EDITORIAL

Yes we can't

Michel Claessens
Michel ClaessensChefredakteur

Vor nicht allzu langer Zeit beschwerten wir uns noch über die Unbeliebtheit wissenschaftlicher Themen bei Jugendlichen bzw. über das Desinteresse der Jugend an der Wissenschaft. Doch die Ergebnisse des jüngsten Eurobarometers (Seite 35) belehren uns eines Besseren. Die Jugend interessiert sich für Wissenschaft und ist der Ansicht, dass ihre Fortschritte zum allgemeinen Wohl beitragen! Jedoch werden wissenschaftliche Studien als weit zu anspruchsvoll angesehen und Berufe in diesem Bereich gelten als unattraktiv: Viele junge Menschen haben keine Lust, sich damit zu befassen!

Doch eine Zahl gibt uns zu denken: 26 % der jungen Europäer sind der Ansicht, dass sie nicht das Zeug zum Wissenschaftler oder Ingenieur haben. Drei von vier der Befragten meinen, dass Wissenschaft nichts für sie sei oder eher, dass ihnen die Begabung dazu fehle.

Ist nun Wissenschaft an sich zu kompliziert oder ist es eher das „System“, welches den Mythos aufrechterhält, dass Wissenschaft sich nur an einige wenige Auserwählte richtet?

Vor einiger Zeit haben wir in einer der früheren Ausgaben ein kleines Quiz veröffentlicht : Wissenschaften, Kunst und Geschichte. Am Ende des Fragebogens konnten die Spieler die Kategorie angeben, die sie als schwer empfunden haben. Wie sah das Ergebnis aus? Die Wissenschaften natürlich. Doch wurden genau in dieser Kategorie auch die meisten Punkte erzielt!

Zwar schreckt uns die Wissenschaft ab, doch wissen wir oft mehr als wir denken. Heißt das, dass die Wissenschaften und die Mathematik im derzeitigen System selbst zur Ausgrenzung beitragen, wie von manchen behauptet wird? Eine extreme Ansicht. Doch gilt dasselbe auch für jene, die in diesem Verhalten den Ausdruck eines überholten Klischees sehen.


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