HAUTKREBS

Ein Gespenst geht um

Gutartiger Hauttumor, verursacht durch eine Papillomavirus-Infektion. © Inserm
Gutartiger Hauttumor, verursacht durch eine Papillomavirus-Infektion. © Inserm

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt Alarm. Ihren Vorhersagen zufolge werden ein Fünftel der Amerikaner und die Hälfte der Australier im Laufe ihres Lebens eine Form von Hautkrebs entwickeln. Die Europäer bleiben ebenfalls nicht verschont. Sie haben eine Wahrscheinlichkeit von 1:33, ein Melanom, also die aggressivste Hautkrebsart zu entwickeln.

Das in den westlichen Gesellschaften vorherrschende Schönheitsideal einer leicht gebräunten Haut ist sicherlich in erster Linie für den beunruhigenden Anstieg der Hautkrebserkrankungen verantwortlich. Ohne andere, noch kaum bekannte Ursachen ausschließen zu wollen, sind die Forscher überzeugt: Regelmäßige und längere Exposition gegenüber ultravioletten Strahlen (UV) - natürlichen oder künstlichen - führt zu einer vorzeitigen Hautalterung und begünstigt das Auftreten von Krebsgeschwüren.

Denkt man an Hautkrebs, fällt einem sicher zuerst das Melanom ein. Dabei macht dieser Typ lediglich 10 % der Hautkrebsarten aus. Der am weitesten verbreitete Krebs ist nämlich das Basalzellkarzinom, das allein 70 % der Fälle darstellt.

Der Spinalzellenkrebs hat ein ähnliches Erscheinungsbild, ist jedoch wesentlich gefährlicher und wird in 10 % der Fälle diagnostiziert.

Die verbleibenden 10 % entfallen auf andere, relativ seltene Formen von Hautkrebs.

Die größte Risikogruppe sind und bleiben Kinder. Aufgrund ihrer dünneren Haut können schon kurzzeitige Expositionen zu schwerwiegenden Verbrennungen führen. Studien belegen unter anderem eine Kumulation der mutagenen Effekte von UV-Strahlen im Laufe der Kindheit, was bedeutet, dass leichte Sonnenbrände bei Kleinkindern die Grundlage für ein späteres erhöhtes Auftreten von Melanomen bilden können.

Die Therapieverfahren von heute

Nach der Diagnose beginnt die Behandlung immer mit der chirurgischen Abtragung des bösartigen Gewebes. Muss Haut großflächig abgetragen werden, sodass sich die Wunde nicht auf natürliche Weise schließen kann, wird eine Hauttransplantation vorgenommen. Um eine Ausbreitung des Krebsgeschwürs zu vermeiden, ist es in einigen Fällen erforderlich, auch Lymphknoten zu entfernen, da auch sie befallen sein können. Trotz dieser Maßnahmen beträgt das Rückfallrisiko beim Melanom 50 %.

Parallel dazu lassen sich durch eine Strahlentherapie maligne Zellen teilweise oder ganz zerstören, denn sie halten ionisierender Strahlung weniger gut stand als gesunde Zellen.

Treten Metastasen auf, versucht man auf dem Wege der Chemotherapie, die Krankheit mit Medikamenten unter Kontrolle zu bringen.

Die verabreichten Wirkstoffe greifen direkt all jene Zellen an, die sich ungewöhnlich schnell vermehren, denn das ist das wichtigstes Merkmal von Krebszellen. Die Nebenwirkungen sind beträchtlich, denn über den Blutkreislauf werden alle Organe in Mitleidenschaft gezogen.

Um diesem Problem entgegenzuwirken, gibt es in den seltenen Fällen, in denen die bösartige Veränderung nur an einem Körperteil auftritt, eine Lösung. Mithilfe einer Pumpe wird der Blutkreislauf isoliert, indem dieser Körperteil abgebunden wird. So wird die Verbreitung dieser zytostatischen Wirkstoffe begrenzt.

...und morgen

Ein sehr früh erkannter Krebs bedeutet eine leichtere Behandlung und größere Heilungschancen.

Aus diesem Grunde konzentrieren sich die Forscher auf neue, leistungsfähigere und weniger invasive Diagnosetechniken. „Genau das ist das Ziel des europäischen Konsortiums Skinspection", erklärt Robert Lemor, Projektkoordinator und Leiter der Abteilung Ultraschall am Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT, DE). „Durch die Kombination optischer und akustischer Bildgebungstechniken hoffen wir, den Dermatologen und Chirurgen ein neues Werkzeug bereitstellen zu können, das hochauflösende 3D-Bilder der analysierten Hautregion liefert. Auf diese Weise könnte eine präzise und frühzeitige Diagnose gestellt und beobachtet werden, ob und wie die Behandlung anschlägt." Das Projekt wurde im März 2008 in Angriff genommen und in der jetzigen Phase werden Abläufe und Zeitplan der auszuführenden Experimente festgelegt. Hinsichtlich der künftigen Ergebnisse zeigt sich Robert Lemor schon jetzt optimistisch: „Diese innovative Technik dürfte die Anzahl der ausgeführten unnötigen Abschabungen deutlich verringern, einschließlich der Ablation von Lymphknoten. Der nichtinvasive Aspekt verringert die psychologischen und ästhetischen Folgen für die Patienten.

Auch die Beobachtung der Behandlung wird effizienter. Langfristig hoffen wir, auf diese Weise die Therapiekosten einzudämmen und vor allem die Sterblichkeitsrate bei Hautkrebs zu senken."

Eine vielversprechende Option: Impfstoffe!

Die Impfung der Erkrankten ist zweifelsohne eine neue und interessante Forschungsrichtung. „Mit unserem Projekt soll das Immunsystem des Kranken gegen seine eigenen Krebszellen gerichtet werden. Um das verbleibende bösartige Gewebe zu beseitigen, würde die therapeutische Impfung die traditionellen Methoden ergänzen und könnte sich als eigenständige Behandlung etablieren", erklärt Pierre Coulie, Immunologe am Institut de Duve der Université Catholique de Louvain (BE), das am europäischen Projekt zur Cancerimmunotherapy teilnimmt. „Diese therapeutische Impfung ist vielversprechend; die zahlreichen klinischen Studien der letzten zehn Jahre haben bei bestimmten Probanden ihre Wirksamkeit bereits unter Beweis gestellt. Bei 5 % der am Melanom erkrankten, geimpften Probanden gingen die Metastasen zurück. Der prozentuale Anteil ist noch gering, aber die Behandlung verursacht keinerlei Nebenwirkungen, was bei Krebstherapien selten der Fall ist. Die Forschung arbeitet daran, die Wirkung der Impfung zu verbessern, indem sie versucht zu verstehen, warum die Behandlung bei einigen Patienten wirkt und bei anderen nicht. „Es gibt mehrere interessante Spuren im Hinblick darauf, dass bestimmte Tumoren in der Lage sind, die Effizienz des Immunsystems lokal zu hemmen.

Aber noch befinden wir uns in einer Erkundungsphase und haben noch umfangreiche Grundlagenforschung vor uns, bevor solche Therapien marktfähig werden."

Marie-Françoise Lefèvre


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Lebenswichtige Erkundung

Die verschiedenen genetischen Hautkrankheiten werden unter dem Begriff Genodermatosen zusammengefasst.

Fast 300 sind bekannt, die meisten von ihnen treten nur selten auf, aber jede einzelne zeichnet sich durch Symptome aus, die den Betroffenen meist stark beeinträchtigen. „Man schätzt, dass eine Million Europäer an einer Genodermatose erkrankt sind oder erkranken werden", erläutert Giovanna Zambruno, Ärztin und Koordinatorin des europäischen Projekts Geneskin. „Dank der zugeteilten Geldmittel konnte unser Konsortium aus Experten und Verbänden neue prä- und postnatale Testverfahren entwickeln und validieren. Wir haben besonders die Wissensverbreitung gefördert, indem wir auf unserem Portal sämtliche ermittelten Informationen zur Verfügung gestellt haben, um die Früherkennung und Beobachtung seltener Krankheiten zu verbessern. Die Grundlagenforschung auf diesem Gebiet muss unbedingt unterstützt werden, denn die Behandlungsmethoden beschränken sich im Allgemeinen darauf, die Auswirkungen der häufig schwerwiegenden und in einigen Fällen tödlich verlaufenden Krankheiten zu lindern." Und wenn Europa Mittel bereitstellt, gibt es auch Ergebnisse: Im Dezember 2006 gab ein italienisches Team die erfolgreiche Behandlung eines 36-jährigen Patienten bekannt, der an Epidermolyse bullosa erkrankt war, nachdem ihm genetisch veränderte Epidermiszellen transplantiert worden waren.



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Gesunder Geist durch gesunden Körper

Dermatitiden wie Ekzeme oder Schuppenflechte sind zwar unangenehm, jedoch nicht tödlich. Sie betreffen fast 15 % der europäischen Bevölkerung. Ihre Behandlung verursacht der Volkswirtschaft erhebliche Kosten: Allein in Deutschland werden die Kosten in Verbindung mit Ekzemen und Hautallergien auf 7 Mrd. EUR pro Jahr geschätzt.

Da diese häufig durch Stress ausgelöst werden, haben sich einige Ärzte der Verhaltenstherapie zugewandt. Für diese Option hat sich auch Jo Lambert, Dermatologin am Universitair Ziekenhuis Gent (BE), entschieden. Seit zwei Jahren schlägt sie Patienten, die an einer chronischen Hauterkrankung leiden, ein spezielles Programm vor. „Drei Monate lang kommt eine Gruppe von rund 15 Patienten zur Klinik, um an Yoga-, Sport-, Meditations- und Hautpflegekursen teilzunehmen.

Wir geben Ratschläge zum Schlaf, zum Beenden des Rauchens oder zur Ernährung. Wir haben noch nicht genug Erfahrung gewonnen, um die therapeutische Wirkung des Programms quantifizieren zu können, aber die Patienten haben uns von einer deutlichen Verbesserung ihrer Lebensqualität berichtet. Wir vermitteln ihnen die erforderlichen Kenntnisse, damit sie besser mit der Krankheit umgehen können, und hoffen, dass auf diesem Wege der Bedarf an

Medikamenten verringert und somit die Kosten für die Krankenkasse gesenkt werden können."



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