Neue Energie aus altem Abfall

Eine Großdeponie in der Nähe von Tallinn wurde stillgelegt und der Bereich saniert. Die einst als Schandfleck und konstante Umweltverschmutzung geltende Deponie wurde 2003 stillgelegt. Seither wurden umfassende Arbeiten unternommen, um die verschiedenen Umwelt- und Gesundheitsgefahren anzugehen. Heute wird hier wertvolles Biogas sowie Wärme und Strom für ein lokales Energieunternehmen erzeugt.

 Weitere Extras

 
Umfassende Sanierungsarbeiten lassen das Gras in Estland wieder grüner werden Umfassende Sanierungsarbeiten lassen das Gras in Estland wieder grüner werden

„Mit der Stilllegung der Pääsküla-Deponie konnte der größte Schandfleck in unserer Landschaft ausgemerzt werden. Jetzt ist alles neu und sauber. Kürzlich wurden in der Nähe schon Häuser gebaut.“
Rainer Vakra, Bezirksvorsteher von Nõmme

Die dreijährige Sanierung hat u. a. durch die Beseitigung der Geruchsbelästigung, die Verbesserung der Wassergüte und die Wiederansiedlung bestimmter Wildtiere die Situation vor Ort erheblich verbessert. Die Stadtverwaltung hofft, den Bereich in einen Erholungsraum umzufunktionieren.

Umfangreiche Sanierung

Estland hat im letzten Jahrzehnt zur Einhaltung der EU-Richtlinie zu Abfalldeponien aus dem Jahr 2001 neue Abfallwirtschaftszentren eröffnet. Damit sollen Recycling und Verwertung gefördert, alte Deponien stillgelegt und Abfallströme umgelenkt werden. Von den vor 10 Jahren bestehenden ca. 350 großteils ungeordnete Deponien sind jetzt nur mehr fünf städtische Großdeponien übrig geblieben, die alle sorgfältig betrieben werden, um die Umweltauswirkungen gering zu halten.

Tallinn entsorgte pro Jahr meist um die 200 000 Tonnen Hausmüll in der Deponie von Pääsküla. Das Ergebnis war ein auf 30 Hektar verteilter unansehnlicher stinkender fast 40 m hoher Müllberg.

Der seit vier Jahrzehnten bestehende Standort wurde im Jahr 2003 für die weitere Abfallentsorgung gesperrt. In den folgenden drei Jahren wurde im Rahmen eines zu 75 % aus EU-Mitteln finanzierten Großprojekts der Deponiekörper mit einer Abdichtung gesichert. Es wurde eine rundherum führende 1,8 km lange Straße errichtet und ein Deponieüberwachungssystem installiert. Außerdem wurden eine Anlage zur Sickerwassersammlung und ein Bewässerungssystem, eine umlaufende Pfahlwand aus Vinylkunststoff und ein System zur Deponiegaserfassung mit 7 km Leitungen, drei Regelstationen, ein Kompressor und ein Gasbrenner errichtet.

Ausmerzung eines Schandflecks

Für das Umland und die Privathäuser in der nahen Umgebung war das Projekt ein Wendepunkt. Keine Geruchsbelästigung mehr, die nahen Fluss- und Oberflächengewässer sind sauberer und auch die Möwen- und Nagetierplage gehört der Vergangenheit an, stattdessen gibt es wieder mehr Hirsche, Füchse und Feldhasen. Dank Kosteneinsparungen im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens standen zusätzliche Mittel für die Errichtung einer öffentlich zugänglichen Abfallannahme und -trennungsanlage und für die Sanierung eines 300 m breiten Streifens rund um die Deponie bereit.

Seit 1994 wird das Deponiegas erfasst und wird heute auch zur Befeuerung von zwei Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) genutzt. Wärme und Strom werden an ein lokales Energieunternehmen verkauft. Zwischen 2002 und 2008 sank die Jahresbiogasproduktion um mehr als den Faktor zehn, während sich die Strom- und Wärmeerzeugung mehr als verdreifachte. Die erzeugte und verkaufte Menge an Wärmeenergie beträgt ca. 10 GWh/Jahr. Die Instandhaltung und Überwachung des Standorts dauert noch weitere 30 Jahre.


Datum des Entwurfs

07/01/2010