Den Wandel bewältigen: das Programm Technopol in Niederösterreich

Eine Partnerschaft für technologische Forschung und Innovation, die der geschäftlichen und regionalen Entwicklung zugute kommt.

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Die Spitze eines Diamond-Flugzeugs, die einen neuartigen, von einem multidisziplinären FuE-Team am Technopol inspirierten Motor beherbergt. © Haiden-Baumann Die Spitze eines Diamond-Flugzeugs, die einen neuartigen, von einem multidisziplinären FuE-Team am Technopol inspirierten Motor beherbergt. © Haiden-Baumann

Hintergrund

Anfang des letzten Jahrhunderts wurden in der Wiener Neustadt (Bev.: 35.000) große Versuche und Erfindungen gemacht. Im Jahr 1900 baute Ferdinand Porsche, der „Vater des VW“, sein erstes Auto, und dieser Lohner-Porsche hatte auf der Pariser Weltausstellung sein Debüt. Und dann, im April 1910, begann die Geschichte der österreichischen Luftfahrt: Karl Illner unternahm in einem von Igo Etrich entworfenen Flugzeug seinen ersten Flug. Heute, 100 Jahre später, kommen in der am Technopol Wiener Neustadt durchgeführten Forschung und Entwicklung unverkennbar ähnliche Fähigkeiten zum Tragen.

In den Jahren dazwischen wurde die Industriebasis der Wiener Neustadt durch den Zweiten Weltkrieg zerstört, an ihre Stelle traten Geschäfte und Bildungseinrichtungen. Später, Mitte der 80er Jahre, begann die Rezession Folgen zu zeigen, die wirtschaftspolitischen Maßnahmen des Landes Niederösterreich mussten neu bewertet werden. In diesem Kontext wurde die Innenstadt zur „Gebietshauptstadt“ für Forschung und Technologie erklärt. Dies wiederum führte zur Schaffung regionaler Innovationszentren, eines Technologiezentrums und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Wiener Neustadt.

Diese neuen Einrichtungen unternahmen eine Reihe konzertierter Bemühungen, die ein Schlaglicht auf die entscheidende Bedeutung von Forschung und Technologie warfen. Einige dieser viel versprechenden Entwicklungen wurden von der EU unterstützt, und angesichts der positiven Auswirkungen wurde 2004 beschlossen, das Technopol-Programm zu starten und den Technopol Wiener Neustadt zu errichten. Heute, im Jahr 2006, beherbergt der Technopol neben der Hochschule für angewandte Wissenschaften Forschungseinrichtungen und Industriefirmen und bietet auch anderen Unternehmen die Möglichkeit, sich auf seinem „Campus“ niederzulassen.

Das Projekt in Aktion

Die Hauptpartner sind wichtige Akteure aus Wissenschaft und Industrie, Organisationen für Wirtschaftsentwicklung und öffentlichen Einrichtungen. Letztere umfassen das Wirtschaftsministerium der niederösterreichischen Regierung, die Handelskammer, die regionale Wirtschaftsagentur namens ecoplus und ein lokales öffentliches Unternehmen, TecNet Capital. Die wissenschaftlichen Partner kommen von Universitäten, sie organisieren die Kompetenzzentren, die in ständigem Kontakt mit ihren angeschlossenen Industrien stehen. Das österreichische Forschungszentrum von Seibersdorf ist ebenfalls ein wichtiger wissenschaftlicher Partner.

Das Technopol-Programm konzentriert sich auf drei größere Forschungsfelder: funktionelle Oberflächentechnologie, Mikrosystemtechnik und medizinische Systemtechnik. Durch den aktiven Technologietransfer, der Forschung und die industrielle Verwertung seiner Ergebnisse beinhaltet, können Firmen daran teilhaben. Gegenwärtig wirken etwa 25 größere Unternehmen an dem Programm mit, darunter Diamond Aircraft, Berndorf und Hirtenberger, aber auch KMU sind gut vertreten. Die Forschungseinrichtungen und die Industriepartner aus Österreich wie auch internationale Unternehmen wie Siemens und Bosch arbeiten eng miteinander zusammen.

Ergebnisse

In den letzten Jahren haben die mit dem Technopol verbundenen wissenschaftlichen Partner 350 zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt. Die Beschäftigung im Industriesektor steigt ebenfalls. Beispielsweise konnte die Diamond Aircraft Company, die kleine Flugzeuge mit neuartig konstruierten Motoren baut, dank der technischen Unterstützung durch das Technopol-Programm und der Hilfe seitens ecoplus und des Wirtschaftsministeriums die Zahl ihrer Mitarbeiter von 150 auf über 500 erhöhen.

Das Technopol-Programm und der Technopol Wiener Neustadt sind in ganz Europa bekannt, und nun erlangt ihre Arbeit in kleineren Bereichen wie etwa elektrochemische Oberflächenbehandlung, Tribologie und Pulverspritzgießen wachsende Anerkennung in den Vereinigten Staaten. Mit einem ehrgeizigen Projekt zur Realisierung des österreichischen Krebsforschungszentrums für Ionentherapie (www.medaustron.at) hat das Programm außerdem seinen ersten Schritt in den Gesundheitssektor gemacht.

Technopol-Manager Ewald Babka ist der Ansicht, dass „unser Konzept sich leicht auf andere EU-Regionen übertragen lässt“. Allerdings weist er darauf hin, dass man dazu „Menschen braucht, die bereit sind, Dinge zu verändern, anderen die großen Herausforderungen vor Augen zu führen, ehrgeizige Pläne zu machen und mit der Regionalregierung zusammenzuarbeiten, um die wesentlichen Elemente dieser Pläne zu verwirklichen.“

Datum des Entwurfs

01/06/2006