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„In den 80er Jahren waren
die Biologen, die sich an die Gründung eines Unternehmens machten,
mehrheitlich gestandene Wissenschaftler. Heute ist es ein Phänomen,
das überwiegend jüngere Forscher betrifft, die sich weder
auf ihren Namen noch auf ihre Beziehungen berufen können, aber
bereits über fundiertes Know-how verfügen und Sinn haben
für ein unternehmerisches Abenteuer“, erklärt der
belgische Forscher und Immunologiespezialist Donny Strosberg. Als
Mitbegründer mehrerer Biotech-Firmen in den vergangenen zwanzig
Jahren, stand er an vorderster Front dieser „Kulturrevolution“,
die einen neuen Typ von „Start-ups“ ins Leben rief.
Kulturwandel
Um sich derart zu lancieren, bedarf es allerdings
einer entsprechenden Ausbildung. Die Kultur der klassischen akademischen
Laufbahn – begründet auf der größtmöglichen
Verbreitung der Forschungsresultate in der internationalen Wissenschaftlergemeinde
– unterscheidet sich tatsächlich beträchtlich von
derjenigen der Privatforschung, die dem Wettbewerbsvorteil Vorrang
gibt. Ein Forscher, der Unternehmer werden will, muss sich daher
eine „Zurückhaltungspflicht“ auferlegen, wenn er
verhindern will, dass seine Ideen im Handumdrehen von seinen Konkurrenten
geplündert und alle Perspektiven einer industriellen Ausbeutung
zunichte gemacht werden. Zudem muss er die Tätigkeit seines
Unternehmens auf einige Jahre hinaus planen, die zu investierenden
Mittel bereitstellen, Auslagen und Einkünfte voraussehen, einen
Geschäftsplan erstellen und sich die Zusammenarbeit
echter Unternehmensverwalter sichern. Die europäischen Universitäten,
die sich dieser Entwicklung (und ihres Interesses) weit gehend bewusst
geworden sind, bauen diese Ausbildung zunehmend in ihre Curricula
ein.
Jenseits der Alma Mater, für jene, die bereits
im Berufsleben stehen und weniger Zeit haben, bietet die Firma Eurobiobiz
(2002 von der Kommission mit 193.000 Euro unterstützt) Workshops
für künftige Forscher-Unternehmer an. Buchhaltung, geistiges
Eigentum, Verhandlungen, Führung der Humanressourcen, Mittelbeschaffung
usw.: All diese Themen stehen auf dem Programm dieser zweitägigen
Lehrgänge, die fast jeden Monat in einer anderen europäischen
Stadt durchgeführt werden. 25 europäische Biotechnologiefirmen
sind bereits von Wissenschaftlern, die durch diese Schule gingen,
gegründet worden.
Im Übrigen ist die Gründung eines Unternehmens
keineswegs die Krönung einsamer Bemühungen eines Forscher-Gründers.
Sie verläuft über eine Vielzahl von Begegnungen, Kontakten,
Verhandlungen mit Geldgebern, die in der Lage sind, für die
oftmals kostspieligen Projekte aufzukommen. Darum bringen die 1998
von der Kommission und der European Association of Securities Dealers
gestarteten Foren „Biotechnologie und Finanzen“
jedes Jahr junge Biotechnologie-Unternehmen und Forscher, die Projekte
entwickelt haben, mit Vertretern aus Industrie- und Finanzkreisen
in Kontakt, die ihnen helfen könnten, Ressourcen zu mobilisieren.
Doppelte Flexibilität
Von einem gewissen Entwicklungsstadium des Unternehmens
an kann der Forscher-Unternehmer jedoch nicht mehr alles selbst
erledigen. Die Handels- oder Finanzdirektion muss dann einem Spezialisten
anvertraut werden, während er selbst wissenschaftlicher Direktor
wird. Manche verwandeln sich so zu „Business Angels“,
die ihre Erfahrung jungen Forscher–Unternehmern zugute kommen
lassen, während andere sich in neue Abenteuer stürzen
und richtigen Spaß an Unternehmensgründungen bekommen.
Donny Strosberg: „Wenn man bemerkt, dass man in einem Unternehmen
weniger nützlich wird, weil die eingeleiteten Forschungen in
der Entwicklungsphase stehen, muss man bereit sein, das Heft weiterzugeben,
und seine Fähigkeiten einer anderen Struktur zur Verfügung
stellen.“
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