Barrierefreier Tourismus: ein grenzüberschreitendes Projekt in Kärnten

Auch Rollstuhlfahrer und Menschen mit eingeschränkter Sinneswahrnehmung haben Freude daran, in den Urlaub zu fahren. Sie müssen bei der Wahl ihres Urlaubsziels jedoch praktischere Aspekte berücksichtigen als andere Reisende. Ein Projekt, an dem Partner aus den angrenzenden Gebieten Österreichs und Sloweniens beteiligt waren, hat den Weg für Besucher mit Behinderungen geebnet. 

 Weitere Extras

  •  
  •  Text verkleinern  
  •  Text vergrößern  
Radfahrer mit Behinderungen © Archiv Društvo paraplegikov Koroške (Paraplegikerverein Koroška) Radfahrer mit Behinderungen © Archiv Društvo paraplegikov Koroške (Paraplegikerverein Koroška)

" Als eines der wichtigsten Ergebnisse des Projekts konnten wir eine Bewusstseinsbildung erreichen. Unsere Region bietet nun Touristen mit Behinderungen viel bessere Möglichkeiten und umfassende, aktuelle Informationen "

Stojan Rozman, Projektkoordinator, Paraplegikerverein Koroška, Slowenien

Partner aus dem österreichischen Lavanttal und der Statistischen Region Koroška in Slowenien schlossen sich in dem Projekt zusammen, um den Tourismus in ihrer Region integrativer zu gestalten. Sie wandten sich dazu an lokale Unternehmen und Einrichtungen, wo sie für Bewusstseinsbildung sorgten und ihre Fachkompetenz einbrachten. 

Die Partner richteten außerdem Schulungen aus, um ein besseres Verständnis für die speziellen Bedürfnisse von Besuchern mit verschiedenen Behinderungen zu fördern. Weitere Aktivitäten umfassten das Testen und die Entwicklung von Freizeit- und Kulturangeboten und die Verbreitung von Informationen.

Gastfreundschaft neu definiert

An Touristen mit Behinderungen ist nichts Ungewöhnliches, so die Ansicht der Partner. Dafür steht auch der Name, den sie für das Projekt gewählt haben: „Anders ist normal – Grenzüberschreitender barrierefreier Tourismus“.

Zu den Zielen des Projekts zählten der Aufbau eines Marktsegments, die Erhöhung der Übernachtungszahlen, die Entwicklung eines grenzüberschreitenden Netzwerks von Betrieben der Freizeit- und Tourismuswirtschaft, die Förderung barrierefreier Gastronomie und Beherbergung und die Entwicklung oder Verbesserung des Angebots für Touristen mit Behinderungen.

Um für diese Aktion Impulse zu setzen, nahmen die Partner mit vielen unterschiedlichen Interessengruppen in ihrem jeweiligen Teil des Großraums Kärnten Kontakt mit Organisationen, Unternehmen, Einrichtungen und lokalen Behörden auf, um für Unterstützung zu werben. Man hatte erkannt, dass man durch die Bündelung der Kräfte auf beiden Seiten der Grenze ein viel abwechslungsreicheres und somit attraktiveres Angebot für Touristen in der Region entwickeln konnte, als es die teilnehmenden Gebiete im Alleingang geschafft hätten. 

Die Partner organisierten außerdem Sensibilisierungsmaßnahmen, unter anderem eine Kunstausstellung, und bauten eine Kooperation mit einer Tourismusschule auf. Sie erstellten eine Vielzahl von Veröffentlichungen, z. B. Reiseführer und Broschüren mit speziellen Angeboten, sowie eine Karte mit Sehenswürdigkeiten in der slowenischen Stadt Slovenj Gradec.

Abbau von Barrieren

Ein besonderes Augenmerk des Projekts lag darauf, Unterstützung bei Möglichkeiten zu bieten, Orte und Dienstleistungen für Touristen mit Behinderungen zugänglich zu machen. Insbesondere der Projektpartner Wirtshaus Kainz wurde umfassenden Umbaumaßnahmen unterzogen: Ein Fahrstuhl wurde eingebaut, zwei Zimmer wurden entsprechend den Bedürfnissen von Gästen mit Rollstuhl renoviert und der Speisebereich wurde barrierefrei umgestaltet. Eine in Slovenj Gradec durchgeführte Initiative konzentrierte sich auf die Verfügbarkeit barrierefreier öffentlicher Toiletten.

In Zusammenarbeit mit Vereinen, die bestimmte Zielgruppen wie Blinde und Sehbehinderte, Gehörlose und Hörgeschädigte sowie Personen mit eingeschränkter Mobilität vertraten, wurden Anforderungsprofile ausgearbeitet. Die Partner begutachteten Hotels und Museen, Restaurants und Freizeiteinrichtungen und ermittelten, welche Verbesserungen notwendig waren. Mehr als 40 Unternehmen sollen sich angeschlossen haben.

Zusätzlich zur Überprüfung der Barrierefreiheit führte das Projekt Schulungen durch. Damit ermöglichte es den Mitarbeitern der teilnehmenden Unternehmen und Einrichtungen, ein besseres Verständnis für die praktischen Aspekte des Reisens mit unterschiedlichen Arten von Behinderungen zu entwickeln und ihre Fähigkeit, angemessene Hilfe und Unterstützung anzubieten, weiter auszubauen. Laut Beispielen des slowenischen Paraplegikervereins Koroška, eines der Projektpartner, lernten die Teilnehmer, wie man einem Gast mit eingeschränkter Mobilität eine Treppe hinab oder hinauf hilft oder wie man sich auf höfliche Weise bei einem gehörlosen Gast bemerkbar macht, wenn man sich nicht in seinem Sichtfeld befindet. 

Das Projekt, dessen Leitung ein Verein übernahm, der sich der Tourismusförderung in der österreichischen Stadt St. Andrä und dem weiteren Gebiet des Lavanttals verschrieben hat, endete im Mai 2014. Auch wenn bei dem Projekt Touristen mit Behinderungen im Zentrum stehen, profitieren auch andere Zielgruppen davon. Nach Auffassung der Partner sind einige der Anpassungen auch für ältere Besucher hilfreich – durch diese Verbesserungen gewinne das Gebiet also auch an Attraktivität für ältere Touristen. 


Gesamtinvestition und EU-Finanzierung 

Die Gesamtinvestition für das Projekt „Anders ist normal – Grenzüberschreitender barrierefreier Tourismus / Drugačnost je normalna – čezmejni turizem brez ovir“ beläuft sich auf 577 853 EUR, an der sich der Europäische Fonds für regionale Entwicklung mit 322 260 EUR im Rahmen des operationellen Programms Slowenien-Österreich für den Programmplanungszeitraum 2007-2013 beteiligte. Die Investition fällt unter die Priorität „Wettbewerbsfähigkeit, Wissen und wirtschaftliche Zusammenarbeit“.

 


Datum des Entwurfs

25/09/2017