Den Staub der Vergangenheit abschütteln und Neues wagen

Das Kohlebergwerk in Bois du Cazier ist mehr als eine ehemalige Zeche. Es war der Schauplatz des schwersten Unglücks in der Industriegeschichte Belgiens, bei dem hunderte Bergleute 1956 ihr Leben ließen.

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Blick auf eine Touristenattraktion der ehemaligen Zeche. Copyright: Jean-Luc Deru / Photo-daylight.com Blick auf eine Touristenattraktion der ehemaligen Zeche. Copyright: Jean-Luc Deru / Photo-daylight.com

„Das Projekt hat einen hohen Symbolwert für die Region: Es bietet die Möglichkeit, die Vergangenheit kennen zu lernen und in die Zukunft hineinzuwachsen.“
Jean-Louis Delaet, geschäftsführender Direktor, Le Bois du Cazier

Zum Gedenken an die Opfer und auch als Zeichen der industriellen Revolution in dieser Region nahm die wallonische Region im Kohlebergwerk Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten in Angriff, um der lokalen Bevölkerung und Touristen (circa 300 000 jährlich) die Gelegenheit zu geben, den ehemaligen Industriestandort zu besichtigen, an kulturellen Veranstaltungen teilzunehmen und mehr über die Industrievergangenheit und aktuelle Problemen zu erfahren.

Eine Tragödie, die im Gedächtnis bleibt

Die erste Phase des Projekts (1994 bis 1999) umfasste die Restaurierung der bestehenden Gebäude, den Bau des Industriemuseums und die Einrichtung von Bereichen wie die Gedenkstätte für die 262 Opfer des Grubenunglücks vom 8. August 1956, in dem Bergleute aus 12 Nationen in einem sich rasch ausbreiteten Feuer den Tod fanden.

Einzigartiges Industriedenkmal als Touristenattraktion

In der zweiten Phase (2000 bis 2006) ging es in erster Linie darum, den Standort für Touristen attraktiver zu machen. Es wurden ein Shop und ein Restaurant errichtet, Live-Workshops (Schmiedearbeiten) eingerichtet, Beleuchtungen installiert und die verschiedenen Bereiche des Standorts mit einander verbunden. Auch die umliegenden Waldflächen (circa 55 Ar insgesamt) wurden umgestaltet: Es wurden Spazierwege angelegt, damit die Besucher auch die „grünere“ Seite des Industriedenkmals genießen können. Dank der Sanierungs- und Sicherungsarbeiten können sich Besucher und Personal nun auf dem Gelände sicher bewegen und kegelförmige Abraumhalden, luftige Brücken aus Holz und Metall sowie ein Landschaftsobservatorium in fast 250 m Höhe mit einem spektakulären 360° -Panorama über die ganze Region nutzen.

Ausstellungsstücke aus der Vergangenheit

Eine der Haupteinrichtungen des Standorts ist das Industriemuseum, das einen Einblick in die Hauptsektoren der lokalen Industrie gibt: Kohlebergwerk, Eisen und Stahl, Glass, Metallarbeit, mechanische und elektrische Konstruktionen, Chemie, Druck und soziales Leben. Ein Wellblechwalzwerk aus dem 19. Jahrhundert, Dampfmaschinen, Gleichstromerzeuger, Pressen und eine elektrische Straßenbahn von 1904 gehören zu den Ausstellungsstücken. Eine weitere große Attraktion ist das Glasmuseum, in dem moderne und alte Arbeiten zu sehen sind. 

Bezug zur Aktualität

Der Standort Bois du Cazier ist außerdem eine Gedenkstätte, Teil eines Zusammenspiels von historischen Stätten als Gedenken an frühere Kämpfe für Gerechtigkeit und als Symbol ihres Erbes aus der Vergangenheit. Er bietet einen passenden historischen Rahmen für aktuelle Debatten über Sicherheit am Arbeitsplatz sowie Einwanderung in der Vergangenheit und Gegenwart. Im Rahmen von geführten Besichtigungen, Aktivitäten und Debatten können sich die Besucher mit der Einwanderungsproblematik auseinandersetzen und über konkrete Maßnahmen nachdenken, die sie diesbezüglich umsetzen können.


Datum des Entwurfs

29/09/2010