Umweltanliegen und –interessen: Besucherzentrum des Nationalparks Thayatal

Ein grenzübergreifender Ansatz zum Schutz der Natur und zum Ausbau des regionalen Tourismus.

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Empfang in den Nationalparks Thayatal und Podyjí mit dem Besucherzentrum im Hintergrund Empfang in den Nationalparks Thayatal und Podyjí mit dem Besucherzentrum im Hintergrund

Kontext

Der Nationalpark Thayatal hat entlang des Flusses Thaya eine 26 Kilometer lange, gemeinsame Grenze mit dem Nationalpark Podyjí in der Tschechischen Republik. Als der Podyjí-Park 1991 angelegt wurde, gab es auf österreichischer Seite nur ein kleines Naturreservat am Flussufer, aber man beschloss, diese beiden Schutzgebiete zu harmonisieren, und im Jahr 2000 wurde der Nationalpark Thayatal gegründet. Neben dem Hauptziel des Naturschutzes besteht ein weiteres Ziel des Parks darin, den umweltfreundlichen Tourismus zu fördern. Dadurch entstand der Bedarf nach einem Zentrum, das den Naturschutz in den Brennpunkt des Interesses der Besucher rückt.

Grenzüberschreitende Partnerschaft

Der Bau und die Ausstattung des Besucherzentrums wurde auf partnerschaftlicher Basis unternommen. 50% der Finanzmittel kamen von INTERREG IIIA, 25% vom Regionalentwicklungsfonds der Provinz Niederösterreich, 12% wurden vom Bundesministerium und 13% aus Eigenmitteln des Parks finanziert. Der Podyjí-Partnerpark bot ebenfalls Rat und Unterstützung.

Das Gesamtprojekt wurde von externen Beratern geleitet. Mit Hilfe ihrer Management-Erfahrung konnte das Besucherzentrum im Jahr 2003 wie zeitlich vorgesehen und im geschätzten finanziellen Rahmen fertig gestellt werden. Während des Projekts gab es keine erheblichen Probleme, und als Dreingabe wurde das Zentrum im Jahr 2004 noch für herausragende Leistungen im Bereich Holzarchitektur ausgezeichnet.

Projektaktivitäten

Das Zentrum liefert ein breites Spektrum an umweltbezogenen und touristischen Informationen und ist der Ausgangspunkt für Ausflüge und Rundgänge im Park. In der Ausstellungshalle können die Besucher die lokale Naturgeschichte über mehrere Millionen Jahre nachvollziehen und an Seminaren teilnehmen, die nicht nur den Naturschutz behandeln, sondern zahlreiche andere Umweltthemen. Der Park legt einen besonderen Schwerpunkt darauf, Kinder und junge Menschen für die Umwelt zu interessieren und ihnen Wissen darüber zu vermitteln. Aus diesem Grund wurden viele verschiedene Aktivitäten drinnen und draußen für Schulen und Jugendgruppen gestaltet.

Die Zusammenarbeit mit dem tschechischen Nationalpark besteht weiterhin. Grenzüberschreitende Wanderwege sind verbessert worden, vor allem seit Österreich und die Tschechische Republik 2006 einen Vertrag über Grenzüberschreitung von Touristen unterzeichnet haben. Es gibt ebenfalls ein gemeinsames Managementprogramm für die Parks, das von den beiden Management-Teams im Einklang mit den Gesetzen ihrer jeweiligen Länder umgesetzt wird.

Ergebnisse

Zirka 25 000 Menschen haben das Besucherzentrum jährlich seit seiner Öffnung besucht. Rund 16% davon waren Schüler im Rahmen der besonderen Schulprogramme, die in den Monaten Mai und Juni außerordentlich beliebt sind. Weitere 25% waren Besucher auf Ausflügen und Wanderungen, und 17% Besucher der Ausstellungen. Der Park wird nunmehr als wichtiger Akteur der Regionalentwicklung anerkannt, vor allem im Bereich Tourismus, aber auch im Bereich der Schaffung wertvoller Partnerschaften mit über 40 Organisationen oder Unternehmen. Dieses Partnerschaftsprogramm, das die Mitglieder zu gut definierten Qualitätskriterien verpflichtet, hat zahlreiche wechselseitige Vorteile. Alle Partner sind verpflichtet, ihre Kunden über den Park zu informieren. Im Gegenzug werden die Produkte der Partner während der verschiedenen Veranstaltungen und im Geschäft des Besucherzentrums beworben.

Durch die Eröffnung des Zentrums konnten drei weitere Vollzeitbeschäftigte und neun Teilzeitbeschäftigte eingestellt werden. Diese zusätzlichen Personalressourcen haben dem Park dabei geholfen, hochwertige Dienstleistungen zu erbringen, was im Rahmen einer Analyse der Verbrauchermeinung bestätigt wurde. Die Umfrage umfasste Kundendienstleistungen, Information, Ausrüstung, Sonderprogramme für Kinder, Öffnungszeiten, Reaktionen auf Telefon- und E-Mail-Anfragen. Der Park erreichte 96%, das beste Ergebnis, das eine Touristenattraktion in Niederösterreich je erreicht hat.

Als nächster Schritt ist die Zusammenarbeit mit dem regionalen Tourismus-Sektor bei PR-Maßnahmen geplant, um die Besucherzahlen noch weiter anzuheben. Robert Brunner, der Parkleiter, glaubt, dass „wir zwei wichtige Lehren aus diesem Projekt gezogen haben. Erstens: professionelles Projektmanagement reduziert die Gefahren und spart Zeit und Geld, zweitens: unterschätze nie die Bedeutung lokaler Fremdenverkehrseinrichtungen, um die Besucher für dein Projekt und dessen Aktivitäten zu interessieren!“

Datum des Entwurfs

01/06/2006