EDITORIAL

Nur eine Karikatur?

Michel Claessens
Michel ClaessensChefredakteur

Viele Wissenschaftler behaupten, dass Wissenschaft und Medien nicht gut zusammenpassen. Vereinfachungen bis hin zur Fälschung, Übertreibungen, Fehler: Wissenschaftsjournalismus, so diese Wissenschaftler, habe nicht viel zu tun mit „echter“ Wissenschaft. Er sei bestenfalls eine Karikatur.

Dem ist jedoch nicht so. Indem Journalisten Forschungsergebnisse in eine verständliche Alltagssprache übertragen, tragen sie dazu bei, das Bild der Wissenschaft in der Öffentlichkeit zu vervollständigen, es lebendiger und menschlicher zu machen. Das tun sie ganz besonders, wenn sie über aktuelle Forschungsarbeiten berichten und die Experten ins Rampenlicht stellen.

Ein besonders anschauliches Beispiel ist die Diskussion über den Klimawandel, das zentrale Thema dieser Ausgabe. Gerade hier leisten Journalisten etwas, was Wissenschaftlern heute am meisten fehlt: Sie machen die Probleme für die Öffentlichkeit und die Politik sichtbar. Ohne die Hilfe der Medien, ohne die Arbeit der Wissenschaftsjournalisten, hätte der Weltklimarat sicherlich nie die Aufmerksamkeit der Politiker gefunden. Das sieht auch sein Vorsitzender, Rajendra Kumar Pachauri, so. In einem Beitrag, der im Juni auf der Website SciDev (Réseau Sciences et Développement) veröffentlicht wurde, erklärte er: „In den letzten Jahren haben die Medien eine ganz wesentliche Rolle bei der weltweiten Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Folgen des Klimawandels gespielt. Das ist eine sehr gute Sache. Es ist also keineswegs übertrieben, wenn man sagt, dass die Medien dazu beigetragen haben, die öffentliche Meinung für die Unterstützung der Maßnahmen gegen den Klimawandel zu gewinnen.“

Dass wissenschaftliche Arbeit nicht umsonst ist, sondern der Gesellschaft Nutzen bringt, ohne ihr zu schaden, davon träumt jeder Wissenschaftler. Und dazu leistet der Wissenschaftsjournalismus seinen Beitrag.


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