Ausbau der Schieneninfrastruktur in Thüringen

Mit der Einrichtung einer Verbindung von Erfurt nach Leipzig und Halle wird eine durchgehende Bahnstrecke, die in Nord-Süd-Richtung quer durch Deutschland von Hamburg nach München führt, um einen fehlenden Abschnitt ergänzt. Die Modernisierung und Vollendung der Bahnstrecke stärkt nicht nur die nationale und europäische Mobilität, sondern schafft während und nach der Umsetzung des Projekts auch Arbeitsplätze.

 Weitere Extras

 

Das von der deutschen Bundesregierung im Jahr 1991 anerkannte „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8“ (VDE 8), dessen Gesamtkosten auf etwa 10 Milliarden EUR veranschlagt werden, ist eines der größten und innovativsten Infrastrukturinitiativen Deutschlands und besteht aus sechs quer durch Deutschland führenden Kernnetzkorridoren.

Das derzeitige „Verkehrsflickwerk“ soll durch ein europäisches Netz ersetzt werden

Der Lückenschluss zwischen Erfurt und Leipzig/Halle bildet die zentrale Maßnahme für die Verbindung zwischen München und Hamburg. Die neue Trasse (VDE 8.2, Module 2 und 3) von Erfurt nach Leipzig/Halle ist sowohl in Ost-West- als auch in Nord-Süd-Richtung ein wichtiger Schritt für die Eisenbahninfrastruktur. Modul 3 des Projekts VDE 8.2 bezieht sich auf den Aufbau einer 29,3 km langen elektrischen Oberleitung von der Landesgrenze Sachsen-Anhalt/Thüringen nach Erfurt, während sich Modul 2 auf den Abschnitt zwischen Gröbers (Halle) und der Landesgrenze Sachsen-Anhalt/Thüringen bezieht.

Die mit den beiden Modulen erreichte Verbesserung der Bahnverbindungen kommt den zwei Millionen Anwohnern der Region mit Sicherheit zugute, indem es die Lebensqualität im Alltag von Reisenden, Pendlern und Touristen verbessert. Das Projekt dient jedoch auch dem Aufbau eines leistungsfähigeren und gut angebundenen Schienennetzes in der EU im Rahmen des europäischen Maßnahmenprogramms TEN-V. 

Mit dieser EU-Strategie für die Verkehrsinfrastruktur sollen die Lücken zwischen den Verkehrsnetzen der EU-Länder geschlossen und nahtlose Transportketten im Personen- und Güterverkehr gefördert und gestärkt werden, während mit aktuellen technologischen Trends Schritt gehalten wird. Wie die EU-Kommissarin für Regionalpolitik, Corina Crețu, betont, ist der Verkehr von entscheidender Bedeutung für die europäische Wirtschaft und es seien Verbindungen wie diese, die Europa zu Wachstum und Wohlstand verhelfen.

Hintergründe und Nutzen

Die vorhandenen Eisenbahninfrastrukturen waren nicht mehr geeignet, um der Zunahme des Schienenverkehrsaufkommens gerecht zu werden. Die neue Bahnstrecke verbessert nicht nur die Verbindungsdichte, sondern bietet auch eine bequeme Alternative zum Reisen per Auto oder Flugzeug bei gleichzeitiger Verringerung der Kohlenstoff-Emissionen und der Umweltbelastung. 

Der innovative Aspekt der Trasse ist dabei nicht zu unterschätzen: Allein auf diesem Abschnitt (Module 2 und 3) wurden zahlreiche neue Ingenieurbauwerke errichtet, darunter neun Tunnel und zehn Brücken. Die Scherkonde-Talbrücke, die sich über einen landwirtschaftlichen Wasserspeicher erstreckt, wurde 2012 mit dem Deutschen Brückenbaupreis ausgezeichnet.

Mit Hochgeschwindigkeitszügen, die auf der neuen Strecke mit Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h fahren können, wird die Fahrzeit verkürzt und zugleich das Komfortniveau für die Fahrgäste erhöht. Die Reisezeit zwischen München und Berlin verkürzt sich von sechs auf vier Stunden.

Das Projekt bringt jedoch nicht nur Vorteile für Bahnreisende, sondern sorgt auch für die Schaffung von Arbeitsplätzen: geschätzte 808 während und 696 nach der Umsetzung des Projekts. Die Schnellfahrstrecke Halle-Erfurt-Leipzig wurde am 9. Juni 2015 von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeweiht.

Gesamtinvestition und EU-Finanzierung

Die Gesamtinvestition für das Projekt „Neubaustrecke Erfurt – Leipzig/Halle (Saale), Modul 3 – Oberleitungen im Abschnitt Thüringen“ beläuft sich auf 16 000 000 EUR, von denen EUR 10 400 000 aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen des operationellen Programms „Verkehrsinfrastruktur der Bundesrepublik Deutschland“ für den Programmplanungszeitraum 2007-2013 finanziert werden. Für die Module 2 und 3 zusammengenommen werden EU-Gesamtinvestitionen in Höhe von etwa 33 000 000 EUR bereitgestellt.

Datum des Entwurfs

14/04/2016