WICHTIGER RECHTLICHER HINWEIS: Für die Angaben auf dieser Website besteht Haftungsausschluss und Urheberrechtsschutz.

  esdeenfrit
European Flag

   EuropaEuropäische KommissionForschungPressemitteilungen

Brüssels, 13 November, 2000

Kleine Pflanze, grosser Fortschritt
Europäische, amerikanische und japanische Forschende
entziffern das erste Pflanzengenom

EMBARGO: 13. DEZEMBER bis 20.00 (MEZ)

Full information package on the Arabidopsis page

Schlüssel wörter: Genom, Pflanze, Arabidopsis thaliana

Die Europäische Kommission lancierte 1991 das erste Forschungsprojekt zur Entzifferung des Arabidopsis-Genoms, an dem 15 Labors aus verschiedenen Staaten, inklusive den USA und Japan, beteiligt waren. Am 14. Dezember wird das Magazin ‚Nature‘ die erste vollständige Gen-Sequenz einer Pflanze publizieren. Die Analyse der 115 Millionen Basenpaare der Arabidopsis-Pflanze, verteilt auf fast 26‘000 Genen in fünf Chromosomen, zeigt verblüffende Ähnlichkeiten mit Tieren und Menschen. Dieser grosse wissenschaftliche Durchbruch erlaubt es den Forschenden, das Kapitel „Pflanzen“ im „Buch des Lebens“ zu lesen. Nicht nur das: künftige industrielle Anwendungen in Medizin, Landwirtschaft und Umwelt rücken in Griffweite. Die Sequenz ist öffentlich und steht allen interessierten Forschenden zur Verfügung.

Der Europäische Forschungskommissar Philippe Busquin zeigt sich erfreut: „Dieses Projekt ist das Resultat einer Europäischen Initiative. Es zeigt den Nutzen Europäischer Koordination, eines der wichtigsten Ziele des Europäischen Forschungsraums, den wir zur Zeit in den Mitgliedstaaten implementieren. Dieses Projekt zeigt den Wert internationaler wissenschaftlicher Koordination, wenn sie auf europäischer Ebene organisiert wird.“

Die Pressekonferenz in Brüssel findet am Mittwoch, 13. Dezember 2000, um 10.30 Uhr statt. Wissenschaftliche Unterlagen, Fotos und Videomaterial stehen zur Verfügung. Weitere Pressekonferenzen finden in Washington, Tokio und London statt.

Die Europäische Kommission war die erste Institution, welche 1991 begann, die Forschung zur Entzifferung des Arabidopsis Genoms finanziell zu unterstützen. Von 1991 bis 1996 investierte sie 26 Millionen EUR in Arabidopsis-Sequenzierungsprojekte.

Die reiche Ernte an Genen und Analysen wird helfen, die Funktionen mancher Pflanzengene zu verstehen. „Dieses Wissen ist wichtig für die Menschheit und für unsere Suche nach dem Gleichgewicht zwischen Lebensmittelproduktion und dem Schutz der Umwelt“, sagt Mike Bevan vom John Innes Zentrum in Norwich (GB), einer der europäischen Projektkoordinatoren.

Arabidopsis Nachfolgeprojekte

Die Forschung steht nicht still: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Sequenzierung sind zehn Prozent aller Gene experimentell charakterisiert; viele andere vorausgesagte Gene müssen erst noch experimentell validiert werden, ausserdem ist die Funktion von 30 Prozent aller Gene noch komplett unbekannt. Die Bestimmung der Funktion aller Arabidopsis-Gene ist eine der spannendsten Herausforderungen der nächsten Jahre.

Deshalb finanziert die Europäische Kommission dieses Jahr zwei neue Projekte: EXOTIC - Exon trapping Insert Consortium – und REGIA – Regulatory Gene Initiative in Arabidopsis. Sie werden eine Schlüsselrolle in der ‚Genetischen Revolution‘ spielen, indem sie die Genaktivitäten des Arabidopsis-Genoms präzis beschreiben. Ein drittes Projekt, ECCO – European cell cycle consortium, zielt darauf ab, diejenigen Gene zu isolieren und zu studieren, welche die Zellteilung der Pflanzen steuern. Auch dieses Projekt profitiert von den Resultaten der Arabidopsis-Forschung. Diese drei Projekte sind Bestandteil des Forschungsprogramms ‚Lebensqualität und Management lebender Ressourcen‘ und werden von der Europäischen Union mit 14 Millionen EUR unterstützt.

Warum Arabidopsis?

Arabidopsis thaliana oder Ackerschmalwand ist ein einjähriges Unkraut, welches an Strassenrändern und an Gartenmauern wächst. Sie ist mit der Familie der Kraut- und Senfpflanzen verwandt. Arabidopsis hat sich zu einem wichtigen experimentellen Organismus entwickelt, weil es ein kleines Genom hat, leicht im Labor zu züchten ist und sehr viele Samen produziert. Sie wächst auch in diversen Habitaten: von der Arktis bis zum Äquator. Diese Anpassungsfähigkeit ist für die Forschenden von grossem Interesse.

Die Europäische Kommission, die amerikanische ‚National Science Foundation‘ und die japanische Chiba-Präfektur leisteten den grössten finanziellen Beitrag zu dieser Initiative. Labors aus der Europäischen Union, den USA und aus Japan lasen die 115 Millionen Basenpaare, welche fast 26‘000 Gene kodieren, mehr als alle anderen bis heute sequenzierten Genome. „Im Vergleich mit dem Hefegenom haben wir einen grossen Schritt vorwärts gemacht: das Arabidopsis-Genom ist zehnmal grösser als das Hefegenom, es enthält fünfmal mehr Gene und ist viel komplexer aufgebaut, zudem ist die Qualität der Sequenzierung besser“, unterstreicht Werner Mewes vom Max-Planck-Institut für Biochemie in München.

Evolution und Verdoppelung des Genoms

Die Analyse des Genoms hat ein dynamisches Genom zutage gebracht, welches durch den Transfer von bakteriellen Genen, Vorgänger der Plastiden, angereichert wurde. „Obwohl Arabidopsis die Blütepflanze mit dem kleinsten Genom ist, hat sich gezeigt, dass 58 Prozent des Genoms dupliziert ist“, sagen Marcel Salanoubat und Francis Quétier von Genoscope im französischen Evry. Sie sind die Koordinatoren der einen der beiden EU-Forschungsgruppen, welche sich an der Arabidopsis Genom Initiative beteiligten. Es ist wahrscheinlich, dass sich das Arabidopsis Genom vor circa 110 Millionen Jahren verdoppelt hat. Solche Duplizierungen haben eine grosse Rolle bei der Entwicklung von Kulturpflanzen gespielt. Die Analyse der Arabidopsis-Sequenz gibt bietet deshalb die Möglichkeit, das Verhalten von Chromosomen zu verstehen.

Pflanzen synthetisieren alle Nährstoffe aus Luft, Wasser und Erdmineralien. Sie verdanken diese bemerkenswerte Fähigkeit ihres Stoffwechsels teilweise Genen, welche von einer photosynthetischen Bakterie abstammen, die mit der heutigen Blaualge verwandt ist. Diese Gene haben sich durch einen Transfer in den Zellkern entwickelt. Für Wissenschaftler/innen ist besonders interessant, dass die Arabidopsis-Zentromere an die 50 Gene enthalten, die sich exprimieren.

Verständnis von Pflanzenprozessen

Die Genom-Sequenzierung ist nicht nur für die Grundlagenforschung wichtig. Die Forschenden können nun ein detailliertes Wissen über Pflanzenprozesse erwerben: ihren komplexen und einzigartigen Stoffwechsel, ihre Wechselbeziehungen mit der Umwelt und ihren Umgang mit Krankheiten und Seuchen. Aus den Arabidopsis-Genen wird es zunehmend möglich werden, die meisten Gene in anderen Pflanzen vorherzubestimmen, zu identifizieren und zu isolieren. Deshalb werden es diese Entedeckungen ermöglichen, den Wert aller Pflanzen, und vor allem der Kulturpflanzen, zu vermehren. „Das Wissen, das wir jetzt besitzen, hat für die Menschheit den gleichen Wert wie die Sequenzierung des menschlichen Genoms, weil jede und jeder direkt von den Verbesserungen in der Ernährung profitieren wird. Diese Verbesserungen werden aus dem tieferen Verständnis von Pflanzen resultieren“, ist Mike Bevan überzeugt.

Vergleich mit Tieren

Aber die Arabidopsis-Sequenzierung ist nicht nur für die Pflanzenbiologie wichtig. Vergleiche der pflanzlichen Genomsequenzen mit der Fruchtfliege Drosophila oder dem Fadenwurm gibt einen Überblick über die Entwicklung von zellularen Prozessen in diesen unterschiedlichen Lebensformen. Eine der Überraschungen ist, dass Pflanzen, obwohl sehr verschieden von Fliegen, Würmern und Menschen, viele ähnlichen Komponenten für ähnliche Zellfunktionen benutzen. Diese grosse Übereinstimmung von Zellfunktionen bietet eine Grundlage, um die Forschung über verschiedene Organismen miteinander zu verbinden. Man hat bereits herausgefunden, dass verschiedene pflanzliche Proteine ähnliche Aufgaben in Fliegen und Würmern erfüllen.

Zusätzliches Material auf www

Zusätzliche Informationen:

Stephane Hogan, Quality of Life Programme, Research DG
Tel: + 32 2 296 29 65, E-mail:Research Contact

Michel Claessens, Communication Unit, Research DG,
Tel: + 32 2 295 99 71, E-mail: Michel.Claessens@ec.europa.eu


Brüssel, 13. Dezember 2000

Programm der Pressekonferenz

Simultan-Übersetzungen sind in Englisch, Französisch und Deutsch vorgesehen

Time Titel Sprecher
10:30 Einführung A. Mitsos, Director General,
DG Research
10:40 Das Arabidopsis – Sequenzierungs-projekt Prof. Francis Quetier, Genoscope, Centre National de Séquençage, Evry (FR)
10:50 Analyse des Genoms Dr. Werner Mewes, Max-Planck-Institut für Biochemie, Munich (DE)
11:00 Anwendungen & sozio-ökonomische Auswirkungen Dr. Marc Zabeau, Institute for Biotechnology, Gent (BE)
11:10 Projekte der nächsten Generation Javier Paz-Ares, Centro Nacional de Biotechnologia, Madrid (ES)
11:20 Fragen  
12:00 Buffet lunch  

Mehr Informationen über die EU-Forschungsaktivitäten in den Lebenswissen-schaften und –technologien finden Sie unter:
http://cordis.europa.eu/life/

Mehr Informationen über die GD Forschung und frühere Medienmitteilungen finden Sie unter: http://ec.europa.eu/research/index.html


Arabidopsis thaliana - Sequenzierungsprojekte der Europäischen Kommission (1991 – 2000) (1991 – 2000)

1. EU Sequencing on Arabidopsis chromosome 3

Finanziert im EU-Biotechnologieprogramm (1994 – 1998), BIOTECH 2
EU-Beitrag:              5 millionen Euro
Project reference:     BIO4980549
Projektreferenz:        1998 – 2000
Wissenschaftlicher Verantwortlicher bei der EK: Alessio Vassarotti, alessio.vassarotti@ec.europa.eu


Koordinator

Francis Quétier, Marcel Salanoubat, Genoscope; Centre National de Séquençage, Evry, (FR), Tel: 33 1 60 87 25 00, E-mail: quetier@genoscope.cns.fr, salanou@genoscope.cns.fr

Partner/innen


Arabidopsis thaliana - Sequenzierungsprojekte der Europäischen Kommission (1991 – 2000)

2. Plant genome sequencing project

Finanziert im EU-Biotechnologieprogramm (1994 – 1998), BIOTECH 2
Projektreferenz:        BIO4980274
Dauer:                      1998 – 2000
EU-Beitrag:              5 millionen Euro
Wissenschaftlicher Verantwortlicher bei der EK: Alessio Vassarotti, E-mail: alessio.vassarotti@ec.europa.eu

Koordinator

Michael Bevan, John Innes Centre, Norwich, (UK), Tel: 0044 1 603 45 25 71, E-mail: michael.bevan@bbsrc.ac.uk

Partner/innen


Arabidopsis thaliana - Sequenzierungsprojekte der Europäischen Kommission (1991 – 2000) (1991 – 2000)

3. The Arabidopsis genome project

Finanziert im EU-Biotechnologieprogramm (1994 – 1998), BIOTECH 2
EU-Beitrag:            BIO4960338
Projektreferenz:      6 millionen ECU
Dauer:                     1996 – 1998

Kordinator
Andrew Beadle, AMICA Science EEIG, John Innes Centre, Norwich, (UK), Tel: 0044 1603 45 25 71, E-mail: beadle@bbsrc.ac.uk

 

4. European scientists sequencing Arabidopsis ESSA


Finanziert im EU-Biotechnologieprogramm (1988 – 1992), Biotech 1
EU-Beitrag:           5’7 millionen ECU
Projektreferenz:     BIO2930075
Dauer:                   1993 – 1997

Koordinator
Michael Bevan, John Innes Centre, Norwich, (UK), Tel: 0044 1 603 45 25 71, E-mail:  michael.bevan@bbsrc.ac.uk

5. Molecular identification of new plant genes


Finanziert im EU-Biotechnologieprogramm (1990 - 1994)
EU-Beitrag:           4’6 millionen ECU
Projektreferenz:     BIOT CT-900207
Dauer:                   1991 - 1993

Koordinator
Michael Bevan, John Innes Centre, Norwich, (UK), Tel: 0044 1 603 45 25 71, E-mail: michael.bevan@bbsrc.ac.uk

Wissenschaftlicher Verantwortlicher bei der EK: Alessio Vassarotti, E-mail: alessio.vassarotti@ec.europa.eu


Arabidopsis thaliana – Nachfolgeprojekte der Europäischen Kommission (2000 – 2003)

1. Regulatory gene initiative in Arabidopsis REGIA

Finanziert im Programm ‚Lebensqualität und Management lebender Ressourcen‘ (1998 – 2002), QoL
Projektreferenz:       QLG2-1999-00876
Dauer:                     2000 - 2003
EU-Beitrag:             8,5 millionen Euro

Koordinator
Javier Paz-Ares, Centro Nacional, de Biotecnologia, Madrid, (ES), Telephone 0034 91 585 45 04, E-mail: jpazares@cnb.uam.es

2. Exon Trapping insert consortium EXOTIC

Finanziert im Programm ‚Lebensqualität und Management lebender Ressourcen‘ (1998 – 2002), QoL
Projektreferenz:       QLG2-1999-00351
Dauer:                     2000 - 2003
EC-Beitrag:             2,7 millionen Euro

Koordinator
Michael Bevan, John Innes Centre, Norwich, (UK), Tel: 0044 1 603 45 25 71, E-mail: michael.bevan@bbsrc.ac.uk

3. European cell cycle consortium ECCO

Finanziert im Programm ‚Lebensqualität und Management lebender Ressourcen‘ (1998 – 2002), QoL
Projektreferenz:        QLG2-1999-00454
Dauer:                       2000 - 2003
EC Project funding:  3 millionen Euro

Koordinator
Miguel Freire, Cropdesign, Versailles, (FR), Telephone 0033 130 83 30 10, E-mail: miguel.freire@cropdesign.com

Wissenschaftlicher Verantwortlicher bei der EK: Bernard Mulligan, E-mail: bernard.mulligan@ec.europa.eu

Suche Top
PRESSEMITTEILUNGEN | 20.12.2000