„Schwabenkinder“-Geschichtsprojekt bringt Museen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zusammen

Ein Projekt der territorialen Zusammenarbeit erweckt ein vergessenes Kapitel grenzüberschreitender Geschichte wieder zum Leben. Hier werden die Wege der Kinder nachverfolgt, die als Wanderarbeiter im 17. bis 19. Jahrhundert umherzogen. Die neuen Ausstellungen und der begleitende Wanderführer ziehen auch Touristen an.

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Die Ausstellung im Bauernhaus-Museum in Wolfegg zeigt die anrührenden Geschichten der Schwabenkinder auf einem Multimedia-Bildschirm. Die Ausstellung im Bauernhaus-Museum in Wolfegg zeigt die anrührenden Geschichten der Schwabenkinder auf einem Multimedia-Bildschirm.

" Durch die EU-Förderung bot sich für die beteiligten Museen in fünf Ländern die Möglichkeit, ein gemeinsames Stück Sozialgeschichte aufzuarbeiten und in spannenden Ausstellungen zu präsentieren. Durch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit entstand ein gewinnbringender Austausch und ein Netzwerk, das bereits jetzt über das Thema Schwabenkinder hinaus reicht. "

Stefan Zimmermann, Direktor des Bauernhaus-Museums Wolfegg

Museen und Archive im Dreiländereck Österreich-Deutschland-Schweiz rund um den Bodensee arbeiten zusammen, um auf die Geschichte der so genannten „Schwabenkinder“ aufmerksam zu machen. Ziel des Projekts ist auch die bessere Identifizierung mit der Grenzregion durch Bildungsangebote und Veranstaltungen, Tourismusbelebung und eine Förderung der Forschungszusammenarbeit unter den Partnern.

„Schwabenkinder“ ist die Bezeichnung für Kinderarbeiter, die zwischen dem späten 17. und dem frühen 20. Jahrhundert von Vorarlberg und Tirol in Österreich, Südtirol in Italien, Liechtenstein und Teilen der Schweiz nach Oberschwaben in Deutschland wanderten, wo sie im Sommer auf Bauernhöfen arbeiteten und im Winter zurück zu ihren Familien gingen. Die zwischen sechs und 14 Jahre alten Kinder stammten gewöhnlich aus armen Familien. Sie überquerten in großen Gruppen die Alpen und boten den Bauern auf speziellen Märkten ihre Dienste an. In manchen Jahren kamen mehrere tausend Kinder.

Geschichte wird in Museen und auf Wanderwegen präsentiert

Das Projekt ist in zwei Teile gegliedert. Das Hauptelement – die Erforschung der Geschichte der Schwabenkinder und die Entwicklung von ständigen Ausstellungen in den Partnermuseen und Archiven – wird durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen des Interreg-Projekts „Schwabenkinder“ gefördert.

Ausstellungen und Veranstaltungen werden an den Herkunftsorten der Kinder und auch in Oberschwaben organisiert. Dort werden die Aktivitäten vom Bauernhaus-Museum Wolfegg koordiniert. Eine Projekt-Website, eine Schwabenkinder-Datenbank mit bislang 7 025 Einträgen und ein pädagogisches Begleitprogramm sind die wichtigsten Ergebnisse dieses Projekts.

Neben den Hauptaktivitäten soll im Rahmen der Initiative „Der Weg der Schwabenkinder” ein Wanderweg entstehen, der die historische Route der Kinder nachverfolgt. Mit Hinweisschildern, einem Wanderführer und einer Mobilfunk-App wird die Sozialgeschichte der Schwabenkinder präsentiert.

Die beiden EFRE-geförderten Projekte haben zu mehr touristischem Interesse an der Region geführt – die Besucherzahlen im Museum Wolfegg sind zwischen 2011 und 2013 um 20 % angestiegen. Sie haben aber auch zu einem besseren Verständnis der gemeinsamen Sozialgeschichte und einer besseren lokalen Identifizierung mit der Bodenseeregion geführt.

Gesamtinvestitionen und EU-Mittel

Die Gesamtinvestitionen für das Projekt „Schwabenkinder“ belaufen sich auf 1 372 000 EUR und für das Projekt “Der Weg der Schwabenkinder” auf 307 430 EUR . Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) hat hierzu jeweils 823 200 EUR und 184 458 EUR durch das operationelle Programm „Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein” für den Programmzeitraum 2007-2013 beigetragen.

Datum des Entwurfs

27/05/2015