Ein innovatives Finanzierungsmodell für Energie-Infrastrukturen

In Oberösterreich wird seit 1991 mit Anreizen für Energieeffizienz und der Förderung von alternativen Energiequellen, Pilotprojekten und Infrastrukturen eine aktive Energiepolitik geführt. Unterstützt wird es dabei von innovativen Ideen und finanziellen Mitteln aus EU-Fonds.

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Dieses Biomasse-Fernheizwerk in Weyer-Markt beliefert über ein 11 km langes Netz 121 Kunden mit heißem Wasser. Dieses Biomasse-Fernheizwerk in Weyer-Markt beliefert über ein 11 km langes Netz 121 Kunden mit heißem Wasser.

Kontext



30% der im Land Oberösterreich verbrauchten Energie wird heute aus erneuerbaren Quellen gewonnen. Das hat auch positive Auswirkungen auf die regionale Entwicklung. Das „Ziel-2-Programm“ für Oberösterreich, das 150 Gemeinden fördert und dessen Priorität der Bereich Energie ist, hat zu diesem Erfolg beigetragen.
In diesem Teil Österreichs haben sich ungefähr 100 Gemeinden und Unternehmen für das Modell des "Energie-Contracting" entschieden, eine Innovation, wenn nicht sogar eine Revolution in der Finanzierung von Energie-Infrastrukturen. Oberösterreich ist die erste europäische Region, die ein solches Drittfinanzierungsmodell in die Praxis umsetzt.



Wie funktioniert es? Nehmen wir das Beispiel einer Gemeinde, die ihre Beleuchtung oder Fernwärme modernisieren möchte oder ein öffentliches Gebäude vollständig wärmeisolieren lassen will. Sie wählt durch Ausschreibungen ein Fachunternehmen aus, das nicht nur die Ausrüstung installiert, sondern auch das gesamte Management der Infrastruktur übernimmt, von der vollständigen Finanzierung der Investition bis zur Wartung. Der Unternehmer garantiert der Gemeinde vertraglich einen gewissen Prozentsatz an Energieeinsparungen. Diese garantierte Einsparung ermöglicht der Gemeinde die Rückzahlung der Investition und nach einiger Zeit sogar die Finanzierung neuer Projekte.



"Auf eine gewisse Art wird der Energieposten ausgelagert“, erklärt Erwin Moser, Leiter der Gemeindeverwaltung Munderfing (2700 Einwohner). „Für die neue Gemeindebeleuchtung haben wir einen Vertrag über 120 Monate für die Aufstellung von 318 Lichtmasten abgeschlossen. Gesamtkosten: 165 000 EUR. Bisher haben wir 46 614 kWh pro Jahr verbraucht. Jetzt verbrauchen wir 35 900 kWh. Wir sparen also 10 714 kWh im Jahr, d.h. 23 %, zu denen sich der Contractor verpflichtet.“



Ein Win-Win-System



Diese Vertragsart, für die die regionale Energieagentur des Landes Oberösterreich „O.Ö. Energiesparverband“ (ESV) Beratung, Begleitung und Förderung bereitstellt(im Durchschnitt entsprechend 14% der Kosten oder in Ziel-2-Regionen bis zu 25%), gilt auch für Unternehmen.



Die Firma Weber-Hydraulik (170 Angestellte) mit Sitz in Losenstein produziert Teleskoparme und Schneidgeräte, die von Feuerwehrleuten verwendet werden. Als das Unternehmen seine Anlage erweiterte, entschied es, die Gelegenheit zu nutzen, um im Rahmen des Energie-Contracting-Programms sein Heizsystem gegen ein umweltfreundliches Biomasse-Heizsystem einzutauschen. „Wir haben hier eine Win-Win-Situation“, sagt Produktionsleiter Kurt Sperrer. „Obwohl wir jetzt mehr Fläche zu beheizen haben, haben wir 4600 m3 Heizöl für 85000 EUR durch 7200 m3 Biomasse für 60000 EUR ersetzt. Wir haben einen über 15 Jahre laufenden Vertrag mit einem Heizungstechniker, der uns Einsparungen in Höhe von 25% garantiert, aber in Wirklichkeit belaufen sie sich auf 40%. Für die Befüllung der Heizkessel haben wir einen Vertrag mit einem Landwirt abgeschlossen, der uns mit Holzchips beliefert.“



Ergebnisse



Das Contracting-System ist für beide Partner von Vorteil:

  • Der Auftraggeber (Gebietskörperschaft oder Unternehmen) muss kein Geld für die neue Ausrüstung ausgeben.

  • Die von Beginn an von dem Contractor garantierten Energieeinsparungen ermöglichen die Finanzierung der Investition.

  • Der Auftraggeber profitiert vom Know-How des Contractors und der aktuellsten Technologie im Bereich Energiemanagement.

  • Die moderne Energieanlage verbessert sein öffentliches Ansehen.

  • Das Personal des Auftraggebers kann sich auf die eigentlichen Aufgaben des Unternehmens konzentrieren, da die Wartung der Infrastruktur vom Contractor übernommen wird.

  • Der Contractor sichert sich ein mehr oder weniger langfristiges Arbeitsvolumen bei einem solventen Kunden.

  • Er bleibt technologisch auf dem Laufenden und profitiert von der Sichtbarkeit auf dem Markt.


Datum des Entwurfs

01/06/2007