Naturparks ohne Hindernisse

Mehrere europäische Naturparks, die zwar geographisch benachbart aber durch eine Landesgrenze voneinander getrennt sind, haben Annäherungsmaßnahmen ergriffen, die zu ihrer Vereinigung führen könnten. Dies ist jedoch leichter gesagt als getan.

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Treffen der französischen und italienischen Bergführer und Verwalter der Schutzhütten, um einen Wanderweg durch die 5 Parks des Monte Viso festzulegen. Treffen der französischen und italienischen Bergführer und Verwalter der Schutzhütten, um einen Wanderweg durch die 5 Parks des Monte Viso festzulegen.

Kontext

Zwei Gebiete aber nur eine Landschaft: Die Nordvogesen in Frankreich und der Pfälzerwald in Deutschland wurden zwar durch den Lauf der Geschichte voneinander getrennt, bilden aber eine geographische Einheit: ihnen gemeinsam sind Sandstein, Gewässer und Wälder sowie eine Fauna, deren bemerkenswertester Vertreter der Luchs ist. Seit zirka 15 Jahren arbeiten der regionale Naturpark Nordvogesen und der Naturpark Pfälzerwald im Rahmen der europäischen INTERREG-Programme an ihrer Annäherung. Ungefähr tausend Kilometer weiter südlich, an den beiden Ausläufern der Alpen, gilt dasselbe für die vier italienischen Naturparks des Monte Viso (*) im Piemont und des benachbarten Queyras in Frankreich sowie für die Naturparks der italienischen Seealpen (Alpi Marittime) und des französischen Mercantour.

Die Herausforderung ist größer als sie auf den ersten Blick erscheinen mag, denn es müssen Strukturen harmonisiert werden, die anfangs eher auf die regionalen oder nationalen Verwaltungen ausgerichtet waren. Und die Sprachbarriere ist nach wie vor zu überwinden. Nicht nur die Führungskräfte der Parks müssen die Sprache des jeweiligen Nachbarn erlernen. Auch Dokumente und insbesondere Touristenführer müssen zumindest in die beiden betroffenen Sprachen übersetzt werden. In den letzten beiden Jahren wurden deshalb Italienischkurse für die Beschäftigten des regionalen Naturparks Queyras durchgeführt.

Durch die Anerkennung eines grenzüberschreitenden Biosphärenreservats von der UNESCO im Jahr 1998 wurde die Zusammenarbeit der Vogesen und der Pfalz, die bereits auf das Jahr 1983 zurückgeht, noch verstärkt. Es sind mehrere deutsch-französische Arbeitsgruppen ins Leben gerufen worden, vor allem zu den Themen biologische Vielfalt und Luchs. Seit mehreren Jahren soll ein wissenschaftlicher Beirat gegründet werden, ein Projekt, das auf verschiedene Hindernisse stößt, nicht zuletzt in Bezug auf die Verfügbarkeit entsprechender Wissenschaftler.

Ergebnisse

Sowohl in den Vogesen als auch in den Alpen gehören die Fernwanderwege mit gemeinsamer Beschilderung zu den konkretesten Ergebnissen. Derzeit wird über die einheitliche farbige Kennzeichnung der Fernwanderwege des Queyras, des (französischen) Nationalparks Mercantour und des Nationalparks Monte Viso diskutiert. Außerdem ist eine Sanierung der grenzüberschreitenden Wanderwege vorgesehen. In den Vogesen wurde im Rahmen von INTERREG I (1993-1996) ein grenzüberschreitender Wanderweg mit Markierungen aus Sandsteinen geschaffen. Im Rahmen von INTERREG II (1997-2000) konnte mit Hilfe eines LIFE-Programms der Europäischen Union eine gemeinsame Datenbank über die natürlichen Ressourcen des Biosphärenreservats errichtet werden. Zurzeit werden die Arbeiten an einem themenbezogenen Führer zur Entdeckung des grenzüberschreitenden Biosphärenreservats, der sich an die Öffentlichkeit richtet, abgeschlossen. In den Alpen ist im Jahr 2007 ein Topoguide mit dem Titel „Tous les tours du Viso entre Queyras et Italie“ (Alle Touren des Viso zwischen Queyras und Italien) erschienen. Darüber hinaus zielt das Projekt SITTALP (alpines grenzüberschreitendes Tourismussystem) im Rahmen von INTERREG IIIA ALCOTRA (Alpes latines coopération transfrontalière – grenzüberschreitende Zusammenarbeit lateinische Alpen – Juni 2005 – Mai 2008) auf die Wiederbelebung des Tourismussektors im italienischen Valle Varaita und in seinem französischen Pendant, dem Queyras, ab.

In Bezug auf die Menschen, die trotz verschiedener Pässe sehr ähnlich leben und teilweise noch verwandte Dialekte sprechen, werden grenzüberschreitende Bauernmärkte in den Vogesen und in der Pfalz durchgeführt. Rund vierzig Landwirte beider Seiten der Grenze kommen vier Mal pro Jahr zusammen, um ihre Produkte gemeinsam zu verkaufen. Zwei Mal in Deutschland und zwei Mal in Frankreich. „Wir denken an ein gemeinsames Markenzeichen auf der Grundlage einer Leistungsbeschreibung“, erklärt Marc Hoffsess, Direktor des regionalen Naturparks Nordvogesen. Da es auf französischer Seite bereits das Markenzeichen „Park“ gibt, „wäre es sinnvoll, dieses französische Markenzeichen grenzüberschreitend brauchbar zu machen, anstatt aus dem Nichts ein Markenzeichen „Biosphärenreservat“ zu schaffen.“

Was den Tourismus angeht, so wird diese „Ressource“ seltener gemeinsam genutzt, als man sich vorstellen könnte. Herr Hoffsess hebt in diesem Zusammenhang die „Nabelschau“ der Fremdenverkehrsämter hervor, die den Urlaubern keineswegs spontan vorschlagen, im Nachbarland vorbeizuschauen... In den französisch-italienischen Parks ist derzeit eine „Beobachtungsstelle für den grenzüberschreitenden Tourismus“ in Vorbereitung. Nach Angaben des regionalen Naturparks Queyras gehört ein „sehr gut gehender Sherpa-Dienst“ zu den konkreten Ergebnissen in Bezug auf die Wanderer. Mit diesem Dienst kann deren Gepäck auf beiden Seiten der Grenze transportiert werden.

(*) Naturparks des Monte Viso: Gran Bosco di Salbertrand, fascia fluviale del Po - Tratto Cuneese, Val Troncea, Orsiera Rocciavrè

Datum des Entwurfs

01/07/2007