Vision 2020 für den Europäischen Forschungsraum

Am 2. Dezember 2008 haben die Europäische Kommission und der Ministerrat, der die 27 Mitgliedstaaten vertritt, eine "Vision 2020" für den Europäischen Forschungsraum verabschiedet. Diese ist Teil des Ljubljana-Prozesses für die Gestaltung des Europäischen Forschungsraums, der von der Europäischen Kommission und dem Rat im Mai 2008 eingeleitet wurde.

Vision 2020 für den Europäischen Forschungsraum

Bis 2020 werden alle Akteure im gesamten EFR uneingeschränkt von der "Fünften Grundfreiheit", dem freien Verkehr von Forschern, Wissen und Technologie profitieren. Der EFR bietet attraktive Bedingungen sowie wirksame und effiziente Entscheidungsstrukturen für Forschungstätigkeiten und Investitionen in F&E-intensiven Sektoren in Europa. Er bewirkt einen deutlichen Zusatznutzen, indem er einen soliden europaweiten Wettbewerb im Bereich der Wissenschaft fördert und zugleich für eine angemessene Zusammenarbeit und Koordination sorgt. Er trägt den Bedürfnissen und Wünschen der Bürger Rechnung und leistet einen bedeutenden Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit in Europa.


Der europäische forschungsraum (EFR) ist fest in der gesellschaft verankert und trägt in dem streben nach nachhaltiger entwicklung ihren bedürfnissen und erwartungen rechnung

Die mit öffentlichen Mitteln unterstützte europäische Wissenschafts- und Technologiebasis spielt eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, durch Spitzenforschung von Weltrang den Bedürfnissen der Bürger und Unternehmen gerecht zu werden.

Großen Herausforderungen wird mit hohen öffentlichen und privaten Investitionen in die Forschung sowie strategischen Partnerschaften begegnet, an denen die Gemeinschaft, die Mitgliedstaaten und assoziierte Staaten in variabler Geometrie beteiligt sind und denen gemeinsame Zielvorstellungen zugrunde liegen.

Die Forschung trägt ihrerseits zur Entwicklung einzelstaatlicher wie gemeinschaftlicher Maßnahmen bei und liefert Entscheidungsträgern zugängliche, vielfältige und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse.

Der EFR stützt sich auf gegenseitiges Vertrauen und einen kontinuierlichen Dialog zwischen Gesellschaft und Experten in den Bereichen Wissenschaft und Technologie. Die Freiheit der Forschung ist ein anerkannter Grundsatz. Die im Rahmen des EFR betriebene Forschung achtet die ethischen Grundsätze der EU und unterstützt ihre demokratischen Werte sowie die Kultur und Identität der einzelnen Mitgliedstaaten.

Der EFR erlaubt Europa, in internationalen Foren und im Dialog mit seinen wichtigsten internationalen Partnern mit einer Stimme zu sprechen. Staatliche Behörden auf allen Ebenen fördern gemeinsam die Kohärenz zwischen ihren Kooperationsmaßnahmen im Bereich F&E und entwickeln gemeinsame Initiativen, die Europa eine Führungsrolle bei der Bewältigung globaler Herausforderungen und dem Erreichen nachhaltiger Entwicklungsziele zuweisen.

Der EFR gibt den europäischen weg zu spitzenleistungen in der forschung vor und ist ein wichtiger motor der europäischen wettbewerbsfähigkeit in der globalisierten welt

  1. Die modernisierung der systeme im bereich forschung geht mit der modernisierung der bildungs - und innovationssysteme einher
  2. Auf allen Ebenen wird - mit Unterstützung geeigneter europäischer Mechanismen - eine starke Interaktion innerhalb des "Wissensdreiecks" (Bildung, Forschung und Innovation) gefördert, die vom einzelnen Forscher über Sponsoren, Universitäten und Forschungsinstituten bis hin zu KMU und multinationalen Unternehmen reicht.

    Unter angemessener Beteiligung der einschlägigen Akteure entwickeln die staatlichen Behörden auf allen Ebenen gemeinsame Forschungs- und Innovationspolitiken und -programme, wo dies geboten ist, um ihre Effizienz und Wirksamkeit sowie den Zusatznutzen für Gesellschaft und Wirtschaft zu optimieren.

    Das Angebot an Humanressourcen in Wissenschaft und Technologie wird der Nachfrage seitens öffentlicher und privater Forschungseinrichtungen gerecht, und der EFR trägt zur Entwicklung geeigneter Ausbildungsstrukturen, zu einer ausgewogenen Mobilität von Forschungstalenten sowie zur Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben bei.

  3. Der EFR unterstützt die entwicklung der europäischen wettbewerbsfähigkeit.
  4. Unternehmen erhalten Anreize für Innovationen und Investitionen in Europa, insbesondere im Bereich F&E. Im EFR tätige Unternehmen ziehen Nutzen aus einem Binnenmarkt für innovative Waren und Dienstleistungen und hervorragende Möglichkeiten, in weltweit wachsende Märkte zu exportieren. Sie nutzen in vollem Umfang die Möglichkeiten offener Innovation durch einen Binnenmarkt für Wissen einschließlich eines funktionierenden Rahmens zum Schutz der Rechte des geistigen Eigentums.

    Im gesamten EFR können Unternehmen - einschließlich junger, innovativer Unternehmen und KMU - ohne weiteres Forschungspartnerschaften mit einer öffentlichen europäischen Wissenschaftsbasis eingehen und ziehen Nutzen aus attraktiven Rahmenbedingungen auf der Grundlage proaktiv festgelegter Normen und eines koordinierten öffentlichen Beschaffungswesens, wodurch ihnen der Zugang zu europäischen Hochwachstumsmärkten für innovative Konzepte, Waren und Dienstleistungen erleichtert wird.

  5. . und bietet herausragenden forschern und forschungs institutionen koordinierte unterstützung
  6. Öffentliche Einrichtungen im gesamten EFR tragen zu wissenschaftlich-technischer Exzellenz von Weltniveau in Europa bei, indem sie Kooperations- und Koordinationsmöglichkeiten nutzen, wo diese einen deutlichen Zusatznutzen bieten. Dazu werden einzelstaatliche und regionale Forschungssysteme, politische Ziele sowie Mechanismen und Programme zur Verbreitung und Unterstützung - Kernelemente des EFR - entwickelt, die einfach und kohärent gestaltet sind.

    Ein bedeutender Teil der öffentlichen Mittel für die Forschung wird im Rahmen eines EFR-weiten offenen Wettbewerbs bereitgestellt, der auf die Qualität und Relevanz der Forschung ausgerichtet ist und damit schrittweise die erforderliche Spezialisierung und Konzentration auf Exzellenzcluster optimaler Größe herbeiführt und gewährleistet, dass Forschungsgelder so wirksam wie möglich eingesetzt werden.

    Öffentliche Mittel räumen einer Bottom-up-Kreativität breiten Spielraum ein und lassen eine fruchtbare Vielfalt unterschiedlicher Ansätze zu, mit Herausforderungen umzugehen. Dazu gehören uneingeschränkt offene Forschungstätigkeiten ohne Vorgaben, die vom Europäischen Forschungsrat und einzelstaatlichen Einrichtungen finanziert werden und für die sich einzelne Wissenschaftler oder Teams innerhalb einzelner Staaten sowie im grenzüberschreitenden Rahmen innerhalb der EU direkt bewerben können.

  7. Zugleich wird der aufbau wissenschaftlich - Technologischer kapazitäten in der gesamten EU vorangetrieben
  8. Alle europäischen Länder und Regionen bauen unter vollem Einsatz ihres Forschungspotenzials ihre Stärken weiter aus und behalten bzw. erhalten zugleich Zugang zu ergänzendem Fachwissen und Kapazitäten in den Bereichen Forschung und Entwicklung im übrigen Europa. Dies geschieht mit Hilfe beträchtlicher Unterstützung der Kohäsionspolitik und angemessener länderübergreifender Koordinierung, wodurch gewährleistet werden soll, dass diese Kapazitäten sich optimal auf ganz Europa verteilen.

    Als Teil des vielfältigen und breiten Spektrums wissenschaftlicher Einrichtungen von höchstem Rang fördern groß angelegte Infrastrukturprojekte im EFR herausragende, international wettbewerbsfähige wissenschaftliche Leistungen und werden gegebenenfalls auf EU-Ebene kofinanziert, wobei innerhalb kurzer Zeit neue dezentrale Infrastrukturen entstehen. Sie bieten gleichberechtigten Zugang zu modernsten Forschungseinrichtungen und Technologiedemonstrationssystemen von Weltniveau.


Der EFR bietet einen grenzenlosen, weltoffenen raum der freiheit und der möglichkeiten für dialog, austausch und interaktion.

Im EFR sind dem offenen Wissensverkehr keine nationalen Grenzen gesetzt. Staatliche Behörden auf allen Ebenen verfolgen einen Ansatz, der die Zusammenarbeit mit Drittländern auf der Grundlage gemeinsamer Interessen einschließlich des angemessenen Umgangs mit geistigem Eigentum und seines Schutzes anstrebt. Der EFR steht im Zentrum der globalen Netzwerke all derjenigen, die wissenschaftliches und technologisches Wissen hervorbringen, weitergeben und nutzen.

Gemeinsame Rahmenbedingungen, Leitlinien und gegebenenfalls Rechtsvorschriften erleichtern die Schaffung und das Funktionieren transnationaler Märkte und Netzwerke, die eine zielführende und effiziente Interaktion der EFR-Beteiligten untereinander gestatten.

Forschungseinrichtungen im gesamten EFR steht es bei ihren strategischen und finanziellen wie auch bei ihren Managemententscheidungen frei, langfristige Partnerschaften und Allianzen mit europäischen wie internationalen Partnern einzugehen und effiziente Kontakte mit der Wirtschaft und anderen Akteuren zu pflegen. Dies wird durch einen offenen Binnenmarkt für Auftragsforschung und angemessene Vorgaben für den Umgang mit geistigem Eigentum erleichtert.

Mittels hoch leistungsfähiger interoperativer Informationssysteme sind die Akteure im gesamten EFR in der Lage, (auch über einen freien Zugang) auf Fachwissen zuzugreifen, es zu verwalten und gemeinsam zu nutzen.

Europäische Forschungseinrichtungen bieten attraktive Arbeitsbedingungen für Forscher und Forscherinnen aus allen Teilen der Welt im Rahmen eines einheitlichen Arbeitsmarktes, der eine Mobilität zwischen Ländern und Sektoren mit geringfügigen finanziellen und verwaltungstechnischen Hindernissen ermöglicht.