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image Europäische Forschung - Information > Reine Wissenschaft > Die Stunde der Forscher-Unternehmer
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image image image Veröffentlichung: 27/11/02
  image Die Stunde der Forscher-Unternehmer
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  Vergessen die Zeiten, als Universitäten und Unternehmen sich wie Porzellanhunde anstarrten. Binnen weniger Jahre hat eine neue Organisation der Forschung, zentriert um die Leitfigur des Forscher-Unternehmers, Platz gegriffen.
   
     
   

„In den 80er Jahren waren die Biologen, die sich an die Gründung eines Unternehmens machten, mehrheitlich gestandene Wissenschaftler. Heute ist es ein Phänomen, das überwiegend jüngere Forscher betrifft, die sich weder auf ihren Namen noch auf ihre Beziehungen berufen können, aber bereits über fundiertes Know-how verfügen und Sinn haben für ein unternehmerisches Abenteuer“, erklärt der belgische Forscher und Immunologiespezialist Donny Strosberg. Als Mitbegründer mehrerer Biotech-Firmen in den vergangenen zwanzig Jahren, stand er an vorderster Front dieser „Kulturrevolution“, die einen neuen Typ von „Start-ups“ ins Leben rief.

Kulturwandel

Um sich derart zu lancieren, bedarf es allerdings einer entsprechenden Ausbildung. Die Kultur der klassischen akademischen Laufbahn – begründet auf der größtmöglichen Verbreitung der Forschungsresultate in der internationalen Wissenschaftlergemeinde – unterscheidet sich tatsächlich beträchtlich von derjenigen der Privatforschung, die dem Wettbewerbsvorteil Vorrang gibt. Ein Forscher, der Unternehmer werden will, muss sich daher eine „Zurückhaltungspflicht“ auferlegen, wenn er verhindern will, dass seine Ideen im Handumdrehen von seinen Konkurrenten geplündert und alle Perspektiven einer industriellen Ausbeutung zunichte gemacht werden. Zudem muss er die Tätigkeit seines Unternehmens auf einige Jahre hinaus planen, die zu investierenden Mittel bereitstellen, Auslagen und Einkünfte voraussehen, einen Geschäftsplan erstellen und sich die Zusammenarbeit echter Unternehmensverwalter sichern. Die europäischen Universitäten, die sich dieser Entwicklung (und ihres Interesses) weit gehend bewusst geworden sind, bauen diese Ausbildung zunehmend in ihre Curricula ein.

Jenseits der Alma Mater, für jene, die bereits im Berufsleben stehen und weniger Zeit haben, bietet die Firma Eurobiobiz (2002 von der Kommission mit 193.000 Euro unterstützt) Workshops für künftige Forscher-Unternehmer an. Buchhaltung, geistiges Eigentum, Verhandlungen, Führung der Humanressourcen, Mittelbeschaffung usw.: All diese Themen stehen auf dem Programm dieser zweitägigen Lehrgänge, die fast jeden Monat in einer anderen europäischen Stadt durchgeführt werden. 25 europäische Biotechnologiefirmen sind bereits von Wissenschaftlern, die durch diese Schule gingen, gegründet worden.

Im Übrigen ist die Gründung eines Unternehmens keineswegs die Krönung einsamer Bemühungen eines Forscher-Gründers. Sie verläuft über eine Vielzahl von Begegnungen, Kontakten, Verhandlungen mit Geldgebern, die in der Lage sind, für die oftmals kostspieligen Projekte aufzukommen. Darum bringen die 1998 von der Kommission und der European Association of Securities Dealers gestarteten Foren „Biotechnologie und Finanzen“ jedes Jahr junge Biotechnologie-Unternehmen und Forscher, die Projekte entwickelt haben, mit Vertretern aus Industrie- und Finanzkreisen in Kontakt, die ihnen helfen könnten, Ressourcen zu mobilisieren.

Doppelte Flexibilität

Von einem gewissen Entwicklungsstadium des Unternehmens an kann der Forscher-Unternehmer jedoch nicht mehr alles selbst erledigen. Die Handels- oder Finanzdirektion muss dann einem Spezialisten anvertraut werden, während er selbst wissenschaftlicher Direktor wird. Manche verwandeln sich so zu „Business Angels“, die ihre Erfahrung jungen Forscher–Unternehmern zugute kommen lassen, während andere sich in neue Abenteuer stürzen und richtigen Spaß an Unternehmensgründungen bekommen. Donny Strosberg: „Wenn man bemerkt, dass man in einem Unternehmen weniger nützlich wird, weil die eingeleiteten Forschungen in der Entwicklungsphase stehen, muss man bereit sein, das Heft weiterzugeben, und seine Fähigkeiten einer anderen Struktur zur Verfügung stellen.“

     
 
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Angesichts der Entwicklung der Spin-offs und des Wunsches vieler junger Forscher, ihrer Arbeit eine unternehmerische Dimension zu geben, haben zahlreiche europäische Universitäten Lehrgänge zur Unternehmensgründung in ihre Curricula aufgenommen. - © NeuroSearch

Angesichts der Entwicklung der Spin-offs und des Wunsches vieler junger Forscher, ihrer Arbeit eine unternehmerische Dimension zu geben, haben zahlreiche europäische Universitäten Lehrgänge zur Unternehmensgründung in ihre Curricula aufgenommen.
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