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Von Estremadura zur e-Estremadura

Den Rückstand aufholen
Interview: Die Informationsgesellschaft für alle und mit allen


Die Estremadura setzt auf die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), um ihre durch die Randlage bedingte Benachteiligung zu überwinden. Die Regionalregierung spielt dabei eine Vorreiterrolle. Ihr Ziel ist es, die mangelnden Mittel aufseiten der Wirtschaftsträger in einigen Gebieten dieser Region auszugleichen.

infodex Modernisierung der Produktionsstrukturen, ein besseres Dienstleistungsangebot für die Bürgerinnen und Bürger, Abbau der Disparitäten zwischen ländlichen und städtischen Gebieten und das Wirken als Katalysator für die Integration zwischen Spanien und Portugal - mit diesen Prioritäten wurde das Projekt Informationsgesellschaft für Estremadura ins Leben gerufen.

Das Projekt startete 1997 mit der Gründung von Infodex. Diese Strategie wird zu gleichen Teilen von der Regionalregierung und den europäischen Strukturfonds im Rahmen der regionalen Initiative für die Informationsgesellschaft RISI (Regional Information Society Initiative) finanziert. Infodex sollte zunächst die Situation analysieren und den Bedarf ermitteln, um dann die Leitlinien der Strategie für den Aufbau der Informationsgesellschaft festzulegen.

Der Schlüssel dazu ist das Intranet in Estremadura. Dieses Netz, in das sich Sekundärnetze einklinken sollen, wird am Ende 1478 Zugangspunkte in der gesamten Region anbieten. Im Dezember 2000 wurde die Baustelle an die spanische Telekommunikationsgesellschaft Retevision übergeben. Das Intranet soll von der 2. Jahreshälfte 2002 an betriebsbereit sein.

Parallel zu diesen Infrastrukturarbeiten realisiert die Region verschiedene Projekte in einzelnen Bereichen, um das Ganze mit Inhalt zu versehen. Die Galionsfigur dieser Projekte ist ohne Zweifel das Technologie-Bildungsnetzwerk.

"Das Material, das 123 Primarschulen den Anschluss an das Intranet ermöglichen soll, wird derzeit ausgeliefert", berichtet eine Verantwortliche von Infodex. "Außerdem werden in 18 Zentren, die im gesamten Gebiet an das Netzwerk angeschlossen sind, jetzt die Lehrer ausgebildet, die dann wiederum die Schüler ausbilden sollen."

Weitere Strategieprojekte sind das Gesundheitsnetzwerk der Estremadura, das noch im Entstehen ist, zwei Unternehmenszentren, eines in Badajoz, das andere in Cáceres, die Startups im Bereich der IKT ermöglichen, eine virtuelle Messe und das Projekt "Nuevos Centros des Conocimiento" (Neue Wissenszentren) für Bereiche wie die Alphabetisierung und die soziale Integration, das sich bereits auf 32 Einrichtungen in der gesamten Region stützen kann.

Das Ganze ist eine riesige Baustelle, die ohne die Unterstützung der europäischen Strukturfonds in dieser Form nicht möglich gewesen wäre. Das neue operationelle Programm für Estremadura (Zeitraum 2000-2006) sieht eine spezielle Maßnahme für die Informationsgesellschaft vor, die mit 37,8 Mio. Euro ausgestattet ist. Darüber hinaus wird Estremadura sicherlich auch von dem nationalen Entwicklungsprogramm profitieren, das sich ausschließlich mit der Informationsgesellschaft befassen soll, sobald es von der Kommission angenommen wird. Dieses überregionale und aus nur einem Fonds (EFRE) finanzierte Programm erhält 446,6 Mio. Euro aus Gemeinschaftsmitteln. Es soll die Nachfrage nach den Informations- und Kommunikationstechnologien ankurbeln und in erster Linie den KMU und dem öffentlichen Dienst offen stehen. Außerdem wird Estremadura Projekte im Rahmen der Regionalprogramme für innovative Maßnahmen vorstellen.

Weitere Informationen finden Sie auf dem Website der Regierung von Estremadura: http://www.juntaex.es

Den Rückstand aufholen

Geografisch betrachtet ist die Region zweifellos eine Randregion. In Estremadura, im äußersten Südwesten der Europäischen Union zwischen dem Zentrum der Iberischen Halbinsel und Portugal, leben ziemlich verstreut knapp 26 Einwohner pro km2. Nur 7 der 382 Gemeinden in dieser autonomen Gemeinschaft haben mehr als 25.000 Einwohner.

Wirtschaftlich gesehen gehört Estremadura zu den Regionen mit Entwicklungsrückstand, denn ihr BIP beträgt nur 50% des Gemeinschaftsdurchschnitts.

Die Landwirtschaft ist der führende Sektor, um den sich eine Vielzahl anderer Aktivitäten schart wie die Nahrungsmittelindustrie oder Anbieter landwirtschaftlicher Dienstleistungen. Die durchschnittliche Produktivität ist niedrig, die Bevölkerung ist überaltert, und die Arbeitslosenquote liegt bei 25,5%.

Estremadura, die als Ziel-1-Region aus den Strukturfonds und aus dem Kohäsionsfonds gefördert wird, hat die Gemeinschaftsförderung genutzt, um ihren Rückstand auszugleichen. Im Zeitraum 1994-1999 lag das Schwergewicht zum einen auf der regionalen Integration und Gliederung durch Modernisierung und Ausbau der Kommunikations-, Telekommunikationsnd Energienetze und zum anderen auf dem Umweltbereich (Sanierung der Naturparks, Wiederaufforstung, Abfallbewirtschaftung).

Im Zeitraum 2000-2006 beläuft sich die Intervention der Strukturfonds auf 2,1 Mrd. Euro. Das operationelle Programm für die Estremadura hat zwei übergeordnete Ziele: die Stärkung der Produktionsgrundlagen und den Abbau der Arbeitslosigkeit.

Erreicht werden sollen diese Ziele durch Investitionen in die Infrastruktur im Verkehrs- und Bildungsbereich und in die Bewirtschaftung der beachtlichen Umweltressourcen. Auch Maßnahmen zur Verbesserung der Qualifikation der Humanressourcen und zur Förderung der neuen Informationstechnologien gehören dazu. Der Kohäsionsfonds wird sich an Investitionen im Bereich der Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Abfallbewirtschaftung und am Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, z. B. der Eisenbahnverbindung zwischen Portugal und Spanien beteiligen.

Einige Zahlen :  
Gesamtfläche :
41 634 km2
Einwohner :
1 070 244 (1997)
Pro-Kopf BIP :
50% des EU-Durchschnitts (1998)
Arbeitslosenquote :
25,5% (1999)


Interview: Die Informationsgesellschaft für alle und mit allen

Juan Carlos Rodríguez Ibarra,
Präsident der autonomen Regierung der Region Estremadura
 

Durch die Erweiterung der Union in Richtung Osten werden Spanien und vor allem die Estremadura stärker als je zuvor an den Rand gedrängt.

Dies ist die Sichtweise des Industriezeitalters, die allerdings in der Ära der Informationsgesellschaft und der neuen Technologien ihre Gültigkeit verliert. Wie wäre es sonst zu erklären, dass zwei Randstaaten wie Irland und Finnland zurzeit eine triumphale Entwicklung erleben? Die Frage ist nicht mehr, ob sich eine Region in Randlage befindet. Vielmehr geht es darum, wie jeder Einzelne seine Rolle in dem voll digitalisierten und vernetzten globalen Dorf definiert.

Ist Estremadura für die Herausforderungen der Informationsgesellschaft gerüstet?

Vier Jahre ist es jetzt her, dass wir aufgebrochen sind und uns auf den Weg gemacht haben in die Informationsgesellschaft, noch vor der spanischen Zentralregierung.

Wird diese Bewegung nicht gebremst durch die wirtschaftlichen und demografischen Bedingungen in der Estremadura? Die großen Akteure im Telekommunikationssektor sind schließlich nicht so leicht zu mobilisieren, solange die Aussichten auf Gewinn gering sind.

Wir haben uns vorgenommen, den Eintritt in die Informationsgesellschaft nicht dann vorzunehmen, wenn die großen Finanzkonzerne dies beschließen, wie es bei den Fahrkartenautomaten oder den Handys der Fall war, sondern wenn die Bürgerinnen und Bürger den Zeitpunkt für gekommen halten, weil sie über die erforderliche Ausbildung und die notwendige Infrastruktur verfügen.

Wie soll diese gewaltige Revolution vor sich gehen?

Durch eine bürgerorientierte Strategie, die sich auf zwei Pfeiler stützt. Erstens sind wir dabei, ein eigenes Netz aufzubauen, das Intranet der Estremadura. Es soll alle Dienststellen der Regionalverwaltung vernetzen und für alle privaten und öffentlichen Akteure in Wirtschaft und Gesellschaft wie auch im privaten Bereich zugänglich sein. Zweitens schaffen wir derzeit Zugangsmöglichkeiten und Bildungsangebote für die Öffentlichkeit, damit sich die Bevölkerung mit den neuen Technologien vertraut machen und sie in das tägliche Leben integrieren kann. Diese Kampagne der technologischen Alphabetisierung beginnt in der Schule und wird von dort auf die gesamte Bevölkerung übergreifen.


 

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