft gestärkt wird. © CNRS Photothèque/CEBC/Christophe Guinet

Vor nicht allzu langer Zeit wurde Yosuke, ein Graupapagei aus Gabun, der in einer Vorstadt Tokios lebte und von zu Hause weggeflogen war, von der Polizei eingefangen und in eine Tierklinik gebracht. Dort wiederholte er den Namen seines Besitzers und seine Adresse immer wieder, sodass er wieder zurückgebracht werden konnte. Doch bewusst gesprochen hatte der Vogel nicht. In diesem Fall handelt es sich um die beschränkte Imitation einer menschlichen Sprache. Doch manche Vögel und Säugetiere sind tatsächlich in der Lage, Sprache zu benutzen, deren Komplexität mit der unseren vergleichbar ist.


Präzision und Nuancen

Vögel lernen ihre eigenen Tonleitern, die sich von Art zu Art unterscheiden. Man geht davon aus, dass ihr Gesang mit dem Paarungs- und Revierverhalten zusammenhängt. Thierry Aubin, Verhaltensforscher am NAMC(1), nimmt an, dass die Feldlerche mit ihrem Gesang gleichzeitig sagen kann: „Ich bin eine Feldlerche, ich bin ein Männchen, ich lebe in der Bretagne, ich befinde mich bei der großen Düne am Meer".

Ein Vogel kann tagelang singen, bevor er einen Partner anzieht, und erscheint ein Ein - dringling unerwartet, hört er nicht auf zu singen und hört auch nicht auf dessen Gesang. Die Experten sind sich einig, dass Vögel eine ästhetische Freude an ihrem Gesang haben. Auf die Verwandtschaft zwischen ihren Gesängen und unserer Musik wurde bereits unzählige Male hingewiesen: Rhythmus, Wiederholung, Intensität.

Genauso nuanciert sind die bis in die 1960er Jahre noch unbekannten Gesänge der Meeressäuger. Unter Wasser setzt sich der Schall fast viermal schneller fort als in der Luft, und die Wale setzen Geräusche zu verschiedenen Gelegenheiten ein: zur Echoortung(2), in Form von Pfeiftönen und Schreien, mit denen unterschiedliche Bedeutungen verschlüsselt werden, und auch in Form von Gesängen, die wegen ihrer Länge und komplizierten und repetitiven Struktur so bezeichnet wurden.

Diese Tonfolgen entwickeln sich mit der Zeit weiter und unterscheiden sich zwischen den Arten und manchmal auch innerhalb einer einzelnen Art. Die Forscher zögern auch nicht, darin eine Form der Kultur zu sehen, weil hier ein Verhalten von einer Generation auf die nächste übertragen wird.


Tonfolgen und Dialekte

Der Buckelwal wurde besonders intensiv studiert. Bei diesen Tieren singen nur die Männchen, und das auch nur während der Paarungszeit. Wie bei den Vögeln glauben die Wissenschaftler auch hier, dass diese Melodien an die Weibchen gerichtet sind und/oder als Signale für die Konkurrenten in der Nähe gelten. Der australische Walforscher Michaël Noad stellte unter anderem fest, dass sich die Gesänge im Laufe der Saison verändern und sich vor allem sehr schnell in einem großen Gebiet verbreiten, sodass die Wale dort alle dieselben Tonfolgen benutzen.

Bei den Schwertwalen wiederum gibt es Dialekte. Diese erstaunliche Entdeckung betrifft sesshafte Populationen. Im Gegensatz zu nomadischen Schwertwalen, die nicht so gesprächig sind, haben diese eine Art persönliche Sprache entwickelt, die nur unter den Mitgliedern der Walschule, einer kleinen zusammenlebenden Gruppe von Tieren, verstanden wird. Um über die Gruppe hinaus zu kommunizieren, verwenden diese polyglotten Wale eine andere Sprache, die alle verstehen und mit der Zusammenhalt und Identität der Gemeinschaft gestärkt werden.

Auf dieser Unterwasser-Hitparade liegen jetzt aber die ersten Schatten. Unter wasser - geräusche von Schiffsschrauben, seismischen Sonden und Sonaren dringen in die Stille der Ozeane ein. Ihre Intensität scheint sich alle zehn Jahre zu verdoppeln, wodurch der akustische Bereich der Meeressäuger zurückgedrängt wird. Besorgnis erregend dabei ist, dass diese Tiere auf das Hören angewiesen sind, um sich zu orientieren, zu ernähren und sich fortzupflanzen.


Kirstine de Caritat

  1. Laboratorium für die Neurobiologie des Lernens, des Gedächtnisses und der Kommunikation, CNRS, Paris-Sud (FR).
  2. Mit diesem biologischen Orientierungsmechanismus können manche Tiere, vor allem Fledermäuse, mithilfe ihres Gehörs Hindernisse oder auch andere Objekte lokalisieren, die vom Tier ausgesendete Schallwellen zurückwerfen.

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