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image Europäische Forschung - Information > Forschung und Gesellschaft > Rolle und Kontrolle der Wissenschaftler
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imageimageimage Veröffentlichung: 03/04/2002
 image Rolle und Kontrolle der Wissenschaftler
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  Die Wissenschaftler – Männer und Frauen, deren Macht auf ihrem Wissen beruht. Eine sehr spezielle Berufsgruppe, deren Tätigkeit – auf Grund ihrer ethischen Aspekte – von der Gesellschaft kontrolliert werden sollte. Diesen Standpunkt vertreten die meisten Europäer. Weit weniger Übereinstimmung herrscht zu der Frage, welche Verantwortung Forscher für die Verwendung ihrer Entdeckungen tragen.
   
     
   

„Man kann die Schwerkraft nicht dafür verantwortlich machen, dass man sich verliebt“, sagte Einstein. Eine mögliche Deutung: Die Wissenschaftler können weder beherrschen noch mitverfolgen, was aus ihrer Forschung wird. Zu dieser heiklen Fragen wurden den Europäern sieben Aussagen vorgeschlagen. Die erste (Als Mitglieder der Gesellschaft tragen die Wissenschaftler einen Teil der Verantwortung für jede – gute oder schlechte – Verwendung ihrer Entdeckungen) fand breite Zustimmung (69,1%), während die zweite (Die Wissenschaftler sind verantwortlich für den schädlichen Gebrauch, den andere von ihren Entdeckungen machen), die die Wissenschaftler als Gelehrte und nicht als Bürger herausstellt, ebenso viele Ja- wie Neinstimmen auf sich vereint, wobei jedoch kulturelle und geografische Unterschiede erkennbar werden. Während insgesamt 42,3% der Befragten diese Idee der „allumfassenden“ Verantwortung ablehnen, sind es unter den Personen mit dem höchsten Bildungsniveau 60,5%, und auch die Mehrheit der nordeuropäischen Bürger stimmt dieser Analyse nicht zu.

Wissenschaft und Ethik

Anders präsentiert, wird die Frage nach der Verantwortung der Wissenschaftler auch anders beantwortet; die überwiegende Mehrheit der Europäer (84,4%) sind der Meinung, dass eine Entdeckung an sich weder gut noch schlecht ist. Wie in vielen anderen Fällen kommt es auch hier darauf an, wozu sie verwendet wird.

Geht man – mit dem Beispiel Tierversuche – näher auf das ethische Problem ein, zeichnen sich Unterschiede nicht mehr nach Bildung, sondern nach Geschlecht und Überzeugung ab: Die Mehrheit der Männer (50,6%, gegenüber 40,6% Frauen) akzeptieren diese Versuche, und eine noch klarere Mehrheit (55,4%) jener Befragten, die politisch eher rechts stehen.

Die Kontrolle und die Beachtung ethischer Normen, die in den letzten zwei Vorschlägen angesprochen werden, werden von einer überwältigenden Mehrheit gewünscht. Soziale Kontrolle scheint eine gute Sache zu sein, und zwar in allen kulturellen Schichten (85% der Befragten mit hohem Bildungsniveau „stimmen eher zu“). Aber nach Auffassung von 73,5% der Europäer „sollten Wissenschaftler die Freiheit haben, nach Belieben zu forschen, solange sie die ethischen Normen beachten“.

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Wer ist vertrauenswürdig?

Bleibt die Frage, wem man glauben soll? Wem Vertrauen schenken? Wer ist glaubwürdig, wenn es hart auf hart kommt? Um dies herauszufinden, wurde den Europäern zunächst ein Dutzend Berufe (siehe Tabelle) zur Wahl vorgelegt.

Wissenschaft und Technik schneiden hier sehr gut ab. Die Spitzenreiter unter den glaubwürdigen Spezialisten sind diesem Bereich zuzuordnen: Zuerst kommen die Ärzte (mit 71,1% der Stimmen weit in Führung), dann die Wissenschaftler (44,9%) und danach die Ingenieure (29,8%). Erstere genießen vor allem das Vertrauen der älteren Bevölkerungsgruppen (78% unter den Befragten ab 65), der Franzosen und der Briten. Die beiden anderen Kategorien werden von den Befragten mit hohem Bildungsniveau bevorzugt. Besonders beliebt sind Wissenschaftler in Schweden, Dänemark und Griechenland.

Unter den weniger Vertrauenswürdigen finden sich Journalisten und Geschäftsleute (13,5 bzw. 13,6%), die aber immer noch besser abschneiden als Politiker. Diese bilden mit durchschnittlich 6,6% tatsächlich das Schlusslicht – auch wenn sie in Luxemburg, den Niederlanden und Dänemark besser abschneiden.

Gefragt, wem sie im Falle einer Katastrophe in ihrer näheren Umgebung am meisten vertrauen würden, nennen die Europäer zuerst die Wissenschaftler und dann die Ärzte. Erstere werden von den Personen, die ein längeres Studium absolviert haben, sowie in Dänemark und Griechenland besser benotet (74,7% bzw. 83,4%). Ärzte wiederum erscheinen älteren Menschen besonders glaubwürdig. Während auch die Umweltund Verbraucherschutzverbände ein gutes Ergebnis erzielen, werden die Politiker und Journalisten schon weitaus kritischer beurteilt, und ganz zum Schluss kommen die Unternehmen.

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Graphic elementFrauen und Wissenschaft

Auch wenn die Fragen der Eurobarometer-Erhebung nicht speziell darauf ausgelegt waren, die großen Trends nach Geschlecht herauszufinden, lassen bestimmte Antworten doch unterschiedliche Sichtweisen zwischen Männern und Frauen erkennen, und zwar über nationale oder kulturelle Eigenschaften hinaus.

Im Allgemeinen fühlen sich die Frauen von wissenschaftlichen und technischen Fragen weniger angesprochen (39,6% von ihnen äußern Interesse daran, gegenüber 51,5% der männlichen Befragten). Aber für bestimmte Gebiete sind sie besonders empfänglich, etwa Medizin und Umwelt (68,4%).

Sie äußern sich ablehnender zu bestimmten Fragen als ihre männlichen Interviewpartner. Dies gilt für die GVO, selbst bei den jüngsten unter ihnen (68,1% der 15- bis 24-Jährigen, verglichen mit 60,7% der Jungen dieser Altersgruppe), oder für Tierversuche.

Auf die mangelnde wissenschaftliche „Berufung“ und die Notwendigkeit angesprochen, mehr Frauen dazu zu bewegen, diese Berufe einzuschlagen und diese Fächer zu lehren, befürworteten 70,8% der Befragten diese Lösung. Seltsamerweise sind die Jüngeren diesbezüglich weniger affirmativ (66,8% der Studentinnen).

Von allen Europäern schließlich sind es die Italiener, die sich offenbar am wenigsten für die Idee begeistern können, dass ihre Studienkolleginnen sich für Naturwissenschaften entscheiden (59,4% von ihnen, gegenüber durchschnittlich 70,8% aller Befragten).

 

Beispiel Rinderwahnsinn: Wer ist schuld?

Um dieses Kapitel zu veranschaulichen, gibt es wohl kein besseres Beispiel als die BSE-Krise. Wer war dafür verantwortlich? Vier Möglichkeiten wurden vorgeschlagen: die Nahrungsmittelindustrie, die Politiker, die Landwirte und die Wissenschaftler.

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Auf die Verwicklung dieser Akteure angesprochen, nannten die Befragten zuerst die Industrie (74,3%), dicht gefolgt von den Politikern (68,6%). Weniger streng wurden die Landwirte (59,1%) und die Wissenschaftler (50,6%) beurteilt. Ein Großteil der Europäer (44,6%) erklärte jedoch, zu wenig Informationen zu besitzen, um sich eine Meinung bilden zu können.

Diese Frage zum Thema Rinderwahnsinn, die Aufschluss darüber gibt, wie die Welt der Forscher wahrgenommen wird, wird je nach dem Wissensniveau recht unterschiedlich beantwortet (siehe Grafik). Je höher dieses Niveau ist, um so klarer wird die Verantwortung für diese Epizootie der Industrie, der Politik und der Landwirtschaft zugewiesen, und um so seltener werden die Wissenschaftler für „schuldig“ erklärt. Und natürlich wird in den am höchsten gebildeten Kreisen auch der Mangel an einschlägigen Informationen am wenigsten erwähnt.

Um diese Analyse abzurunden, wurden den Befragten vier mögliche Lösungsvorschläge für derartige Probleme unterbreitet. Eine sehr große Mehrheit von ihnen stimmte den folgenden Aussagen zu:

  • Wissenschaftler müssten uns besser über die eventuellen Risiken bestimmter wissenschaftlicher und technischer Fortschritte informieren (89%);

  • Wissenschaftler müssten ihre wissenschaftlichen Kenntnisse effizienter mitteilen (85,9%);

  • die Industrie müsste besser reguliert werden (82,4%);

  • Politiker sollten sich stärker auf die Meinung der Wissenschaftler stützen (72%).

Es ist wohl kaum möglich, sich gegen diese Vorschläge auszusprechen, aber dennoch zeigt sich, dass die Warnfunktion der Wissenschaftler am meisten Zuspruch findet. Was den Vorschlag bezüglich der Industrie anbelangt, sind im Übrigen Nuancen festzustellen: Diese Maßnahme wird von Führungskräften weit häufiger abgelehnt (13% gegenüber durchschnittlich 7,7%), ebenso von den Bürgern bestimmter, meist nordischer Länder, allen voran Schweden (30,4% sind dagegen).

 

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Überall sind Einschränkungen festzustellen, selbst dort, wo man mehr Vertrauen gegenüber den Wissenschaftlern erwartet hätte, etwa unter den Befragten mit einem hohen Bildungsniveau.

 

 

 


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